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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Die goldene Stadt

Kilnor konnte noch immer nicht so richtig glauben, dass er tatsächlich in Armenelos war, der Stadt der Könige, über die er so viele Geschichten und Lieder gehört hatte. Er irrte schon seit einigen Stunden durch das dichte Gewirr der Gassen und hatte nur noch eine wage Vorstellung davon, in welche Richtung er eigentlich gehen sollte, doch das störte ihn nicht besonders. Langsam, wie im Traum, ging er durch die Straßen und Plätze, vorbei an den prächtigen Herrenhäusern mit den bereits in warmen Herbstfarben leuchtenden Gärten davor und an den dicht an dicht gedrängten Hütten der einfachen Leute, vorbei an den Werkstätten, Läden, Wirtshäusern und Märkten. Er hatte noch nie so viele Häuser und Menschen auf einem Haufen gesehen und so viele neue Sachen entdeckt wie heute.
In seinem Heimatdorf würden jetzt wohl alle in den Häusern beim Abendbrot sitzen oder den wenigen verspäteten Fischern beim Trocknen der Netze helfen, die wenigen staubigen Gässchen leer, wie ausgestorben. Doch hier, hier schien es keinen zu stören, dass die Sonne unterging. Die Stadt lebte einfach weiter, als gäbe es keine Tageszeiten.
Die Straßen waren unverändert voll von Menschen, die redeten und lachten. Es war Gezeter zu hören, das Weinen der Säuglinge und das Geschrei der Händler, quietschende Karren und Geräusche von Tieren, aus Gasthäusern dringende Bruchstücke von Liedern und das Lachen der spielenden Kinder. Der Geruch von Gewürzen, Holz, Staub und Tieren schien sich mit diesem Lärm zu einer unsichtbaren Wolke zu vermischen, die wie eine riesige Kuppel über Armenelos lag. Unzählige Menschen gingen an ihm vorbei, die meisten in einfachen, oft ärmlichen Kleidern, doch ab und zu auch wohlhabende Kaufmänner mit langen Samtumhängen oder Adelige, meist mehrere gleichzeitig und zu Pferd, in den schönsten Kleidern aus weich fließenden Stoffen, die gleichgültig und fast mit Verachtung auf die Menge hinunter blickten und sich leise unterhielten.
Doch was ihn am meisten faszinierte waren die Farben. Alles, die löchrigen Kutten der Bettler und die Gewänder der Adligen, die Wände der Häuser und die Marktstände, die Türen und Körbe und sogar die Steine mit denen die Straßen gepflastert waren, alles schillerte förmlich in den verschiedensten Farben. Vieles war vergoldet oder mit bunten Glasstückchen geschmückt, so dass es überall leuchtete und glitzerte. Jetzt begriff er erst, warum man Armenelos auch die Goldene nannte, denn keine andere Stadt hätte diesen Namen mehr verdient.
Plötzlich wurde er unsanft aus den Gedanken gerissen, als er wie betäubt und ohne zu gucken wohin er ging gegen einen mit Feuerholz gefüllten Schubkarren lief und diesen beinahe umgestoßen hätte. Der Mann, der ihn vor sich führte, fluchte, doch Kilnor lachte nur und sprang beiseite. Sogar dieses Geschimpfe klang nach der drückenden Stille seines Dorfes wie Musik in seinen Ohren. Immer noch lächelnd ging er weiter. Die Sonne war fast untergegangen und er hatte den Palast immer noch nicht gefunden, er musste sich beeilen. Mit innerlichem Seufzen beschleunigte er seine Schritte und bog in eine breitere Straße ab, die anscheinend ins Herz der Stadt führte. Er hatte sich nicht geirrt, denn die Straße wurde immer breiter und nach einer scharfen Kurve stoppte Kilnor plötzlich und hielt entzückt die Luft an. Vor ihm lag der Palasthügel.
