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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Abenddämmerung



4. Kapitel

Die Geschwister


Die ersten Strahlen der Morgensonne fielen durch das hohe Fenster direkt ins Zimmer. Warme Sommerluft wehte herein und brachte den Geruch von Bäumen und Blumen mit sich. Von Fern erklang das leise Murmeln von fließendem Wasser und das sachte Rauschen der Blätter.
Dies waren die ersten Eindrücke, die Aduial wahrnahm als er die Augen aufschlug. Das helle Sonnenlicht schmerzte, also schloss er sie wieder. Eine ganze Weile blieb er so liegen und lauschte auf seine Atemzüge. Dann schlug er sie langsam wieder auf und wartete, bis sie sich an das helle Licht gewöhnt hatten. Erst dann gelang es ihm, einen Blick auf seine nähere Umgebung zu werfen. Er befand sich zu seinem Erstaunen in einem hohen, hellen Zimmer. Die Wände bestanden aus Holz und waren mit allerlei Schnitzereien versehen. Die Fenster waren hoch und schmal, so dass das Sonnenlicht ungehindert durchscheinen konnte. Unbewusst strichen seine Hände über die Bettdecke. Der Stoff raschelte leise, als er sie zurückschlug. Er schwang die Beine über den Bettrand und stützte sich mit den Händen auf. Noch einmal warf er einen schnellen Blick um sich, dann stand er langsam und vorsichtig auf. Zu seiner Verwunderung fühlte er sich ausgeruht und frisch wie schon lange nicht mehr. Auf einem kleinen Hocker entdeckte er ein zusammengefaltetes Kleiderbündel. Schnell streifte er das dünne einfache Hemd, das er trug, ab und nahm die Kleidung. Die Hose bestand aus hellem weichen Leder, ebenso wie die Weste. Das Hemd war weiß und aus einem besonderen Stoff, den Aduial nicht kannte, gefertigt. Außerdem entdeckte er seine Stiefel, seine Armschoner, den Gürtel mit dem Dolch und seinen Umhang fein säuberlich aufgereiht daneben. Aduial überlegte nicht lange und begann sich anzukleiden. Die Hose passte wie angegossen und lag wie eine zweite Haut an. Als er das Hemd anziehen wollte, fiel sein Blick auf den weißen Verband, der seine rechte Schulter verdeckte. Nachdenklich strich er mit den Fingerspitzen darüber. Hier war jemand am Werk gewesen, der sich auskannte.
„Na, endlich wach?“
Wie der Blitz fuhr Aduial herum. In der Tür stand ein Elbenmädchen und lächelte ihm zu. In den Händen hielt sie eine Schüssel mit einer dampfenden Flüssigkeit, die aromatisch nach Kräutern roch, und ein Bündel weißes Leinen. Mit einem kritischen Blick musterte sie ihn von oben bis unten. „Du solltest noch nicht aufstehen, sondern dich lieber noch ein wenig ausruhen und zu Kräften kommen.“
„Danke, aber ich habe lange genug geruht.“
Zum ersten Mal fragte sich Aduial, wie lange er hier gelegen war. Was war überhaupt passiert? Dunkel konnte er sich daran erinnern, dass sie plötzlich an einem Fluss halt machten. Dort musste er dann wohl zusammengebrochen sein. Anders konnte er es sich nicht erklären. „Setz dich. Ich muss den Verband wechseln.“
Die Stimme der Elbin riss ihn aus seinen Gedanken. Gehorsam ließ er sich wieder auf das Bett sinken. Mit flinken Fingern löste sie den Verband und wickelte ihn geschickt ab. Sie besah die Wunde noch einmal eingehend. Dann tauchte sie eines der Leinentücher in das heiße Wasser und begann die Wunde zu waschen. Bei der ersten Berührung zuckte Aduial ungewollt zusammen, als er das Brennen spürte. Auch sie hielt inne und blickte zu ihm hoch, ehe sie mit ihrer Arbeit fortfuhr. Während sie mit fachkundigen Blicken die Verletzung musterte hatte Aduial Zeit, sie etwas genauer zu betrachten. Sie war gut einen Kopf kleiner als er und sehr schlank und zierlich. Ihr Haar war von einem tiefen honigfarbenen Goldblond, das in der Sonne fast leuchtete. Allerdings war es nicht wie bei vielen Elben lang, sondern fiel ihr nur knapp über die Schultern und war hier und da zu kleinen Zöpfen zusammengeflochten. Ihre Kleidung war einfach, kam der seinigen vom Aussehen her ziemlich nahe. Am faszinierendsten waren jedoch ihre Augen. Sie waren von einem hellem Blau, das hier und da einen Stich ins Graue besaß. Sie schienen wie Wasser zu sein, gleichzeitig klar und tiefgründig. Wer nicht aufpasste, konnte sich leicht darin verlieren.
