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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Allein

In der Nacht wurde ich von schweren Träumen geplagt, in denen meine Eltern, ein Ungeheuer und seltsamerweise auch der Tempel in Rómenna auftauchten. Ein Traum war so eindringlich und realistisch gewesen, dass er mir wochenlang nicht aus dem Sinn wollte.
Zuerst sah ich einen Raum mit hohen Wänden wie ein unterirdisches Gewölbe. Bis auf den kleinen Schimmer einer Kerze war es ganz dunkel. Vor dem Schein der Kerze grenzte sich klar die Silhouette eines Lehnstuhls ab. In diesem Stuhl saß ein Mann an einem Tisch und las in einem großen Buch. Der Mann saß nur da und las und obwohl dieser Anblick eigentlich nichts Bedrohliches an sich hatte, hatte ich das Gefühl, dass von dem Mann etwas Boshaftes ausging. Dann wechselte das Bild und ich sah ein Schiff, das in einem großen Sturm auf den Wellen tanzte. Im Meer tat sich ein Loch auf und verschluckte das Schiff. Und plötzlich wurde aus dem Loch der Rachen eines Meeresungeheuers, das das Schiff verschlang. Das Ungeheuer blieb und nun sah ich meine Mutter über das Wasser darauf zugehen. Und obwohl ich nichts hörte und meinen Körper nicht spürte, musste ich wohl geschrien haben, denn meine Mutter drehte sich um, sah mich lange und traurig an, wandte sich aber wieder von mir ab und ging weiter auf den weit geöffneten Rachen zu. Mit einen Mal war das Meer nicht mehr das Meer, sondern die Straßen von Rómenna und das Ungeheuer war der Tempel, dessen weit geöffnete Tore wie ein großes, zahnloses Maul klafften. Obwohl ich eigentlich keinen Körper hatte, wusste ich, dass ich schrie und heulte, doch meine Mutter drehte sich nicht mehr um und ging immer weiter auf das schwarze Loch in der Mauer des Tempels zu.
Ich erwachte mit rasendem Herzen und brauchte einige Zeit, bis ich mich soweit beruhigt hatte, dass ich wieder schlafen konnte. Es war kein guter Schlaf. Immer wieder träumte ich von dem Ungeheuer, dem Tempel und meinen Eltern und immer wieder wachte ich schweißgebadet auf. Seltsamerweise kam der Mann in all meinen wirren Träumen kein zweites Mal vor. Erst gegen Morgen fiel ich in einen leichten, traumlosen und darum erholsamen Schlaf, der leider nur wenige Stunden gedauert haben konnte, denn schon etwa drei Stunden nach Sonnenaufgang wachte ich endgültig auf.


