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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




1. Kapitel

„Frodo? Frodo!“



Er fiel und fiel. Um ihn herum wurde es schwarz. Die Stille dröhnte in seinen Ohren. Er versuchte nach Luft zu schnappen, doch er konnte sich nicht bewegen, hatte keine Kontrolle über seinen Körper, konnte nichts tun außer sich weiter fallen zu lassen.
Er wusste nicht, wie lange er schon fiel, nur dass der Fall plötzlich endete. Doch statt des zu erwarten Aufpralls fühlte er sich ohne jeglichen Widerstand plötzlich auf etwas Hartem, sich Bewegenden sitzen. Etwas Lebendem.
Warum nur konnte er seine Augen immer noch nicht öffnen?


Jetzt hörte er laute Geräusche um sich her, das Brausen von hochschlagenden Wellen, das Klirren von langen Klingen und erschrockene Schreie.
Scheiße, wo war er hier nur rein geraten?
Er hörte ein lautes Wiehern und der Körper unter ihm setzte sich mit einem tiefen Zittern in Bewegung. Er versuchte sich in den kurzen und erstaunlich weichen Haaren unter ihm festzukrallen, doch das Wesen bäumte sich mit einem lauten erschrockenen Laut auf und Elijah fiel wieder ins Leere, doch diesmal wurde sein Sturz jäh von einem geradezu überrealistisch hartem, unebenen und ziemlich schmerzhaften Untergrund aufgefangen.
Mit einem lauten Platsch fiel er ins Wasser. Elijah riss seine Augen weit auf, versuchte die Eiseskälte abzuschütteln, die sich einen Weg durch seine Kleidung zu seinem Körper bahnte. Dann wurde er stockstill.
Er saß zurzeit in einem seichten Flussbett, das von hohen, grünen Tannen umgeben war. Auf der einen Uferseite sah er ein weißes Pferd, welches nervös hin und her trabte und eine Gestalt lag nur wenige von ihm entfernt.
Er rappelte sich mit Mühe und Not auf, flog mehrmals wieder hin, bis er es schließlich bis zu der reglosen, großen Gestalt am Boden schaffte. Seine Füße bewegten sich so schwerfällig und irgendwie kam er sich so klein vor, ich meine, kleiner als sonst, zu klein.
Er tastete sich vor und blickte in das blasse Gesicht, der sich nun als Frau zu erkennbar gebenden Figur.
„Shit!“ Entfuhr es ihm, als er das blasse Wesen als Liv erkannte. Er beugte sich über sie „He, Liv! Mach keinen Scheiß, Liv, wach auf!“
Sie rührte sich nicht. Elijah rüttelte sie an den Schultern. Ihr Haar fiel zurück und entblößte zwei längliche, sich zuspitzende Ohren und Elijah brauchte einen Moment um zu erkennen, was genau er da sah.
Er zupfte ganz vorsichtig an einem, vielleicht waren es ja nur die Filmohren. Allerdings, so wie sie jetzt aussah, hatte sie wohl ziemlich viel durchgemacht und die Gummiohren hätten das wohl nicht überstanden. Sie saßen ganz fest. Er zog noch mal, diesmal etwas beherzter.
Mit einem Schrei fuhr Liv hoch. „Hey, das tut weh! Wofür war das denn? Lij, warum bitte schön versuchst du mir mein Ohr auszureißen? Lij... und warum bist du so klein?!“
Elijah schaute an sich herunter.
Er trug noch immer sein Filmkostüm, doch seine Füße wirkten viel größer als sonst und, er machte einen Schritt nach vorne auf den scharfen Steinen, außer dem fehlenden Gefühl von Leim und Gummi an seinen Füßen, spürte er plötzlich jeden Nerv in seinen Zehen.
Was, wenn er plötzlich Hobbitfüße bekommen hatte? Vielleicht waren sie ja irgendwie nach Mittelerde gelangt... Ach Quatsch! Jetzt fing er aber an zu fantasieren. Er war schließlich nur in Neuseeland, am Set zu 'Herr der Ringe' und jeden Moment würde ein entrüsteter P. J. aus dem Busch springen, eine besorgte Gemeinschaft hinter sich und ihnen genau sagen, was überhaupt passiert war, unter vielen helfenden Händen.
