Allgemein
Homepage | Aktuell | faq | Tolkiens Romane | Jacksons Verfilmung | Bilder | Musik | Spaß in Mittelerde | Links | Gedichte | Geschichten | Suchen in der website | Chat | Forum |
Gästebuch

Der Roman „Angmar“
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans | Zeittafel

Der Untergang Númenors
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans |
Zeittafel




Die Brücke von Khazad-Dûm


Die Gefährten erreichten die Minen von Moria, doch war kein Eingang zu sehen. Gandalf erklärte, dass Zwergentore unsichtbar seien, wenn sie geschlossen sind, doch dass man sie sehen könne, wenn man mit den Händen über die Tür gleiten und anschließend Mondscheinlicht auf jene Stelle scheinen würde. Dazu musste man die passenden Worte sagen, Worte, die eigentlich längst in Mittelerde vergessen waren. Zufälligerweise fand Gandalf in der Felswand eine glatte Oberfläche, die er mit den Händen abtastete, dabei murmelte er unbekannte Worte, die sehr alt waren und die er zufälligerweise mal irgendwo gelesen hatte. "Jetzt müssen wir nur noch auf den Mondschein warten", sagte der Zauberer.
Legolas hob seinen Arm und blickte auf seine nagelneue Armbanduhr. "Großes Glück ist uns beschieden", sprach der Elb. "Bald wird uns der Mond sein Licht spenden."
"Was ist das?" murrte Gimli und zeigte auf die Uhr.
"Ein Geschenk der erhabenen Herrin von Lothlórien, Galadriel."
"Wer braucht solche Zauberdinge, die mir sagen, wann der Mond erscheint? Ich sehe doch mit meinen Augen, die besser als die eines Adlers sind, dass der Mond gleich aufgehen wird."
"Oh, diese Uhr vermag viele Dinge zu tun, mein liebster Gimli. Die edle Frau Galadriel erzählt mir, dass ihre Zeiger blau aufleuchten würden, wenn Orks in der Nähe seien. Sie wird uns noch sehr nützlich sein."
Gimli hielt inne und beguckte sich die Uhr aus nächster Nähe. "Mithril! Pahhh, aber auch dieses wertvolle Metall macht dein Zauberding nicht nützlicher. Warte ab, bis wir in den Minen auf meinen Vetter Balin treffen werden. Er ist ein Meisterhandwerker. Ich habe in lange nicht gesehen. Ja, wir Zwerge sind fleißig und immer nur am arbeiten."
Endlich beleuchtete das Licht des Mondes und der hellen Sterne die Stellen, die Gandalf zuvor berührt hatte. Silberne Linien kamen zum Vorschein, die sich durch den Fels zogen, und aus den Linien wurden Symbole. Elbenschrift! "Die Türen von Durin, des Herrn von Moria. Sprich, Freund, und tritt ein!" las Gandalf vor. "Nun ja, es ist ja nicht schwer zu raffen, was die Zwerge meinen. Ich muss einige magische Worte sprechen und schon öffnet sich die Tür."
Als auch der fünfte Anlauf Gandalfs kein Ergebnis brachte, setzten sich die Gefährten in der Nähe der Tür nieder, denn sie waren sehr müde von ihrer langen Reise. Legolas und Gimli fingen plötzlich an, sich gegenseitig zu kitzeln, während Boromir Gänseblümchen zählte. Die vier Hobbits machten sich über ihr sechstes Abendessen her. Nur Aragorn war in Gedanken vertieft. Ihn ließ es nicht mehr los, dass Legolas diese sonderbare Armbanduhr besaß.
Nach einer Weile schlug Gandalf wütend gegen die Tür. "Gleich werde ich aber richtig sauer, du dämliche Tür." Boromir sprang so heftig auf, dass ihm sein gepflückter Strauß aus Gänseblümchen hinunterfiel. "Das ist es, Gandalf. Ich habe des Rätsels Lösung. Du hast den Satz falsch gelesen, wir alle haben ihn falsch gerafft. Wir müssen ihn so verstehen: Sprich, Freund..." - der Krieger entfernte sich einige Schritte von der Tür -"... - nun gut, gesprochen habe ich jetzt genug - und tritt ein." Boromir nahm Anlauf, sprang kurz vor der Tür in die Höhe und kam in deren Mitte mit seinen Fußflächen auf, so dass die Tür mit einem Krachen nachgab und umstürzte. Der Eingang lag nun offen. "Der Satz meint, dass wir die Türe eintreten müssen."
"Aber ja", rief Legolas, während er einmal kurz in die Hände klatschte.
