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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Eine Zuflucht



Das Gelände veränderte sich, die flachen, rollenden Hügel liefen aus und nicht nur durch den andauernden Regen wurde der Boden mit der Zeit immer sumpfiger. Zunächst federte der Boden den Schritt nur angenehm wieder ab, dann aber stand das Gras bis zur Hälfte seiner Halme im Wasser und war nicht länger grün und saftig, sondern braun und besaß scharfe Halme, die selbst in die Haut schneiden konnten.
Nach einem halben Tag gelangte sie so an das Ufer eines Flusses, das sich kaum mehr von seinem Bett unterschied. Schlamm bedeckte alles, so dass sie bis zur Hälfte der Waden einsank und das Wasser des Flusses war braun von Schlamm, den es mit sich führte. Trotz der Trostlosigkeit der Vegetation, die selbst im Frühling nicht viel mehr hervorbringen konnte, als jetzt bei Winterbeginn, schien es nicht an Lebewesen zu mangeln, die diese Sumpflandschaft bewohnten. Es platschte im Wasser, ihr unbekannte Vögel pfiffen schrill und einmal sah sie sogar einen großen Fisch träge dahin gleiten. Fangen konnte sie allerdings nichts und von den Beeren, die gelb und rot zwischen dunklen feuchten Blättern leuchteten, wollte sie lieber nicht probieren, da sie ihr allzu unbekannt waren.
Um dem Morast zu entkommen ging sie den gleichen Weg zurück, den sie gekommen war, folgte dabei ihren Fußstapfen, die sich inzwischen mit von silbrigen Schlieren überzogenem Wasser gefüllt hatten. Ein leichter Wind, der nach Salz und Tang roch, begleitete sie und ließ sie vermuten, dass das Meer sich in der Nähe befinden musste. Allerdings konnte sie sich nicht erklären, wie sie hier schon wieder am Meer sein konnte, da sie sich seit ihrer Vertreibung immer mehr von ihrem heimatlichen Strand entfernt hatte. Wie konnte sie vom Meer weg - zum Meer hin gelaufen sein? Doch das Meer war nicht ihr Hauptproblem. Ermattet setzte sie sich unter einen der zahlreichen Ginsterbüsche, die um den Sumpf herum gediehen und reinigte ihre vom Schlamm verkrusteten Lederschuhe. Heute gab es einmal mehr nur getrocknete Beeren zum Abendessen, nachdem sie sich verzweifelt mit den Fingern durch die verfilzten Haare fuhr und wie fast jede Nacht bitterlich weinte. Wie sollte es nur mit ihr weitergehen?
Am nächsten Morgen machte sie sich wieder auf und kehrte dem unwirtlichen Sumpf den Rücken.


Es war warm und weich um sie her. Alles war angenehm und eine tiefe Stimme sprach leise und beruhigend auf sie ein. Jemand strich ihr sanft über das Gesicht und salzige Tränen benetzten ihre Wangen als sie begriff, dass er sie verlassen würde. Doch es musste wohl sein...
Ein leises Keuchen weckte sie. Erschrocken setzte sie sich auf, und als sie sah, was da so geschnauft hatte, sprang sie wie von einer Wespe gestochen auf, um sich auf den nächsten höheren Baum zu retten. Doch es gab keinen Fluchtweg außer über die offene Wiese, denn sie hatte in einem niedrigen Dickicht aus Sträuchern geschlafen. Zitternd blieb sie stehen und sah die alte Frau an, die ihr gegenüber stand. Sie war klein und rund, hatte ein sehr verschrumpeltes Gesicht und ungekämmte graue Haare. Mit offenem Mund stand die Fremde vor ihr und starrte sie an. Ihre langen dunkelgrauen Röcke waren schmutzig und das Tuch, das sie um ihre Schultern gelegt hatte, wies einige Löcher auf. Als die Frau schließlich begriff, dass das Mädchen nicht mehr fortlaufen wollte, lächelte sie vorsichtig, und dieses zaghafte Verziehen ihres Mundes, der diese Bewegung wohl schon längere Zeit nicht mehr gewohnt war, ließ nur noch mehr Falten entstehen, die sich um die Augen zogen und eigenartige Muster bildeten, die seltsamer Weise zugleich Mitleid und Belustigung auslösten, bis sie plötzlich ebenfalls lächeln musste.


