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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein Messer im Dunkeln

Nachdem die Herrschaften ein deftiges Abendessen (Shrimps, Wagner Steinofenpizza, Nutella) zu sich genommen, und sich auf Grund der eigenwilligen Speisenfolge allesamt leichte Magenbeschwerden eingehandelt hatten, legten sie sich erstmal ans Feuer.
Selbst die vier komischen kleinen Gnome waren allesamt ganz schön vollgefressen – aber das war nichts im Vergleich zu dem, was der verfaulte, stinkige Landstreicher zu sich genommen hatte, und der war obendrein auch noch komplett dicht (Champagner, Doppelkorn, Campari Orange, Strohrum).
Als die Fünf einige Minuten lang vor dem Feuer dahinvegetiert hatten, begann der Große auf einmal zu lallen: „Wolllllt ihr, *hicks*, wollt ihr eine Geschhhhichtee hören?“
„Nein! Wir wollen unsere Ruhe und schlafen!“ murmelte der neugierige, häßliche Gärtner der unbedingt mitkommen wollte.
„Na schön“ sabbelte Isidudel’s Alleinerbe „dann halt nicht!“
Wenige Minuten später setzte er abermals zu einer Frage an: „Wolllllt ihr, *hicks*, wollt ihr jetzt eine Geschhhhichtee hören?“
Da der Landschaftskosmetiker mittlerweile eingeschlafen, und die anderen schon schwer am dösen waren, nahm er das Schweigen als Zustimmung und begann mit seiner Geschichte.
„Die Geschichte, die ich euch erzählen möchte, handelt von Lúthien“, begann er.
„...und von ihrem Bären. Lúthien war eine fette, häßliche Freudenhauspächterin irgendwo in Beleriand (wir erinnern uns: Das Stück Land im Westen Mittelerdes, dass schließlich doch im Meer versank – vgl. Niederlande...), sie war ein altes närrisches Weibsbild, und verdiente sich ihren Lebensunterhalt nicht nur mit oben angesprochener Tätigkeit, sondern auch mit einem kleinen Souvenirshop in Doriath (unter anderem gab es dort ein wunderschönes T-Shirt mit der Aufschrift „Ich war in Gondolin“ zu kaufen)...Als sie eines schönen Tages dort – nichts böses ahnend – Mitbringsel verkaufte, stand auf einmal ein riesengroßer Bär vor ihrem Shop – und auf seinem Rücken ein ganzer Korb voller Beeren.
Der Bär baute sich vor ihr auf, räusperte sich, und begann zu sprechen: „Ich bin einer der Beeren-Bären, ein Bär der Beeren, und ich bringe Beeren!“
„Hmmmm... Bären-Beeren... ich liebe Beeren...“, sagte die fette Lúthien.
„Ich kann dich in den Wald der Beeren bringen“, sagte der Bär.
„Er ist nur zwei Wegstunden entfernt , setze dich auf meinen Rücken, und bald schon wirst du mehr Beeren – und Bären – haben, als du jemals haben wolltest.“
Lúthien dachte nicht lange darüber nach, denn alles was sie wollte, waren Beeren.
Sie war gewissermaßen abhängig von Beeren, ließ ihren Souvenirshop Souvenirshop sein, und schwang sich auf des Bären Rücken. Der Bär trabte so schnell wie nur irgend möglich mit ihr in den Wald. Dort angekommen setzte...“
Der kleine Naseweis-Juwelier mit dem billigen Modeschmuck-Ring gähnte herzhaft und sah den völlig besoffenen und vor sich hin phantasierenden Penner an.
„Könntest du bitte etwas leiser sein, manche Leute wollen schlafen!“ fuhr er den númenorischen Dödel an.
„Hm. Interessiert dich die Geschichte von Lúthien und dem Bären denn nicht?! Willst du nicht hören, wie die beiden schließlich einen Bergkristall aus der Krone dieses, wie hieß er doch gleich – naja, wie dem auch sei, ist auf jeden Fall ne verdammt gute Geschichte und da dachte ich...“
„HALTS MAUL!“ schrie der mit dem Ring. „Ich will jetzt schlafen.“
Der Númenorer war nicht so leicht ruhigzustellen.
„Mir gefällt das hier überhaupt nicht... Erinnert ihr euch an die schöne Mulde an der Seite des Berghanges, die wir vorhin zufällig gesehen haben?“
„Jahaaaa...!“ murrte der, dessen wahrer Name auf Latein „fremd“ oder „auswärtig“ bedeutet.
„Ich habe ein schlechtes Gefühl bei der Sache“, erklärte der Landstreicher.
„Wir hätten lieber in der Mulde bleiben sollen, anstatt hier in diese Ruine zu kommen.