Nach einer Weile brach sie endlich das Schweigen: „Du hattest sehr viel Glück.“
„Wirklich?“
„Ja. Die Klinge, die dich getroffen hat, war vergiftet. Das Gift hatte sich schon fast bis zu deinem Herz vorgearbeitet. Nur einen Tag später und dir wäre nicht mehr zu helfen gewesen.“ Nun begann sie, den Verband anzulegen. „Wie ist das eigentlich passiert?“ erkundigte sie sich beiläufig.
Aduial seufzte. „Das ist eine lange Geschichte.“
„Verstehe. Aber sag mir eines: Wie lange warst du seit diesem... ‚Vorfall’ unterwegs?“
Aduial rechnete kurz nach. „Etwa sechs, sieben Tage...“
Er bemerkte ihren ungläubigen Blick, sagte jedoch nichts, sondern wartete auf ihre Antwort. Diese bestand aus einem verblüfften Kopfschütteln. „Wirklich, es ist ein Wunder. Normalerweise müsstest du längst tot sein.“
Sie hatte ihre Arbeit beendet, nahm die Sachen und verließ das Zimmer. Kurz bevor sie die Tür durchschritt drehte sie sich noch einmal um und fragte: „Wie ist eigentlich dein Name?“
„Aduial.“
„Aduial. Das ist ein schöner Name...“
„Und wie heißt du?“ erkundigte er sich schnell, bevor sie verschwinden konnte.
„Sinda.“ Damit war sie zur Tür hinaus.
Aduial blieb noch geraume Zeit sitzen und dachte nach. Sein Kopf schwirrte vor Fragen. Außerdem wanderten seine Gedanken immer wieder zu Sinda zurück. Sie schien für eine Elbin noch sehr jung zu sein, aber sie wusste bereits sehr viel über Heilkunde Bescheid. Außerdem vermutete Aduial, dass das nicht das einzige war, was sie beherrschte. Doch darüber würde er sich später erkundigen. Schnell zog er das Hemd und die Weste an, schlüpfte in seine Stiefel und wollte gewohnheitsgemäß nach dem Gürtel greifen. Doch dann zog er seine Hand wieder zurück. Es schien ihm unangebracht, hier eine Waffe zu tragen, zumal es nur ein Ausdruck seines Misstrauens gegen die Bewohner dieses Hauses war. Also verließ er das Zimmer.