Was machte nur dieses Kind hier in den Wäldern, ganz allein und vollkommen verwahrlost bei der Kälte? Und abgemagert war sie, die Wangenknochen in ihrem in gewaschenem Zustand sicher ansehnlicheren Gesicht standen spitz hervor und ihre Augen waren unwahrscheinlich groß.
Eine seit langem verloren geglaubte mütterliche Regung erwachte im Inneren der alten Frau, als sie dieses offensichtlich davongelaufene arme Mädchen sah. Sie selbst hatte nie eine Tochter geboren, trotz ihrer zahlreichen heimlichen Gebete an die Valar. Ob sie wohl das Vertrauen des Mädchens gewinnen konnte? Etwas Warmes zu Essen würde ihr gut tun und sie wollte gerne versuchen, sich um sie zu kümmern...


Die alte Frau begann zu sprechen und schien sich besondere Mühe zu geben, ihre Stimme nicht ganz so hart klingen zu lassen. Die langsamen Worte und die ruhige Sprechweise ließen ihr Misstrauen schwinden. Einen plötzlichen Angriff hatte sie wohl nicht von ihr zu erwarten. Vorsichtig bückte sie sich, um ihre Decke aufzuheben und ihre anderen Besitztümer ebenfalls zu verstauen. Doch als sie sich von der alten Frau abwandte um ruhig über die Wiese davon zu gehen, rief diese mit leiser Stimme etwas hinter ihr her. Sie blickte zurück und sah einen seltsam bittenden Ausdruck auf dem Gesicht der Alten, den sie nicht verstand, doch die Handbewegung, mit der die Frau sie aufforderte ihr zu folgen, war unmissverständlich. Nach einer kurzen Pause des Zögerns folgte sie der kleinen plumpen Gestalt aus dem Wäldchen hinaus.
Ihre Schritte waren angespannt, jeden Moment zur Flucht bereit und ihr Blick glitt aufmerksam über die von Raureif bedeckte Wiese. Doch nichts außer ihnen bewegte sich, es gab keine offensichtliche Gefahr.


„Bitte, bleib!“ hatte sie gerufen, sonst nichts.
Und nun folgte ihr das Mädchen tatsächlich. Sie schien wie ein verletztes Tier, das zwar wusste, das es sich helfen lassen muss, dem Helfenden aber in keiner Weise vertraute. Die Alte hatte dieses Verhalten oft genug bei den Pferden ihres Mannes gesehen, wenn sie sich an losen Hufeisen verletzt hatten, aber wussten, dass ihr Herr sie bei nächster Gelegenheit wieder prügeln würde. Immer wieder blickte sie zurück und war erleichtert, dass das Kind ihr weiterhin folgte. Ihr Mann würde zwar keinesfalls begeistert sein, aber auch diesmal würde sie ihren Willen durchsetzen. Er musste doch einsehen, dass das Mädchen Hilfe brauchte! Und auf Dauer hielt sie die Einsamkeit in der kleinen Hütte nicht mehr aus, wenn das Schweigen ihres Mannes anschwoll und alles zu ersticken drohte. Sie wollte nur noch einmal etwas Leben in ihren Alltag bringen, bevor der Winter alles zunichte machte.


Nach einiger Zeit kam eine Hütte in Sicht, etwa doppelt so groß wie ihre eigene es gewesen war, doch mit einem hohen, spitzen Dach und kleinen Fenstern neben der Tür aus dickem Holz. Ein niedriger Zaun schloss ein kümmerliches Gärtchen ein, in dem ein gebeugter, fast kahler Apfelbaum eine Bank beschattete und mit ein paar orange-gelben Blättern bestreute. Die alte Frau ging jetzt zielstrebiger und sah sich nicht mehr nach jedem zweiten Schritt nach ihr um, als sie am Zaun angekommen war öffnete sie eine kleine Tür darin und wartete dann, bis sie an ihr vorbei gegangen war. Sie hatte wieder begonnen auf ihre ruhige Art zu sprechen und nahm sie jetzt an den Arm um sie zu führen. Als sie jedoch ihren unwilligen Blick sah, ließ die Frau sofort wieder los und setzte ein weiteres Mal ihr ungeübtes, diesmal entschuldigendes, Lächeln auf.
Einladend öffnete sie dann die Haustür und nickte ihr zu.