An seinen Seiten waren Gärten angelegt und eine breite mit weißen Steinen gepflasterte Straße führte hinauf zum Palast des Königs. Dieser Palast war das Schönste was Kilnor je gesehen hatte. Er war unglaublich groß, doch so kunstvoll und leicht gebaut, dass es schien als würde er jeden Augenblick in der warmen Abendluft zerschmelzen wie ein Trugbild. Die Strahlen der untergehenden Sonne tauchten ihn in rot-goldenes Feuer und glitzerten auf den vergoldeten Dächern seiner zahlreichen Türme, dass es beinahe den Augen weh tat.
Einige Zeit lang stand Kilnor einfach nur da und starrte den Palast bewundernd an. Dann riss er sich zusammen und betrat die weiße Straße.
Als er schließlich oben angelangt war, war die Sonne bereits verschwunden und die ersten Sterne leuchteten am Himmel auf, doch im Süden bildeten sich dunkle Gewitterwolken, wie so oft in letzter Zeit. Kilnor schüttelte den Kopf, er wollte jetzt nicht an so was denken, nicht jetzt, da er an dem, wie es ihm schien, schönsten Platz der Welt angekommen war. Er stand nun an der breiten, flachen Treppe die zum Haupteingang des Palastes führte. Aus den zahlreichen riesigen Fenstern strömte Licht und Musik, und auch in den Gärten waren Stimmen und Gelächter zu hören.
Kilnors Herz klopfte auf einmal wie verrückt, beinahe wäre er umgekehrt und wieder zurück in die Stadt gelaufen, doch dann bemerkten ihn die an den Türen postierten Wachen und bedeuteten ihm näher zu kommen. Nachdem Kilnor ihnen seine Urkunde gezeigt hatte traten sie zur Seite und winkten ihn durch. Er holte tief Luft und trat ein.
Im ersten Moment wurde er so von dem entgegenkommenden Licht geblendet, dass er nichts sehen konnte, doch dann gewöhnten sich seine Augen an die Beleuchtung und er sah sich neugierig um.
Er stand in einer großen Halle von der nach allen Seiten hin breite Gänge verliefen. Alles war in Weiß und Gold gehalten, die Wände mit unzähligen Statuen und Handarbeiten verziert, an der Decke waren Girlanden aus goldenen Ranken und Blumen. Und Spiegel, überall waren Spiegel angebracht, die das Licht der Tausenden von Kerzen widerspiegelten und verstärkten. Sogar der Marmorboden war so glänzend und glatt dass Kilnor sich darin sehen konnte.
Ständig kamen reich gekleidete Leute aus den Gängen, um wieder in anderen Gängen zu verschwinden oder in kleinen Grüppchen plaudernd in der Halle stehen zu bleiben.
Auf einmal kam Kilnor sich unheimlich schäbig vor in seinen einfachen erdfarbenen Kleidern und den groben Lederstiefeln. Unsicher ging er durch die Halle, darauf wartend, jeden Moment wieder ausgewiesen zu werden, doch niemand schien sich auch nur einen Deut um ihn zu kümmern. Das beruhigte ihn zwar, doch er fühlte sich auch klein und unwichtig.
So traute sich Kilnor nicht, jemanden von den, wie sie ihm vorkamen, königsgleichen Menschen nach dem Weg zu fragen und bog einfach auf gut Glück in den nächstbesten Gang ein, und dann wieder in den nächsten, und wieder, und wieder, bis er endgültig den Überblick verlor und überhaupt nicht mehr wusste, in welcher Richtung denn die große Eingangshalle zu suchen war.
Die Gänge schienen alle gleich zu sein, mit den Spiegeln, Verzierungen, kleinen silbernen oder marmornen Bänken und Säulen an den Wänden, und mit den geschäftig hin und her eilenden oder in Grüppchen zusammenstehenden Menschen. Erschöpft und entmutigt ließ er sich auf eines der Bänkchen nieder und ging seinen nicht allzu tröstlichen Gedanken nach, doch dann ließ ihn eine laute Stimme aufschrecken.