Als erstes trat er in einen hohen, langen Gang, der ebenfalls aus Holz und Schnitzereien zusammengesetzt war. Hier jedoch waren keine Fenster vorhanden, so das er eher düster wirkte. Beim Weitergehen bemerkte Aduial die Bilder und Gemälde, die die Wände zierten. Vor einem blieb er stehen, um es sich genauer anzusehen. Es zeigte eine düstere Schlachtszene. In der Mitte standen sich zwei Reiter gegenüber. Der linke ritt auf einem weißen Pferd, sein zerrissener Umhang flatterte hinter ihm drein, seine Rüstung war zerbeult und schwer mitgenommen. Trotzdem schwang er sein Schwert hoch über seinen Kopf, ein Zeichen, dass er nicht gewillt war, aufzugeben. Bei der anderen Figur bekam Aduial unwillkürlich eine Gänsehaut. Es war ein schwarzer Reiter auf einem schwarzen Schlachtross. Sein Gesicht wurde von einer Maske verdeckt. Auch er hatte die rechte Hand ausgestreckt und deutete auf seinen Gegner. Deutlich konnte man den kleinen, goldenen Gegenstand erkennen, der den Ringfinger umschloss. Aduial trat noch einen Schritt näher an das Bild heran, fasziniert und erschreckt zugleich. Er war so in den Anblick versunken, dass er die Schritte nicht bemerkte. „Weißt du, was das ist? Es ist Isildur, Elendils Sohn, der dem finsteren Herrscher Sauron den Ring vom Finger schnitt...“
Erschrocken wich Aduial ein wenig zurück und drehte sich um. Hinter ihm stand ein Elb mit grauen Augen und hellem Haar, dessen Blick starr auf das Gemälde gerichtet war. Er schien nicht minder fasziniert als Aduial. „Es war der Eine Ring, der seinem Träger uneingeschränkte Macht verlieh, bevor er von einer Gruppe mutiger Gefährten zerstört wurde.“
Nun wandte er seinen Blick ab und sah Aduial an. „Ich bin Asgar. Meine Schwester Sinda und ich haben dich am Fluss gefunden.“
„Ich bin Aduial.“ „Du bist ein Dunkelelb, nicht wahr?“ fragte Asgar direkt.
Aduial zögerte kurz, dann nickte er kaum merklich. „Fühle dich hier ganz wie zu Hause. Wenn du willst, kann ich dir später das Haus zeigen.“
„Was ist das hier überhaupt für ein Ort?“
„Man nennt es Imladris, oder auch Bruchtal. Es ist das Haus von Elrond, dem Halbelben.“ Er senkte seine Stimme ein wenig, so dass sie mit einem Mal ganz ehrfürchtig klang. „Elrond ist einer der klügsten Elben in ganz Mittelerde. Er erlebte den ersten, als auch den zweiten Ringkrieg und weiss sehr viel über Mordor und Sauron Bescheid.“
Aduial horchte auf. Vielleicht wusste dieser Elrond einen Rat, oder konnte ihm zumindest weiterhelfen. „Wo finde ich diesen Elrond?“ erkundigte er sich bei Asgar.
Doch dieser schüttelte nur leicht den Kopf. „Hier nicht mehr. Er ist in den Westen gegangen, kurz nachdem der Ring vernichtet wurde.“
Aduial spürte, wie ihn die Niedergeschlagenheit überkam. Gab es den niemanden, der ihm helfen konnte? Da viel ihm noch eine wichtige Frage ein: „Wie lange war ich bewusstlos?“ sagte er leise.
„Fünf Tage und sechs Nächte.“
Aduial nickte. Dann drehte er sich schnell um und ging.
„Aduial!“
Aduial blieb stehen, drehte sich jedoch nicht um. Asgar druckste ein wenig herum, dann sagte er schnell: „Schön, das du da bist.“, und huschte an Aduial vorbei.
Der Dunkelelb wunderte sich ein wenig über Asgars merkwürdiges Verhalten, doch er hatte keine Zeit sich damit auseinander zu setzten. Statt dessen steuerte er auf eine kleine Seitentür zu, die einen Spalt offen stand. Aduial stieß sie auf und trat hinaus in den Sonnenschein. Er befand sich in einer Art Innenhof, der an drei Seiten geschlossen war. An der vierten Seite war ein großes Holztor, das weit offen stand. In der Mitte des Hofes stand ein Baum. Sein Stamm und seine Äste schienen kunstvoll gedreht zu sein, an den Spitzen der Zweige spross zartes, grünes Laub. Der Baum stand in voller Blüte. Beim kleinsten Luftzug regnete es weiße Blütenblätter herab und legten sich wie eine duftende Decke über das kurze Gras und die große, kreisrunde Steinplatte, die neben dem Baum das Zentrum bildete.