Gandalf hingegen blickte nur verkniffen, als würde ihn keine Freude überkommen. "Das Grauen lauert in diesen Minen", flüsterte er.
Die Gefährten betraten die Minen von Moria, nur Gandalfs Stab konnte ihnen mit seinem Licht den Weg weisen. Eine riesige Höhle erhob sich vor ihnen und viele Wege verzweigten sich durch die Gewölbe. Sie mussten Brücken überqueren, an denen es so tief hinunterging, dass man den Boden nicht sah. Nach einer Weile blieben sie stehen, denn der Zauberer kannte den Weg nicht mehr, und so rasteten die Gefährten.
"Wir hätten es wissen müssen", flüsterte Merry Pippin zu. "Als wir letzte Woche zusammen einkaufen waren, hatte er noch nicht einmal mehr die drei Waren auf dem Einkaufszettel im Kopf."
Frodo bekundete ein wenig ihr Lager. Weit unten in der Tiefe konnte er erkennen, wie sich etwas bewegte. Der Hobbit lief sofort zu Gandalf und erzählte ihm davon.
"Ich wollte es euch nicht mitteilen", sprach der Zauberer bitter, "aber ich werde wohl nicht drumherum kommen. Dieses Wesen dort unten ist ein Geldeintreiber. Ich habe seit Monaten nicht mehr die Rechnungen für mein Pfeifenkraut zahlen können, aber ich liebe es doch so. Der Kerl verfolgt mich seit drei Tagen, aber ich darf ihm nicht in die Hände fallen, sonst wird mein ganzer Vorrat, den ich mit auf die Reise genommen habe, beschlagnahmt."
"Nein", rief Frodo erschreckt. Die anderen Gefährten drehte sich zu ihnen um. "Nein.", wiederholte er ganz leise, "Das darf nicht passieren. Wir sind doch alle süchtig nach dem Zeug und nur dein Vorrat ist groß genug, dass er für den Rest der Reise reicht. Merry, Pippin, Sam und ich haben unser Kraut fast aufgebraucht und vor allem Aragorn schnorrt uns ständig an. Wir werden dir den Geldeintreiber vom Hals halten."
"Nein", herrschte der Zauberer den Hobbit an. "Viele, die Pfeifenkraut haben wollen, haben kein Geld, und einige, die Geld haben, haben kein Pfeifenkraut. Kannst du es ihnen geben?"
Frodo wurde betroffen und seufzte. "Nein, ich kann es ihnen nicht geben, denn unsere Beutel sind fast leer. Ich wünschte, wir wären nie süchtig von diesem Zeug geworden, ich wünschte, es wäre nie passiert."
"Das wünschen sich alle in diesen Zeiten, aber sie können es nicht entscheiden. Alles, was wir entscheiden können, ist, was wir mit der Zeit tun, die uns gegeben wurde."
"Ja, du hast recht, und ich habe mich für das Pfeifenkraut entschieden. Was schlägst du also vor?"
"Nur du wirst auf den Geldeintreiber achten, die anderen müssen nichts davon wissen."
"Mmh, nun gut, aber ich erwarte dafür eine Extraportion von dem Kraut."
"Ich bin einverstanden, guter Frodo. Du bist ein wahrer Freund. Wüssten alle von meinen Vorräten und Schulden, würde sie mir das ganze Kraut nehmen."
Gandalf verharrte kurz. Dann stand er auf und rief: "Ah, wir müssen hier entlang, ich erinnere mich wieder." Er zwinkerte Frodo zu und führte die Gefährten weiter in die Minen hinein.
Die liefen lange Zeit weiter, bis ihnen der Atem versagte, als sich vor ihnen eine mächtiges Dach erhob, welches von vielen unzählig hohen Säulen getragen wurde. "Die Stadt Zwergenbinge", sprach Gimli ehrfürchtig in die Dunkelheit. "Einst erstrahlte sie von Licht und Glanz."
Die Gefährten gingen einige Schritte weiter, bis sie eine offene Eisentüre sahen, hinter der ein Raum lag. "Balins Werkstatt", rief Gimli erfreut und rannte in den Raum. Doch dieser war leer, nur in der Mitte stand ein großer Steinsarkophag. Nicht fertiggestellt. Bin für unbestimmte Zeit verreist. Balin, war darauf zu lesen.
"Nein", schrie Gimli, kniete vor dem Sarkophag und schlug mit seinem behelmten Kopf mehrmals dagegen. Tränen kullerten über seine Wangen. "Nein, nein, nein. Wieso muss er jetzt verreisen, wenn ich ihn besuchen möchte, das ist nicht fair, nicht fair. Solange habe ich ihn nicht gesehen."