Da könnten wir in aller Ruhe sitzen, gemütlich ein Pfeiffchen rauchen, und alle Gefahren wären praktisch beseitigt. Der Ring wäre so gut wie zerstört, und kein Feind würde uns je finden. All unsere Sorgen und Probleme wären nichtig, oh wären wir doch in dieser Erdvertiefung geblieben! Warum nur mussten wir unbedingt auf den Gipfel?“
„Hmmm....“, meinte der Brandy-Bock, „das hat zum Beispiel gewaltige Vorteile bei einer etwaigen dramaturgischen Umsetzung unserer Reise.“
„Red‘ keinen Scheiß!“ ermahnte ihn der Gärtner.
Der Waldläufer legte sich nun auch endlich zur Ruhe, und alle Fünf fielen in einen tiefen, seligen Schlaf. Das Feuer glomm weiter und sie lagen mit weit ausgestreckten Gliedern am Boden. Doch war die Nacht noch nicht weit fortgeschritten, als unser Vorzeige-Númenorer plötzlich auf Grund der bekannten alkoholischen Exzesse ein dringendes Bedürfnis verspürte, und sich mit einer Reisepackung „Hakle Feucht“ hinter den nächstbesten Ruinenfelsbrocken zurückzog. Nachdem er mit größter Sorgfalt die zu erledigenden Prozesse durchgeführt hatte, torkelte er zurück zum Feuer. Gerade als er wieder in tiefen Schlummer verfallen wollte, hörte er ein verdächtiges Knacken im Gebüsch. „Wer ist da?“ lallte er, die Überreste seines Schwertes schwingend. Er erkannte eine verschwommene Gestalt, die sich langsam aus dem Gebüsch näherte. Und da! Noch eine, und siehhääääää! Weitere dunkle Gestalten näherten sich. Helle, kalte Schwerter wurden gezogen und die fünf Schatten traten alle gleichzeitig aus dem Dunkel in den Lichtkegel des Feuers.
„Gestatten“, sagte der, der offensichtlich der Anführer war, „wir sind fünf fröstelnde Nazgülle und würden uns gerne an eurem Feuer ein wenig aufwärmen.“
Die vier kleinen Gesellen wurden auf Grund der nächtlichen Geräusche schnell wach, und rieben sich verwundert die Augen.
Der Vetter des Meisterdiebs war als erster auf den Beinen, und blickte Die fünf dunkel gekleideten Herrschaften misstrauisch an. „Wer seit ihr?“ fragte er.
Der Anführer trat erneut vor, und erklärte: „Seid gegrüßt, Frodo Beutlin. Mein Name ist Khamûl, auch bekannt als der schwarze Ostling. Ich war, falls es dich interessiert, einst ein niederer Landadliger (vgl. Ernst-August von Hannover), doch durch bedauerliche Umstände wurde ich von einem kleinen Schmuckstück korrumpiert, naja, das Leben spielt einem manchmal übel mit. Meinen Brüdern ging es da nicht viel anders, obgleich ich noch vom Glück reden kann, da ich immerhin einen Namen habe. Auf ihnen jedoch liegt ein Fluch, dass sie ihre Namen erst an dem Tage wieder zurückbekommen sollen, an dem ein furchtloser Rollenspielhersteller kommen wird, und sich ihrer prächtigen Namen erinnern wird.
Mache dir übrigens nicht die Mühe, mit meinen Brüdern ein Gespräch zu beginnen. Sie sind sowohl blind, wie auch taubstumm und im Allgemeinen auch noch komplett schwachsinnig.
Unterhaltungen sind also nur mit mir, sowie meinem Großonkel Angmar – übrigens dem einzigen, der auch noch einen Namen trägt – möglich. Leider kann er heute abend nicht hier sein, da er mit diesem dauerbesoffenen Pseudo-Zauberer beim Billard spielen ist.
Aber der langen Rede kurzer Sinn: Ich fragte zwar bereits deinen númenorischen Freund, doch da ich keine Antwort erhielt, frage ich dich nun abermals: Dürfen wir, fünf fröstelnde Nazgülle, uns an deinem Feuer wärmen?!“
„Ööhmm.... ja, wegen mir schon...“, antwortete der junge Beutlin.
So setzten sich die Reiter schließlich ans Feuer, und die Nacht war erfüllt von angeregten Gesprächen, an denen sich sogar der zu allen Zeiten überflüssige und nutzlose Jung-Hobbit beteiligte.
Nach einigen fröhlich-ausgelassenen Stunden, packte Khamûl schließlich seine Gitarre aus (er hatte den Hobbits und dem númenorischen Penner eröffnet, dass er Mitglied im CVJM war), und stimmte ein Liedchen an:
Der Grund war Grau, die Bäume kahl
Die Schierlingsdolden blühten nicht
Da kroch danieder Lichtlein fahl
Kaum Sternenglanz zur Erde fällt.