Unter dem Baum entdeckte Aduial eine Person. Es war Sinda. Sie saß auf dem warmen Stein, den Rücken an den Baumstamm gelehnt, die Beine angezogen, in den Händen einen Blütenkranz. Mit geschickten Fingern flocht sie sie herabregnenden Blütenblätter in den Kranz hinein. Sie war so vertieft in ihre Arbeit, dass sie Aduial erst nach einer ganzen Weile bemerkte. Er war in einiger Entfernung stehen geblieben, so, als würde er sich nicht näherkommen trauen. „Aduial, bist du das?“
Sinda schirmte die Augen gegen die Sonne ab, so dass sie besser sehen konnte, dann lächelte sie und winkte ihn näher. „Komm, setzt dich doch.“
Schüchtern kam er näher, bis er unter dem Baum stand. Im Schneidersitz ließ er sich auf den Boden sinken. Der Stein war angenehm warm und der betörende Duft der Blüten lag schwer in der Luft. Eine Weile sah er Sinda noch zu, wie sie ihre Arbeit fortsetzte, dann brach er das Schweigen: „Sind dein Bruder und du die einzigen Elben, die noch hier leben?“
„Oh, du hast Asgar kennen gelernt?“ Es klang mehr wie eine Feststellung als wie eine Frage. „Nein. Hier gibt leben noch ziemlich viele. Nicht alle sind mit Herrn Elrond in den Westen gegangen. Zum Beispiel seine Söhne Elladan und Elrohier. Du wirst sie beim Abendessen bestimmt kennen lernen. Seine Tochter, Arwen Undomiel, ist die Frau des Königs von Gondor.“ Ihr Blick wurde verträumt. „Man sagt, sie ist sehr schön. So wie Tinuviel, die Elbenmaid.“
„Tinuviel?“
Aduials Blick sah leicht verwirrt aus. Auch Sinda runzelte die Stirn. „Du musst schon aus einem komischen Land kommen, in dem man Tinuviel nicht kennt.“
Aduial zuckte die Achseln. „Nun, ich komme nun von sehr weit her. Da ist es nicht verwunderlich.“
Sinda legte den Kopf schief. „Erzähl mir von deiner Heimat.“
Aduial wandte seinen Blick ab und starrte in die Ferne. Seine Gesichtszüge nahmen einen harten Ausdruck an, aber in seinen Augen spiegelte sic auch so etwas wie Sehnsucht wieder. „Ich komme aus einem Land namens Kheleandrà. Es wird dir sicher kein Begriff sein. Es liegt ganz am Ende des Nebelgebirges, sehr dicht an Angmar.“
„Wie sieht es dort aus?“ unterbrach ihn Sinda. „Na ja... es ist im Endeffekt nur ein Waldgebiet, das wie gesagt am Nebelgebirge liegt. Die Sommer sind manchmal sehr heiß und trocken. Dann trocknet auch der kleine Fluss, der Kheleandrà durchfließt, fast vollständig aus und wir haben Monate lang kaum Wasser. Die Winter dagegen sind sehr lang und hart. Der Frost zerstört die wenigen fruchtbaren Felder und tötet das Vieh und das Wild.“
Aduial hielt inne. Er ließ sich das, was er gerade gesagt hatte, noch einmal kurz durch den Kopf gehen. Mit einem Mal kam es ihm auf irgendeine Weise merkwürdig vor, dass er so viele Jahre in dieser Wildnis gelebt haben soll. „Vielleicht klingt das jetzt in deinen Ohren ziemlich hart und rau, aber die meisten haben sich angepasst und können ganz gut dort leben.“, fügte er schnell wie eine Entschuldigung an.
Sinda nickte. „Was ist mit deinen Eltern, deiner Familie?“ erkundigte sie sich. Hier hatte sie einen wunden Punkt in Aduials Seele erwischt. Er dachte an seine Mutter, an die letzten harten Worte seines Vaters und an seinen Bruder Ohtar, der bis zum Schluss nicht an ihm gezweifelt hatte. Troztdem wollte er Sinda antworten, und so sagte er: „Mein Vater ist der Stammesfürst unseres Dorfes, meine Mutter war eine Priesterin vom Volk der Waldelben.“
„Ist sie denn nun keine Priesterin mehr?“ unterbrach ihn Sinda.