"...und das ist jedem klar! Ihr braucht einfach nur die Augen zu öffnen und euch umzuschauen! Seit dieser Bau begonnen hat, ziehen ständig Unwetter ins Land! Und unsere Schiffe, sie kommen auch immer öfter nicht zurück! Was denkt ihr denn, dass das alles einfach so aufhört? Oh nein, es wird schlimmer werden, ihr werdet es ja sehen!"
Kilnor schaute den Sprechenden verwundert an. Es war ein untersetzter Mann mit rotem Gesicht und etwas wirren dunklen Haaren, der nicht so richtig in seine reich verzierte, fast protzige Kleidung zu passen schien. Doch er sprach sehr überzeugt und die vier Männer, die um ihn herum standen, hörten ihm interessiert zu. Als er kurz inne hielt, ergriff ein hagerer, viel ruhiger wirkender Mann das Wort.
"Ihr wollt also tatsächlich sagen, dass der Bau der neuen Flotte für diese Unwetter verantwortlich sind, Lord Cyrian?" Der ungläubige und leicht spöttische Unterton seiner Stimme war nicht zu überhören.
"Genau das will ich sagen, Kolthôr!" entgegnete Cyrian. "Und es ist jedem klar, der sich auch für was anderes als für das Verschachern eigener Güter interessiert", fügte er giftig hinzu.
Kolthôrs Gesichtsausdruck wurde ärgerlich. "Es hat euch nicht zu interessieren, was ich mit meinem eigenen Besitz mache! Und es ist kein Verschachern, sondern Handel, das wisst ihr auch ganz genau!" fauchte er.
"Nun, es lässt sich darüber streiten, ob es eines Edelmannes würdig ist, wie ein einfacher Straßenhändler zu feilschen." Cyrian lächelte boshaft als er sah, wie Kolthôrs Gesicht vor Wut rot anlief.
In diesem Moment hielten es die Anderen für nötig einzugreifen und redeten in dem Versuch, die beiden Streithähne zu beschwichtigen gleichzeitig los, so dass Kilnor die Antwort von Lord Kolthôr nicht mehr hören konnte.
Plötzlich erhob sich eine neue klare Stimme: "Was ist denn hier los, Mylords?"
Die Männer verstummten schlagartig und drehten sich nach der Stimme um. Kilnor folgte ihrem Beispiel und erstarrte. Eine Frau war lautlos aus dem einmündenden Gang aufgetaucht und schaute die Streitenden mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an. Sie war jung, wohl nicht viel älter als Kilnor selbst, und das schönste Wesen, das er je gesehen hatte. Sie war nicht groß und wirkte sehr zerbrechlich. Ihre langen Haare wurden oben mit einer kunstvoll geschmiedeten goldenen Spange zusammengehalten und ergossen sich dann wie flüssiges Feuer auf den weißen Stoff ihres Kleides. Die Züge ihres Gesichtes waren so fein und genau als wären sie aus Marmor gemeißelt, und die katzenartigen grünen Augen schienen leuchtender zu sein als alle Kerzen des Palastes. Kilnor hatte das Gefühl, als würden auch die anderen Männer sie einen Moment lang genau wie er mit fassungsloser Bewunderung anstarren, doch dann lachten sie und begrüßten die Frau mit leichten Verbeugungen.
"Es ist schön Euch zu sehen, Lady Anôra," sagte einer von ihnen. "Vielleicht könnt Ihr uns ja in diesem Streit weiterhelfen."
"Streit? Nun, das ist bei Lord Cyrian und Lord Kolthôr ja nichts ungewöhnliches", lächelte Anôra und gesellte sich zu der Gruppe.
"Oh nein, Lady, es geht diesmal nicht um unsere persönlichen Streitereien", entgegnete Kolthôr. "Lord Cyrian versucht uns davon zu überzeugen, dass der Bau der neuen Königsflotte das schlechte Wetter verursacht."
"Nein, ich sagte, dass es den Zorn der Herren des Westens auf uns lenkt, und das Wetter ist nur die Folge, und zwar nicht die einzige. Ihr habt mir mal wieder nicht zugehört, Kolthôr", verbesserte Cyrian.