Tinúviel tanzte, hold und weich
Nah’zu oliphantengleich.
Von Flicken funkelte Ihr Kleid,
von hohem Glanze nun befreit.
Da irrt‘ ein Bäre durch den Wald,
von den Beeren kam er her,
Den Strom der Elben fand er bald
Und ging ihm hungrig hinterher.
Doch plötzlich hört‘ er einen Schrei
Aus der Stille stieg empor
Lauter Krach, bis an sein Ohr.
Da stürzt, beseelt von neuer Gier
Der Bär aus altem Walde
Leeren Magens jetzt und hier
Tinúviel nach in Leidenschaft.
Er jagte sie mit Ungestüm,
doch nicht konnt‘ er sie fassen
Ein Mondstrahl einzig bleibt bei ihm,
doch der Hunger, ja, der treibet ihn.
Wie oft vernimmt er lauten Schritt
Von Füßen, schwer wie alte Eich‘
Und grämliche Musik,
Gräßlich, wie ein toter Ton.
Mit Nebelrauch und Silberstaub
Des Rauhreifs naht des Winters Tritt,
Mit leisem Wispern Blatt um Blatt
Und der Bär noch immer nix zu fressen hat.
Er sucht sie ewig, unverzagt,
wo in großer Dürr‘ die Bäume stehen,
Bei Mond und Stern, nicht wenn es tagt,
da die Sonn‘ ihn dann nur plagt
Ihrer Füße lauter Tritt,
und weiter er den Hunger litt.
So torkelt stampfend durch den Wald,
Tinúviel, das Elben-Balg.
Als um der Winter, kehrte sie
Zurück und sang all‘ Leben bang
Denn Mensch und Tiere flohn
Schnellen Schrittes ihr‘n Gesang.
Der Hunger trieb ihn, wie noch nie
Zum Mahl, zu ihr, es lockte ihn,
mit ihr so leicht dahinzuziehen,
doch dünkt‘ es ihr, erneut zu fliehn.
Sie floh! – er brüllte ihren Namen schnell
Mit Bärenlaut rief er sie an:
Meine Speis‘! Tinúviel!
Da knickt sie um im raschen Lauf,
hatt‘ ein Stöckchen übersehen.
Schnell trabt er zu Tinúviel
Sie musste um ihr Leben flehn
Er holt‘ mit seiner Pranke aus.
Und unter ihrem Schattenhaar,
sah der Bär des Fleisches Glanze, wunderbar
Mit aller Kraft nun biß er zu,
das Fleisch verzehr‘nd,
der Elbin, der Unsterblichen.
Lange Zeit lebt‘ er entbehrend
Doch dies hatt‘ nun ein End‘.

Noch viele weitere Lieder aus den alten Tagen der Edain und der Eldar sangen die fünf Ringgeister, die vier Hobbits und der verwitterte Landstreicher in dieser Nacht.
Doch kein weiteres davon wird in dieser Geschichte noch erzählt.
Als der Morgen schließlich graute, saßen die Zehn immer noch um das mittlerweile erloschene Feuer gedrängt und genossen die frische Morgenluft.
„Nun denn“, sagte Khamûl „voller Freude war diese Nacht, doch alles Schöne muss vergehen. Meine Brüder und ich müssen nun weiterziehen, in rastloser Suche nach... ähm, ja.. nach, oh, ich glaube wir haben das mit dem Ring völlig, naja...“
Der Ringgeist war sichtlich nervös und zog sich mit seinen Brüdern zu einer kurzen Beratung zurück.
Als sie nach wenigen Minuten zurückkehrten, erklärte der schwarze Ostling den Hobbits: „Nun gut, es ist mir zwar sehr peinlich, aber es sieht so aus, als hätten wir einen bedauerlichen Fehler gemacht, anders ausgedrückt: Wir haben uns die ganze Nacht bei fröhlichem Umtrunk mit unseren Feinden um die Ohren geschlagen...Ursprünglich hatten wir eigentlich geplant, dich ein wenig zu verwunden, Frodo... schade, ist jetzt dumm gelaufen.... äähm, tja, was soll man machen, ich schlage vor wir bewahren Stillschweigen über diese mehr als peinliche Nacht: Ihr habt uns nie gesehen und wir euch auch nicht, ok?!“
„Hm“, begann Frodo „na schön, wenn ihr meint... Aber ich fand es wirklich nett mit euch, wir sehen uns doch hoffentlich wieder?!“
„Ohja, schon bald, seeehr bald...“ lächelte Khamûl, und er verschwand mit seinen vier Brüdern so plötzlich wie er gekommen war."

(Cadrach)