Ich bekam etwas Brot und Schafskäse zu essen und ein Glas Milch. Tante Irbal sagte mir, ich dürfe mich ein wenig in der Gegend umsehen und gab mir einen Kanten Brot und eine Flasche aus Holz, die ich mir unten am Bach mit Wasser füllen könne. Wenn es dämmere gäbe es Abendessen. Ich wusste nicht so recht, was ich tun sollte, im Grund wollte ich überhaupt nichts tun. Im Haus die ganze Zeit der Tante im Weg stehen wollte ich auch nicht, außerdem hatte ich das Bedürfnis, allein zu sein. Ich trat aus dem Haus. Der Anblick überwältigte mich: So weit ich sehen konnte, war nur Gras. Hügel um Hügel mit tiefem, gelben Gras. Ich erinnerte mich an meinen ersten Besuch im Haus meiner Tante. Damals war meine Mutter noch mit dabei gewesen. Wieder überschwemmte mich das Unglück. Meine Mutter… Ich musste an den seltsamen Traum denken, den ich diese Nacht gehabt hatte. Er hatte so wirklich gewirkt. Wie hatte Mutter mir das antun können? Sie hatte doch Pflichten mir gegenüber. Wie konnte sie mich im Stich lassen?
Ich sah auf und mir fiel ein, dass ich ja den Bach suchen wollte. Als ich den Hof einmal umrundete, fand ich einen Pfad, der von vielen Hufen ins Gras getrampelt worden war. Ich erinnerte mich, dass meine Tante eine Schafherde besessen hatte und folgte der Spur zum Bach. Um den Bach herum hatte wahrscheinlich einmal grünes Gras gestanden, aber es war restlos abgegrast. Eine braune Fläche zeigte an, welches Gebiet mit genügend Wasser versorgt wurde, dass das Gras dort trotz der Dürre grün und frisch gewesen sein musste. Ich füllte meine Flasche und verließ den von den Schafen getrampelten Pfad und den Bach, um querfeldein zu gehen. Das trockene gelbe Gras raschelte beim Gehen. Plötzlich begann ich zu rennen. Ich rannte und rannte, hügelauf, hügelab, rannte mir den Frust und den Kummer und den Zorn auf Mutter und die Tante aus dem Leib, rannte, bis mir die Seiten stachen und ich keine Luft mehr bekam. Als der Kloß in meinem Hals sich aufgelöst hatte und ich nur noch erschöpft war, ließ ich mich ins Gras fallen.
Eine Weile lag ich da wartete bis mein Atem sich beruhigt hatte. Ich war glücklich. Ja, ich war glücklich. Ich betrachtete den Himmel und das Gras, das so leblos gelb war. Tot. Wie meine Eltern. Wieder verstopfte der Trauerkloß meinen Hals.
Ich erinnere mich nicht, was ich den ganzen Tag über getan habe. Ich lag im Gras und dachte an meine Eltern und Mutters Verrat an mir, denn es kam mir wie ein solcher vor, dass sie mich verlassen hatte. Am Mittag aß ich mein Brot und trank mein Wasser und am Abend ging ich wieder zurück. Sollte das wirklich alles gewesen sein? Ich kann doch nicht den ganzen Tag im Gras gelegen haben! Aber es muss so sein, denn ich erinnere mich an nichts anderes.


Am Abend kehrte ich zum Haus meiner Tante zurück. Es gab eine heiße Gemüsesuppe und Brot. Das Gemüse musste aus dem kleinen Gärtchen am Haus stammen, das ich am Vormittag bei meiner Hausumrundung bemerkt hatte. Die ganze Familie war versammelt: Tante Irbal, Onkel Banrós, Krothar, der älteste Sohn, seine Frau Saraphel, ihr kleines Baby, das noch keinen Namen hatte, und Yâmareth. Yâmareth war das jüngste Kind von Onkel Bánros und Tante Irbal, sie war erst acht. Onkel Bánros und Tante Irbal hatten noch eine Tochter, Húmiel, aber sie war schon erwachsen und wohnte bei ihrem Mann.
Beim Essen wurde weniger gesprochen, als ich erwartet hatte. Niemand fragte mich, was ich den Tag über getrieben hatte und auch Yâmareth war sehr still. Immer wieder hingeworfene Gesprächsbrocken der verschiedenen Familienmitglieder besagten, dass ein Schaf krank sei, dass Onkel Bánros oder Krothar am nächsten Tag danach sehen sollte und dass die Familie wegen dieser furchtbaren Dürre nicht genug Vorräte habe, um über den Winter zu kommen.