„Du wirst sehen, mein Kind, im Handumdrehen habe ich dich wieder aufgepäppelt und dann schauen wir weiter. Den Winter über kannst du gerne bei uns bleiben, unser Sohn ist schon lange außer Haus und auch wenn nicht immer genug zu Beißen für alle da ist, soll mich doch der Schlag treffen, bevor ich ein armes Mädchen wie dich in die schreckliche Kälte zu den Wölfen und Schlimmerem hinausjage. Das wird Bethwîr, mein Mann, einsehen müssen. Nun komm herein, setzt sich erst mal hier an den Ofen, leg die Füße hoch, ich mache dir derweil einen schönen warmen Tee. Mein Mann ist schon am Fluss arbeiten, er ist Fischer, weißt du, deshalb gibt es bei uns auch viel gesunden Fisch zu essen. Heute Mittag kann ich dir leider nur ein bisschen Suppe anbieten, aber wir wollen doch dafür sorgen, dass es dir bald besser geht...“


Der Redefluss der Alten war offensichtlich durch nichts zu stoppen. Sobald sie die Hütte betreten hatten, die Tür geschlossen war und die Frau sie auf einen Stuhl gedrückt hatte, begann sie, an einem steinernen Herd zu werkeln, mit Kessel und Wasser zu hantieren, Becher zu holen und schwatzte gut gelaunt während all dieser Tätigkeiten. Mit offenem Mund saß sie bewegungslos auf ihrem Stuhl, und während sie heißen, köstlichen Tee trank, ihre Suppe löffelte und sich dicke Wollstrümpfe an die Füße ziehen ließ schien es ihr, als habe sie sich seit Ewigkeiten nicht mehr so geborgen gefühlt. Auch wenn der Wohnraum staubig, dunkel und mit den unterschiedlichsten Möbeln vollgestopft war, so schien er doch durch das freundliche Wesen der alten Frau heimelig und sicher vor den Unbillen der Außenwelt.


Der Raum, den sie so lange nur mit ihrem Mann geteilt hatte, schien ihr plötzlich viel zu klein für dieses Mädchen. Sie sah aus, als gehöre sie nicht in ein Haus, sie musste frei sein - aber in diesen Zeiten konnte man niemanden einfach in die Wildnis scheuchen. Mit steifem Rücken setzte sie sich auf einen Stuhl der Kleinen gegenüber und pustete erstmal in ihren Tee, um ihn etwas zu kühlen. „Mein Name ist Nûrna. Verstehst du mich? Nûrna,“ sagte sie, indem sie ihre linke Hand auf ihre Brust legte. „Und wie heißt du?“ Jetzt deutete sie auf das Mädchen.


Nûrna hieß die Frau also... aber was wollte sie von ihr? Auch einen Namen? Aber... sie wusste keinen Namen, sie erinnerte sich nicht, niemand hatte je mit ihr gesprochen und sie benannt, bis auf... das war es! Anariel hatte sie einmal mit „Elbenmädchen“ angesprochen... was das wohl bedeutete? Sie hatte damals nicht auf die Bezeichnung reagiert, sie brauchte doch keinen Namen... Doch nach kurzem Zögern legte sie ebenfalls eine Hand auf ihre Brust und sagte „Elleth. Nîn tûlon naro Elleth.“
Nûrna schien zu erschrecken. Ihre Augen weiteten sich, und beinahe hätte sie ihre Teetasse fallen gelassen. Sofort hatte sie sich jedoch wieder gefangen, und ihr hilfloses Lächeln beruhigte sie wieder.