Legolas fasste dem Zwerg an die Schulter. "Nicht weinen, Liebster, irgendwann werdet ihr euch wiedersehen."
Gandalf hob ein Buch auf, welches an dem Sarkophag lehnte. In ihm waren alle Rechnungen, Bestellungen und besonderen Vorkommnisse sowie Termine verzeichnet. Der Zauberer blätterte im Buch umher und las aus der letzten Seite vor: "Diese elenden Elben, sie haben die Brücke genommen und die zweite Halle, sie kaufen uns alles weg. Dabei sind wir Handwerker, Handwerker, ja, sie können uns doch nicht einfach Teile von Moria abkaufen, und dann noch aus Zwergenbinge. Die Tore konnten wir noch vor ihnen zurückhalten, aber nicht mehr lange. Galadriel fährt voll auf das goldene Tor mit den Edelsteinen ab, doch sie will nicht verstehen, dass es wie alle anderen Dinge zu unserer Stadt gehört und unverkäuflich ist. Ich schenke ihr eine Uhr aus mithril, in der Hoffnung, sie würde mit ihrem Gefolge abhauen und uns in Ruhe lassen. Sie nimmt die Uhr dankend an, aber macht keine Anstalten, Moria zu verlassen. Wir müssen hier heraus, endlich weg von mir. Wir müssen hier heraus - Urlaub, wir kommen."
"Vielleicht sind sie ganz in der Nähe, Balin und seine Arbeitskollegen", glaubte Pippin. Er schrie so laut, dass seine Stimme laut widerhallte.
"Du Dummkopf von einem Tuk. Jetzt wirst du die Orks angelockt haben, die hier hausen. Die können wir nicht gebrauchen. Und was ich noch mehr hoffe - denn sonst werde ich dich in eine Waldschnepfe verwandeln - dass du das Grauen nicht aufgeweckt hast."
Legolas stürmte hervor und zeigte den anderen seinen Arm. "Gandalf hat recht! Schaut nur, die Zeiger meiner Uhr leuchten blau auf! Die Orks sind schon nah!"
"Wir verstecken uns einfach", schlug Sam vor. "Sie werden uns nicht finden."
Doch es war schon zu spät, denn die Orks standen bereits in der Tür und betraten langsam die Werkstatt. Gandalf blickte ihren Anführer verwundert an, ging auf ihn zu, um ihn näher zu betrachten, und lachte dann. "Uruk - hi, wie geht´s?" fragte er freudig.
"Ich bin nicht Uruk, aber er ist ein guter Freund von mir. Seine Freunde sind auch meine Freunde. So seid willkommen."
Die Orks nahmen sich sofort aller Gefährten an und laberten sie mit irgendwelchen Geschichten voll, dass es ihnen bald auf die Nerven ging. Sie verließen Balins Werkstatt und kamen wieder in die Halle von Zwergenbinge. Gandalf ging neben dem Anführer.
"Was macht eigentlich... na, du weißt schon... das Grauen von Moria?"
Der Ork guckte bestürzt. "Oh, Gandalf, es ist fürchterlich. Wie sind ständig auf der Flucht vor ihm. Wir können nicht eine Minute... oh nein, dieses Geräusch..."
Ein lautes Gurgeln durchstieß die Halle und ein rotgelbes Licht war an deren anderem Ende zu sehen.
"Balrog", schrie der Orkanführer. Ein Aufruhr brach aus. "Balrog" riefen alle durcheinander. Kreischend kletterten die Orks zu Tausenden an den riesigen Säulen der Halle empor und waren binnen Sekunden verschwunden.
"Nein", klagte Gandalf weinerlich. "Womit habe ich das verdient." Kapitulierend wartete er, bis der feurige Balrog, der fast so groß wie die Säulen war, bei ihm und seinen Freunden war. Es wurde still, totenstill, noch nicht mal ein Atemzug war zu hören.
"Onkel Gandalf", brüllte Balrog. "Endlich kommst du mich wieder einmal besuchen. Ich habe dich vermisst. Mit den Orks zu spielen, ist langweilig, sie sind so scheu. Manchmal glaube ich, sie gehen mir extra aus dem Weg. Aber da du nun hier bist, lass uns doch fangen spielen. Ich zähle bis 20, dann suche ich euch."