Doch nichts dergleichen geschah. Hatte er vielleicht doch irgendwo recht gehabt? Er zog geistesabwesend an einem seiner wuscheligen Hobbithaaren an seinen Füßen. Fast sofort schrie er vor Schmerzen auf.
„Lij? Was ist los?“ Fragte eine ungemütlich große Liv.
„Nichts, aber ich glaub' wir müssen was ausprobieren! Liv, könntest du bitte mal an meinem Fuß ziehen?“
„Was soll ich? Lij, bist du sicher, dass es dir gut geht?“
„Nein, im Moment bin ich mir da nicht so sicher. Aber bitte, Liv mache es, nur einmal, wirklich!“
Oh super, er war nahe an einem Nervenzusammenbruch und Liv schien es nicht viel besser zu gehen. Wenn er das hier jemals überstand, sollte er sich einen wirklich guten Therapeuten suchen.
„Na gut...“ Und Liv zog, aber wie sie zog! Hatte die Frau nie gelernt, was Feingefühl hieß? Lij schrie.
„Au! Liv, du solltest an meinem Fuß ziehen und nicht ihn ausreißen!“
„Tut mir leid Lij, aber ich hab eigentlich gar nicht so fest gezogen. Warum sollte ich das eigentlich machen?“
„Ist dir denn überhaupt nichts dabei aufgefallen?“
„Nein, was denn?“
„Na zum Beispiel deine Ohren, sie spitzen sich oben zu, wie deine Filmohren, aber als ich vorhin an ihnen gezogen habe, hast du geschrieen als ob sie deine echten Ohren gewesen wären!“
„Jetzt, wo du es sagst, fällt es mir auch auf! Und als ich gerade eben an deinen Füßen gezogen habe, hätten sie eigentlich auch abgehen müssen, deine Füße, aber sie blieben dran und du hast vor Schmerzen gejammert! Ach und noch eine Frage, kommt es mir nur so vor, oder bist du wirklich kleiner als vorher?“
„Kann schon sein, vorhin kam es mir auch schon so vor. Liv wie groß bist du eigentlich normalerweise?“
„Etwa einen halben Kopf größer als du, aber auch nicht mehr.“
„Steh mal bitte kurz auf! Ich kann mich auch etwa an diese Größe erinnern.“
Liv stand auf und schaute sich erst einmal richtig um. „Seit wann stehen hier Tannen? Ich dachte es wären Buchen und Eschen gewesen.“
Neben ihr erhob sich nun auch Elijah. Sein Kopf dröhnte noch von dem Sturz und sofort griff er nach Liv um sich abzustützen. Er bekam ihren Mantel zu packen und fiel fast wieder.
Seit wann hatte Liv an ihrem Hals ein Schwertscheide hängen? Warte mal, seit wann war Livs Hals so breit? Er drehte seinen Kopf um ihr in die Augen zu blicken. Und sie beide erstarrten.
„Oh Gott, du bist wirklich geschrumpft!“ kam es wie ein Keuchen von Liv.
Elijah schaute geradewegs auf Livs Hüften und hätte er sich nur ein bisschen geduckt, hätte er unter ihren Beinen durchschlüpfen können. „Aber warum? Ich versteh gar nichts mehr!“
Elijah konnte darauf erst einmal nichts erwidern, da genau in diesem Moment raschelte es im Gebüsch und ein kleines rundes Gesicht, das von großen braunen Locken umrahmt war, kam zum Vorschein.
„Hey!“, dachte Liv, „Der hat irgendwie Ähnlichkeit mit Billy.“
„Frodo? Frodo! Da bist du ja! Wir hörten einen Schrei und dachten schon dir wäre irgendetwas passiert. Was machst du da eigentlich mit Frau Arwen? Haben Sie sich irgendetwas getan?“
Billys kleiner Zwilling, oder wohl eher Pippin, denn wenn er sie mit Frodo und vor allem Frau Arwen anredete, musste er, so komisch es auch klang, Pippin sein, redete ohne Punkt und Komma, wie ein Wasserfall.
„Warum bist du eigentlich so nass Frodo? Du bist doch nicht etwa in den Fluss gefallen?!“
„Doch bin ich und zwar nur, weil Arwens Pferd durchgegangen ist. Wo sind denn die anderen?“ Mal sehen ob es klappte, einen Versuch war es wenigstens wert.
„Hier sind wir!“ Tönte es dreistimmig hinter Pippin im Gebüsch und heraus kamen zwei weitere 'Hobbits' und ein großer Mensch, wohl Aragorn, Merry und Sam.
„Herr Frodo“, rief einer der drei 'Hobbits' und fing an ihm den Mantel auszuziehen. „Ist dir irgendetwas zugestoßen? Du bist ja ganz durchnässt! Du wirst dich erkälten und nun zier dich nicht so, runter mit den nassen Sachen Herr Frodo!“