Auch in den nächsten Tagen durfte ich tun, was ich wollte. Ich durchstreifte die Umgebung, die nur aus trockenem Gras und Hügeln und trockenem Gras und Hügeln und trockenem Gras und Hügeln bestand. Es gab absolut keine Abwechslung in der eintönigen Graswüste, außer ein paar Schafherden und hier und da einem Hof. Den Schafherden ging ich aus dem Weg, weil ich immer noch keine Lust hatte, Menschen zu treffen. Die Höfe waren weit voneinander entfernt, auch von ihnen hielt ich mich fern. Ich sehnte mich zurück nach Rómenna, zu meiner Mutter und den anderen Jungen. Rómenna war lebendig gewesen und hier schien mir alles so tot. Auch die Menschen, die hier lebten, schienen Teil des toten Landes zu sein. Doch auch Rómenna musste jetzt tot sein, trotz der vielen Menschen. Meine Mutter lebte dort nicht mehr. Und war nicht in Rómenna der Tod selbst, der Tempel, den ich in vielen meiner Albträume seit dem Tod meiner Eltern gesehen hatte? Es hieß, der König lasse dort Leute umbringen. Mutter hatte gesagt, das sei nicht möglich, aber sie hatte auch behauptet, dass es kein Meeresungeheuer gebe, das Schiffe verschluckt.


Eines Tages kam ich ein paar Stunden früher von einem meiner Streifzüge zurück, als sonst. Ich wollte gerade ins Haus treten, als ich hörte, wie der Onkel drinnen mit jemandem sprach.
„Ich weiß, dass seine Eltern gestorben sind und dass er das verarbeiten muss. Ich weiß auch, dass er außer uns niemanden mehr hat, der sich um ihn kümmert. Aber wir beide wissen auch, dass es ein schlechtes Jahr war und dass der kleine Ertrag unseres Gartens und das, was du in Rómenna für die Wolle unserer Schafe bekommen hast, noch nicht einmal ausgereicht hätte, unsere fünfköpfige Familie den ganzen Winter über zu ernähren. Wenn wir jetzt zu sechst sind, wird es noch knapper.“
Der Onkel sprach so laut, dass ich jedes Wort mühelos verstehen konnte, aber als die andere Person antwortete, sprach sie so leise, dass ich nicht einmal hören konnte, mit wem mein Onkel redete. Nun antwortete wieder der Onkel: „Wer sagt denn, dass wir den Jungen im Stich lassen sollen? Natürlich werde ich ihn nicht einfach vor die Tür setzen. Aber er kann doch wenigstens etwas tun.“
Wieder ein gemurmelter Einwand, der nicht zu verstehen war.
„Dass seine Eltern tot sind, ist schlimm, aber es hindert ihn doch nicht daran, etwas zu arbeiten. Was tut er jetzt? Er streift den ganzen Tag durch die Umgebung und tut sich leid. Da kann er doch genauso gut mit Yâmareth die Schafe hüten. So wie die Lage im Moment ist, schafft sie das sowieso nicht mehr lange allein. Es gibt immer weniger Weide für die Schafe und die Schafe laufen beim Grasen weit auseinander. Ich hatte mir schon überlegt, ihr Krothar zu Hilfe zu schicken, aber ich kann ihn im Moment nicht entbehren. Warum kann der Junge das nicht machen?“
Wieder Gemurmel.
„Ich weiß, der Junge hat keine Ahnung von Schafen, aber das kann er doch gut von Yâmareth lernen. Es geht doch nur darum, dass eine zweite Person bei ihr ist. Außerdem“, hier senkte er die Stimme, so dass ich nicht mehr alles verstehen konnte, was er sagte. Ich verstand nur: „…nicht sicher… was sich alles herumtreibt… besser, wenn sie zu zweit sind.“
Es folgte Gemurmel, dann sagte der Onkel, wieder in normaler Lautstärke: „Gut. Du sagst es ihm heute Abend. Ich muss wieder gehen, damit ich noch etwas arbeite, bevor es dunkel wird.“
Ich versteckte mich schnell hinter einer Hausecke und sah, wie mein Onkel den Hof verließ. Ich fragte mich, was er eigentlich arbeitete.