"Den Zorn der Herren des Westens?" wiederholte Anôra. "Nun, als erstes vergesst ihr, dass der Herr des Westens der König ist, und kein anderer. Und was ihren Zorn angeht, so sollen sie doch, das hat nicht unsere Sorge zu sein."
"Doch das hat es Lady! Sie können uns auch ins Verderben schicken, und die Unwetter sind nur der Vorbote!"
"Vorbote? Vorbote von was? Von weiteren Unwettern? Was können uns denn Wind und Regen anhaben? Sollen wir uns vielleicht zu Tode zittern, Cyrian? Oder glaubt ihr allen ernstes, dass diese Feiglinge selbst herkommen und Krieg anfangen werden?"
"Sie haben genügend Macht, um uns auch so zu zerstören! Es werden Erdbeben kommen und in Häuser einschlagende Blitze! Irgendwann kommt auch der Tag an dem keines unserer Schiffe zurückkehren wird!" regte Cyrian sich auf.
"Verzeiht mir den Ausdruck, Lord Cyrian, doch das ist ausgemachter Blödsinn." Anôras Stimme blieb ruhig und freundlich, doch ein kaltes Funkeln trat in ihre Augen. "Diese sogenannten 'Herren des Westens' können nichts, außer in ihrem Gebiet zu sitzen. Haben sie denn je etwas gemacht, was ihre Macht beweisen würde? Oh ja, diese Stürme, aber wer sagt denn, dass sie von ihnen geschickt werden? Stürme pflegen vom Himmel zu kommen, Lord Cyrian, und eure 'Herren' haben nichts damit zu tun. Und wenn es schlechtes Wetter ist, dann ist die See unruhig, deshalb kommen auch einige Schiffe nicht zurück. Dabei ist es nicht mal sicher, ob diese Schiffe wirklich untergehen oder ob es nur Verräter sind, die nach Mittelerde fliehen. Ihr meint, dass diese 'Herren des Westens' Erdbeben entstehen lassen können? Nun, warum haben sie es dann nicht längst schon gemacht? Warum haben sie uns alle schon viel früher nicht sterben lassen, wenn sie die Macht dazu haben? Warum lassen sie kein Feuer vom Himmel regnen, warum vergiften sie nicht einfach unser Wasser? Das wäre doch ein wesentlich einfacherer Weg, als Unwetter zu schicken und ab und zu Schiffe untergehen zu lassen, in der Hoffnung dass wir Angst bekommen. Ihr schweigt, Lord? Habt ihr denn nichts mehr zu sagen?" Anôra sah Cyrian unverwandt an.
"Das hat er wohl nicht, Lady", lachte einer der Männer.
"Ja, anscheinend konnten seine Schauermärchen nicht gegen Euren Verstand bestehen. Im übrigen muss ich sagen, dass ich es mir in Zukunft drei mal überlegen werde, bevor ich ohne wirklich gute Argumente mit Euch streite", mit diesen Worten verneigte sich Lord Kolthôr vor Anôra.
Anôra lächelte und neigte leicht den Kopf. Die Gruppe löste sich auf, nur Cyrian blieb kurz zurück und schaute Anôra wütend an, doch als er auf den Blick ihrer Augen traf, fuhr er zusammen, drehte sich abrupt um und eilte den Gang hinunter. In diesem Augenblick fasste sich Kilnor ein Herz und stand auf.
"Verzeiht, dass ich Euch einfach so anspreche, Lady, mein Name ist Kilnor und...", fing er an und stockte als Anôra blitzartig herumfuhr und ihn mit eisigem Blick musterte.
"Was wollt ihr?"
"Ich... ich wollte nur sagen... dass ich mich eben davon überzeugen konnte, dass Eure Klugheit Eurer Schönheit in nichts nachsteht!" stotterte Kilnor und lief rot an.
Anôras Augen tauten auf und ihr Gesicht entspannte sich.