"Gut, Balrog, bis 20." Gandalf schaute in die Runde seiner Gefährten und zuckte die Achseln. "Balrog ist mein Patenkind, jetzt starrt mich nicht so an... Okay, ich wurde genötigt, ihn zum Patenkind zu nehmen, verstanden? Mich nervt er auch tierisch, was glaubt ihr denn, warum ich nicht durch Moria gehen wollte? Na gut, läßt sich jetzt nicht ändern. Lasst uns abhauen, solange das Blag noch zählt."
"...14...13..."
"Los, folgt mir. Die Brücke von Khazad-dûm ist nah. Hinter ihr liegt der Ausgang aus Moria."
Die Gefährten verließen die Halle und rannten durch Gänge und über schmale Brücken. "Ich komme", hörten sie Balrog rufen. Daraufhin beschleunigten sie ihren Schritt noch mehr, doch sie spürten, dass Balrog sie fast hatte.
"Über die Brücke", schrie Gandalf. "Und dann raus hier." Der Zauberer betrat die Brücke von Khazad-dûm als letzter, aber es war zu spät. Balrog stand hinter ihm.
"Ich hab euch", rief er. Er verharrte einen Augenblick, dann lachte er. "Oh, Onkel Gandalf, ich bin so glücklich, dich wiederzusehen." Balrog bückte sich und wollte den Zauberer umarmen, doch Gandalf reagierte schnell und baute um sich herum ein blauweißes Schutzschild auf, dass Balrog zurückzucken ließ.
"Das hat Spaß gemacht, Onkel Gandalf, noch einmal, biiittte!" Balrog sprang vor Freude auf und nieder. Dabei setzte er solche Kräfte frei, dass der Boden unter ihm und ein Teil der Brücke zusammenbrach und er in die Tiefe stürzte.
Gandalf hielt inne und sah über das zerstörte Brückenende hinaus in die Tiefe. "Na endlich", murmelte er. "Da unten ins Kinderzimmer gehört er hin." - "Alles paletti, Freun...", rief er laut, doch würgte er den Satz ab, als er merkte, dass er in die Tiefe gezogen wurde. Balrog! Mit Mühe konnte sich der Zauberer an der Brückenkante festhalten, doch baumelte er nun über der Tiefe.
"Noch nicht gehen, Onkel Gandalf. Ich will noch mit dir spielen", kam es von Balrog, der längst nicht mehr zu sehen war - außer seiner Peitsche, die den Verwandten bald hinter ihm her stürzen lassen würde.
"Ich kann mich nicht mehr halten", keuchte Gandalf in Richtung der Gefährten. "Geht schon vor, es wird wohl hier noch einige Zeit dauern, bis ich mich von Balrog loslösen kann. Geht, ihr Glücklichen, und lasst mich Dummkopf hier allein."
"Gandalf!" schrie Frodo, doch Boromir hielt den Hobbit zurück und der Zauberer stürzte in die Tiefe. "Neeeeein!"
"Kommt, wir müssen hier weg, bevor Balrog nach weiteren Spielgefährten sucht!" Aragorn führte die Gefährten zum Tor von Moria und verließ mit ihnen die Minen. Hinter ihnen schloss sich das Tor wieder und verhinderte, dass Balrog ihnen würde folgen können.
Draußen ließ sich Frodo auf dem unebenen Felsboden nieder und weinte bitteren Tränen.
"Aber Herr Frodo, warum weinst du denn?" wollte Sam wissen.
Frodo blickte ihn mit tränenüberströmten Gesicht an und würgte hervor: "Gandalf... er war der einzige, der einen Pfeifenkrautvorrat bei sich hatte."
"Nein", schrie Sam, und Merry und Pippin und Gimli taten es ihm gleich. Sie alle brachen in Tränen aus und Legolas sah ihren Schmerz und tief in seinem Innern war er froh, dass sein Vater ihm das Pfeifenkrautrauchen verboten hatte. Jetzt erst verstand er seine Worte.
"Legolas, wir müssen weiter. Gimli, kommt", befahl Aragorn.
"Gib ihnen einen Moment, Aragorn", sagte Boromir. "Verstehst du denn nicht ihren Schmerz?"
"Ich bin doch selber süchtig, Boromir, und ich spüre, dass weinen nichts bringt, wir müssen uns bewegen, um andere Gedanken zu bekommen. Außerdem wird es hier bald von Orks wimmeln. Sie werden versuchen, uns zurückzuhalten, um für Balrog längerfristige Spielkumpanen zu bekommen. Willst du das, Boromir?"
Boromir verneinte stumm. Er half den Hobbits beim Aufstehen und so setzten sie ihren Weg fort, der noch lange nicht zu Ende war.

(Heike)