Statt ins Haus zu gehen, wie ich es eigentlich vorgehabt hatte, ging ich zurück, woher ich gekommen war. Wie konnte der Onkel behaupten, ich würde nur nutzlos durch die Gegend streifen und mir leid tun? Er hatte doch keine Ahnung. Er wusste doch gar nicht, wie es war, wenn man seine Eltern verloren hatte. Hatte ihn etwa seine Mutter im Stich gelassen? Hatte seine Tante den Tod seiner Mutter geschehen lassen, um sich dann freundlicherweise um die Waise zu kümmern?
Meine Eltern waren tot. Na und? Ich konnte doch wohl trotzdem gefälligst für mein Essen arbeiten. Ich konnte doch unmöglich verlangen, dass meine Tante und mein Onkel mich umsonst durchfütterten, wo doch die Tante nicht einmal versucht hatte, meine Mutter vom Selbstmord abzubringen. Am liebsten hätte mich der Onkel doch vor die Tür gesetzt. Er hätte bestimmt nichts dagegen, wenn ich an diesem Abend nicht zurückkam. Hauptsache, seine eigene Familie überlebte den Winter! Draußen war es zu gefährlich für seine kleine Tochter. Warum schickte man also nicht den fremden Jungen zu ihr, vielleicht begnügten sich irgendwelche Verbrecher ja mit ihm und ließen seine Tochter in Ruhe!


Ich war wirklich wütend auf den Onkel. Bei Einbruch der Dunkelheit blieb ich im Gras liegen, anstatt wie sonst zum Abendessen zu gehen. Dorthin wollte ich nie wieder zurück!
Doch als es immer dunkler wurde und ich Hunger bekam, verrauchte mein Zorn ein wenig und ich kehrte doch zum Haus zurück. Die Nacht war kein günstiger Zeitpunkt zum Reisen. Ich verschob meine Flucht auf später.


Zurück im Haus gab mir die Tante etwas Brot. Die Suppe, die es normalerweise abends gab, war natürlich längst aufgegessen. Die Tante sah erleichtert aus, als hätte sie schon befürchtet, dass ich nicht zurückkommen würde. Während ich mein Brot aß, stand sie daneben und wartete. Ich kaute ganz langsam, weil ich das unvermeidliche Gespräch mit ihr herauszögern wollte. Doch auch dieses Brot war einmal zu Ende und ich musste mich ihr stellen.
Meine Furcht war unbegründet. Sie begann kein langes Gespräch über meine Eltern und meinen Seelenzustand, sondern sagte schlicht und einfach:
„Morgen musste du mit Yâmareth und den Schafen gehen. Es gibt so wenig Weide, dass sie die Herde nicht allein zusammenhalten kann. Außerdem ist es besser, zu zweit zu sein, als alleine.“
Ich nickte nur, einerseits froh, dass sie mir das Gespräch über meine Eltern erspart hatte, andererseits, weil ich sowieso schon gewusste hatte, auf was sie hinauswollte. Sie hatte fast dieselben Worte benutzt, wie der Onkel am Nachmittag, doch ich glaubte, dass sie die Sache mit dem „zu zweit“ und „alleine“ nicht nur aus Sorge um ihre Tochter erwähnt hatte. Auch sie schien offenbar zu glauben, dass ich mir zu sehr leid tat. Durfte man nicht einmal um seine toten Eltern trauern? Die Tante meinte anscheinend, dass das nicht so furchtbar sei. Sie hatte es ja auch nicht für nötig gehalten, meine Mutter von ihrem Vorhaben abzubringen! Woher wollte sie wissen, was für mich das Beste war? Vielleicht war es ja besser für mich, allein zu sein, woher wollte sie das wissen?
Schließlich hatte sie auch gemeint, es sei besser, keine Mutter zu haben, als eine, die ständig um ihren Mann trauerte!
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ging ich zu Bett.