„Nein.“ Aduial schüttelte den Kopf. Der Schmerz schien erneut ihn seiner Brust aufzulodern. „Sie ist tot.“
Ein betretenes Schweigen war die Antwort. Sinda schien erschrocken und mitfühlend zugleich. „Das... das tut mir leid.“
Aduial winkte ab. „Nein, schon gut. Es ist nur... ich möchte jetzt nicht darüber reden. Noch sitzt der Schmerz zu tief.“
„Und dein Vater?“
„Mein Vater?“ Er lachte kurz auf. Aber es klang hart und kalt. „Er war es, der mich fortjagte. Willst du wissen, was er zu mir gesagt hat? ‚Gehe. Aber komm nie wieder. Wer sein Volk in dieser schweren Stunden allein lässt, der hat kein Recht, sich noch dazu zu zählen.’ Er war es, der mich in die Verbannung schickte.“
Ohne es zu merken war er immer lauter geworden. Als er Sindas erschrockene Miene sah holte er tief Luft und rang sich zu einem Lächeln durch. „Verzeih mir, ich bin wohl etwas ausfallend geworden.“
Seine eigenen Worte kamen ihm wieder in den Sinn. „Ich bin weder ein Waldelb, noch ein richtiger Dunkelelb. Ein Ausgestoßener eines ausgestoßenen Volkes.“ Ein schwerer Seufzer drang über seine Lippen. „Wahrscheinlich habe ich dich ziemlich verschreckt, Sinda. Es tut mir leid. Ich hätte dir das nicht erzählen dürfen.“
„Nein, es ist in Ordnung. Denn im Gegensatz hast du etwas, das ich nicht habe: Du hast Freiheit.“
Jetzt war es an Aduial, verblüfft zu sein: „Wie meinst du das?“
„Ich wurde in Lothlorien geboren. Mein Vater war Wachsoldat und Bogenschütze, meine Mutter eine entfernte Verwandte der Fürstin Galadriel. Meine Kindheit verbrachte ich in der Stadt auf den Bäumen. Wollte ich in den Wald gehen, so kam jedesmal einer der Soldaten mit. Ein-, zweimal ist es mir gelungen, mich zu verstecken und ihnen so zu entkommen, doch ich bekam jedesmal großen Ärger. Später kamen wir hier her, nach Bruchtal. Seitdem habe ich die Mauern dieses Hauses nur ein paar Mal verlassen, und immer in Begleitung meines Bruders.“
Ihre Augen spiegelten eine Art Wehmut wieder, von der auch Aduial erfasst wurde. „Ich liebe meinen Bruder und meine Eltern, doch ich möchte fort von hier, die Welt erkunden, Abenteuer erleben, neue Freunde finden und alle Völker Mittelerdes kennen lernen.“
Nur zu gut erinnerte sich Aduial daran, dass auch er diesen Wunsch gehabt hatte. Auch er wollte im Grunde seines Herzens mehr sehen als das kleine Waldstück, in dem er aufgewachsen war. Aber zu schnell hatte er feststellen müssen, dass die Realität ganz anders aussah.
Sinda schien zu merken, dass Aduial das Gespräch unangenehm war. Darum wechselte sie das Thema und sprach nun von der Schönheit Mittelerdes. In diesen wenigen Stunden erfuhr Aduial sehr viel über Mittelerde und seine Bewohner. So viel, das ihm im nachhinein der Kopf schwirrte. „Sinda! Komm rein!“
Asgars Ruf unterbrach schließlich ihre Unterhaltung. Sinda schenkte Aduial noch ein Lächeln, dann rannte sie schnell und ohne zu zögern zum Haus. Aduial blieb noch eine Weile sitzen, den Blütenkranz in den Händen und dachte über Sinda nach. Sie war ihm vollkommen fremd, ganz anders als er, und doch schienen sie sich auf irgendeine Weise zu ähneln.
Als die Sonne langsam tiefer sank stand auch er auf und machte sich auf den Weg in das Haus, wo das Abendessen stattfinden sollte.

(Ramona)