"Ich danke Euch, doch es braucht nicht viel Klugheit dazu, um derartigen Unsinn auch als solchen zu entlarven", lächelte sie.
"Ihr meint also wirklich, dass diese Unwetter nichts mit dem Flottenbau zu tun haben?" fragte Kilnor vorsichtig. "Dieses Gerücht hört man heute überall."
"Aber natürlich nicht", Anôra schüttelte belustigt den Kopf. "Ihr scheint ja unsere kleine Auseinandersetzung mitgehört zu haben. Wir haben einfach nur ein paar schlechte Jahre erwischt, das ist alles. Gewiss, unsere Insel wird von den Unruhen und Gefahren, die in Mittelerde herrschen, nicht berührt, doch man kann kaum erwarten, dass die Wolken ihren Lauf ändern, wenn sie vom Festland zu uns geweht werden."
"Ja, da habt Ihr wohl recht. Von dieser Seite habe ich es noch nicht betrachtet", lächelte Kilnor.
"Das tun erstaunlich viele Leute nicht. Sie suchen lieber nach geheimnisvollen Verschwörungen irgendwelcher übernatürlicher Wesen, als die einfachste Lösung zu sehen."
"Das stimmt", lachte Kilnor. "Als bei meinem Vater eine zeitlang über Nacht ein großer Teil seines Fangs verschwand, glaubten alle, dass es rachsüchtige Meermenschen waren, bis eines Nachts jemand sah, wie ein paar Bengel aus dem Nachbardorf die Fische stahlen, um sie nachher auf dem Markt zu verkaufen."
"Euer Vater ist Fischer?"
"Ja", nickte Kilnor und lief wieder rot an. "Aber ich bin hergekommen, um in der neuen Flotte zu dienen, nachdem ein Gesandter des Königs bei uns im Dorf war und erzählt hat, dass der König Seeleute braucht. Ich bin zwar noch jung, aber mit der See bin ich vertraut, also gab mir der Mann eine Urkunde damit die Wachen mich in den Palast lassen, wo ich mich beim Befehlshaber der königlichen Flotte melden sollte. Wenn er mich nimmt, dann werde ich wohl nach Rómenna geschickt werden. Aber jetzt irre ich schon seit Sonnenuntergang durch den Palast und finde ihn nicht", fügte er niedergeschlagen hinzu.
"Das ist auch kein Wunder. Ihr würdet mehrere Tage brauchen, um den ganzen Palast zu erforschen", lächelte Anôra. "Ich führe euch hin."
Den ganzen Weg über fragte sich Kilnor, wie man es überhaupt je schaffen konnte, sich in diesem Gewirr aus Gängen, Treppen und Hallen zurechtzufinden, doch Anôra schien darin mehr als geübt zu sein. Schließlich blieb sie an einer großen, mit zahlreichen Schnitzereien verzierten Holztür stehen.
"Das ist die Tür zum Vorraum von seinen Gemächern", erklärte sie ihm. "Dort sind auch Wachen drin, aber sie lassen jeden, der eine Urkunde wie die Eure hat, durch, es sei denn er ist beschäftigt, dann werdet Ihr möglicherweise bis morgen warten müssen. Es sind allerdings jeden Tag sehr viele Bewerber da, Ihr müsst also einen guten Eindruck machen, wenn Ihr genommen werden wollt. Viel Glück!"
"Ich danke Euch, Lady." Kilnor verneigte sich, holte tief Luft und ging hinein.
Anôra blieb eine Weile mitten im Gang stehen und schaute nachdenklich die Tür an. Dann ging in einen kleinen Seitengang hinein und klopfte an eine unauffällige Tür an seinem Ende. Ein Wachmann öffnete und schaute sie fragend an.
"Sag deinem Herrn, dass er auf jeden Fall den Jungen namens Kilnor einstellen soll", befahl sie.
Der Soldat nickte kurz und schloss die Tür lautlos.
Anôra lehnte sich an die Wand und lächelte zufrieden. Diese zufällige Bekanntschaft hatte ihr jede Menge Arbeit erspart.
(Polina)