Am nächsten Morgen ging ich wie ausgemacht mit Yâmareth die Schafe hüten. Wir führten sie zuerst zum Bach, wo sie trinken konnten. Dann trieben Yâmareth und Cruc, der Hund, sie durch die Wiese, bis sie sie schließlich grasen ließ. Ich trottete hinterher. Ich fragte mich, woran Yâmareth wohl erkennen konnte, auf welchem Stück Wiese es noch ein Hälmchen grünes Gras oder ein Kraut gab. Für mich sah alles gleich dürr aus.
Tatsächlich schien es noch ein paar Gräser und Kräuter auf der Wiese zu geben, die die Schafe fraßen. Doch, wie der Onkel es gestern gesagt hatte, diese waren rar und die Schafe verteilten sich auf der Suche nach Essbarem immer weiter. Yâmareth und Cruc trieben zwar alle Schafe, die sich allzu weit von der Herde entfernten, wieder zurück, aber trotzdem verstreute sich die Herde immer mehr. Yâmareth bat mich nicht um Hilfe. Ich half ihr auch nicht.


Am nächsten Morgen musste ich wieder mit ihr und den Schafen gehen und es spielte sich alles so ab, wie am Tag davor. Yâmareth und Cruc liefen hin und her, um die Schafe zusammenzuhalten und ich stand im Gras und sah zu. Ich würde freiwillig nichts tun, was mir nicht gesagt wurde.
Ich sah einem Schaf zu, wie es sich immer weiter von der Herde entfernte. Meine Kusine und der Hund bemerkten es nicht, weil sie zu sehr mit den anderen Schafen beschäftigt waren. Ich überlegte mir, sie darauf aufmerksam zu machen. Aber warum sollte ich? Es war doch nicht mein Schaf. Jetzt war das Schaf hinter der nächsten Hügelkuppe verschwunden. Ich zögerte noch kurz, denn ich mochte meine Tante und meinen Onkel überhaupt nicht und fragte mich, warum ich ihr Schaf retten sollte. Dann lief ich aber doch los, um das Schaf wieder einzufangen.
Es war etwas störrisch, als sehe es nicht recht ein, warum es von den guten Kräutern weg zu einer Stelle gehen sollte, wo außer harten, ausgetrockneten Stängeln alles abgegrast war. Welchen Widerstand so ein kleines, wuscheliges Tier leisten konnte! Doch obwohl das Schaf sich sträubte, gelang es mir schließlich, es zurückzutreiben.
Ab jetzt stand ich nicht mehr herum, sondern half so gut ich konnte. Und als am Abend die Herde heimgetrieben wurde, trottete ich nicht mehr in großem Abstand hinterher, als gehöre ich nicht dazu, sondern folgte ihr mit Yâmareth zusammen und beobachtete, wie Cruc achtete, dass kein Schaf ausbrach.


Während ich mit meiner Kusine die Schafe hütete, merkte ich, dass sie nett war. Sie war zwar ein Mädchen und erst acht, aber dafür konnte man einiges mit ihr anfangen. Sie konnte gut Geschichten erzählen. Es gab lustige Geschichten und schaurige Geschichten, schöne und traurige. Aber sie alle handelten von Dingen, die Schäfer erlebt hatten. Leider waren die Geschichten, die sie mir erzählte, sehr kurz, denn sie sagte, dass die langen Geschichten für den Winter seien. Dafür erzählte ich ihr von Rómenna, ihren Gassen und den anderen Kindern und vom Meer. Von meinen Eltern sprach ich nicht, weil ich jedesmal einen Kloß im Hals hatte, wenn ich an sie dachte. Auch wenn ich von anderen Begebenheiten in Rómenna sprach, musste ich oft an sie denken und ich konnte nicht weitersprechen. Ich hätte Yâmareth gern vom Tempel erzählt, aber etwas hielt mich davon ab. Nicht nur, dass er mich jedesmal an meinen seltsamen Traum erinnerte, ich hatte auch seltsamerweise schon Angst davor, ihn nur zu erwähnen. Als könnte ich damit Unheil auf mich laden.
(Nene)