Sam zog nun an seinem Hemd, welches an Elijahs Körper klebte. Elijah wurde rot, purpur, um genau zu sein. „Äh, lass mal... äh... Sam, es... es geht schon...“, nuschelte er und versuchte diesen Händen zu entkommen.
Er wandte und drehte sich, doch Sam hatte ihn schon mit einem „Wir wollen doch nicht, dass du krank wirst.“ das Hemd über den Kopf gezogen und Elijah bekam nun die gesamte Tragkraft der frischen Frühlingslüfte zu spüren.
Hilfe suchend sah er sich um. Liv war wie erstarrt, der große dunkelhaarige Mensch, der hinter den drei Hobbits stand, es war wohl Aragorn und er trug ein ziemlich langes und scharf aussehendes Schwert, schaute wie gebannt Liv an. Der blonde, leiblich etwas besser gebaute und braunäugige, Hobbit, der wohl wirklich Sam war, stand außer Frage. Der erste dünnere, schlaksigere und dunkelbraunhaarige Hobbit mit einem schelmischen Ausdruck auf dem Gesicht, Billy sollte stolz auf seine Ähnlichkeit mit Pippin sein dürfen, sah eher so aus, als ob er das Ganze gut und gerne auf ein privates Techtelmechtel ausbreiten würde. Und schließlich war da noch ein hellbraunhaariger, ernsterer Hobbit, der ihn aus sympathischen grauen Augen anschaute. Blieb ja nur noch Merry!
Ein Wimmern entstieg Elijahs Kehle, doch Sam war mit seiner Entkleidungsaktion schon am Ende angelangt, denn er starre jetzt wie vereist auf Elijahs Schulter.
Schulter? Konnte ihn hier irgendwer mal aufklären? Elijah schaute sich noch einmal gehetzt um, gerade so, als erwartete er irgendwo ein Schild mit der Aufschrift „Ausgang zur realen Welt hier!“ oder „Hier geht’s zu P. J.’s-quick-workshop für das (Über-)Leben in Mittelerde in einer Minute“.
Naja, was immer Elijah auch suchte, er fand es nicht. Warum starrten ihn jetzt plötzlich vier Augenpaare auf seine Schulter? Hatte sein Körper vielleicht neuerdings irgendein exzessives Tattoo, oder was?
Er konnte sich nicht erinnern dort irgendetwas in den letzten Jahren gemacht zu haben. Und er war ja immer noch er selbst... oder etwa nicht?
Und dann traf es ihn mit voller Wucht. Natürlich war er noch er selbst und genau das war das Problem! Frodo hatte ihm anscheinend nur seine Gestalt, nicht aber seine Eigenheiten vermacht. Er schaute kurz auf seine Schulter.
Wie er vermutet hatte. Die Wunde von der Wetterspitze war nicht da! „Oh scheiße, Fuck! Li..., äh Arwen!“
Vier Augenpaare wanderten von seiner Schulter zu seinem Gesicht und wieder wurde Elijah rot. Dagegen musste er echt mal was unternehmen!
„Äh... ich... ich meinte...“ Die Gesichter seiner uralten (ganz neuen) Freunde waren angesichts dieses ganzen un-Frodo-haften Ausbruches entgleist.
Ja, woher sollte Frodo auch genau solche Worte kennen? Dachte Lij finster.
„Äh, Herr Frodo, ist mit dir alles in Ordnung?“ fragte ein ziemlich eingeschüchterter und verunsicherter Frodo und Merry und Pippin ließen sich zu einem ziemlich kläglichen Versuch eines Lachens hinreißen. Aragorn schaute noch mehr perplex als vorher auf Arwen.
„Frodo?“ fragte Pippin, als die Stille schließlich unangenehm wurde, nun ja, unangenehmer als vorher.
Nun war es an Elijah Pippin anzustarren. „Ist es elbisch?“ fragte nun auch ein plötzlich begeisterter Sam.
Oh Gott, wie sollte er da bloß wieder raus kommen? Wäre er doch heute nur im Bett geblieben! Doch bevor Elijah irgendetwas erwidern konnte, das wenigstens halbwegs Sinn machte, ertönte hinter ihnen ein lautes Lachen.
Liv, so schien es, hatte sich wieder von ihrem Schock erholt und schlug nun mit der Faust auf den Boden und hielt sich den Bauch, während ihr Lachtränen die Wange hinab liefen.


(Yanjara und Idril Carnesîr)