Das Mädchen sprach die verbotene Sprache! Und anscheinend war sie des Adunaischen nicht mächtig, sonst hätte sie doch niemals... Himmel, wenn das ihr Mann erfuhr! Aber eigentlich machte es nicht den geringsten Unterschied. Denn in diesem Zustand der Unkenntnis war sie noch angreifbarer für Alle. Doch wie brachte man jemandem eine fremde Sprache bei? Nûrnas Sinn für Praktisches bot ihr die Antwort: ein kleines Kind konnte auch nicht sprechen, doch durch Zuhören und Nachahmen lernte es von seinen Eltern. Das Beste würde sein, mit Elleth so normal wie möglich zu reden, ihr viel zu zeigen und gleichzeitig zu erklären. Sie hoffte inständig, dass der Rest dann von selbst kommen würde.
Als das Kind seine Suppe ausgelöffelt hatte, führte sie Elleth die schmale Treppe am hinteren Ende des Wohnraumes nach oben, um ihr ihr Zimmer zu zeigen. Es war das ihres Sohnes gewesen und inzwischen mit alten Möbeln und Gerätschaften, die nicht mehr gebraucht wurden, verstellt. „Komm, Kind, hilf mir mal. Das Zeug muss hier raus, sonst kannst du da ja nicht schlafen.“
Mit beherzten Händen ergriff sie einige Kisten und drückte sie Elleth in die Arme. „Stell das am besten da hinten in die Ecke. Genau; so, dass man noch was drauf stapeln kann... du bist ja wirklich geschickt!“ Ihr erfreutes Lächeln wurde schüchtern von dem Mädchen erwidert, das daraufhin selbst die nächsten Dinge nahm und ordentlich in die Ecke stapelte.
Erstaunlich schnell war der Raum von den meisten Gegenständen befreit bis er nur noch ein altes Bett, mehrere volle Regale und einen kleinen Tisch mit Hocker enthielt. „So, mein Kind, jetzt kannst du es dir hier erst mal gemütlich machen, und während du dich einrichtest werde ich mal Wasser aufsetzen und die Badewanne vorbereiten. Denn in diesem Zustand wird dich Bethwîr sicher nicht behalten wollen!“


Mit einem freundlichen Lachen ging Nûrna wieder nach unten und drückte ihr ihre Decke mit den eingewickelten Sachen in die Hand. „Bring das nach oben!“
Unsicher ließ sie sich wieder zur Treppe schieben und verschwand nach einem Blick über die Schulter nach oben. In ihrem Zimmer angekommen legte sie die Decke auf das Bett und schlug sie auf. Da lagen ihr Messer in der Hornscheide, ihr Bündel aus Kleidern und Decken sowie der Lederbeutel, der ihre letzten Beeren und die Heilkräuter enthielt. Sehr viel war es wirklich nicht. Für jeden der Gegenstände suchte sie einen passenden Platz, die Kleider ordnete sie auf einem Regalbrett, die Decken legte sie aufs Bett und ihr Messer - irgendwie schien es ihr nicht angebracht, es am Gürtel zu tragen und so schob sie es nach kurzem Zögern unter das fleckige Kissen, das auf dem Bett lag. Dann trat sie zu dem kleinen Fenster, das unter der niedrigen Decke nur wenig Licht einließ, so verstaubt und von Spinnweben verhangen war es. Draußen war die Sonne wohl langsam am Untergehen, längere Schatten zogen sich über die Wiesen und sie konnte das golden schimmernde Band eines wohl sehr großen Flusses erkennen.


„Das Bad ist fertig, Elleth! Elleth?“
Das Mädchen reagierte mit keinem erkennbaren Zeichen auf den Namen, sondern drehte sich wieder um und fragte etwas in dieser fließenden, weichen Sprache, die niemand jemals hören durfte. „Was ist denn Kindchen? Der Fluss?“ Sie stand jetzt neben Elleth und sah ebenfalls durch das Fenster. „Der Fluss heißt Siril. Der größte Fluss Númenors musst du wissen! Und in ihm gibt es so viele Fische, dass mein Mann von ihrem Fang leben kann. Der Siril fließt auch gar nicht weit von hier ins Meer, aber dort kann man nicht mehr wohnen, dort ist ein Sumpf, in dem sich der Fluss in viele Arme aufspaltet. Jetzt komm ins Bad, wir wollen dich doch hübsch machen!“
Mit einem Zwinkern in den Augen führte Nûrna das Mädchen wieder nach unten in den Waschraum hinter dem Wohnzimmer.


Der Raum war sehr klein, aber sauberer als der Rest des Hauses. Der Boden war mit roten Steinplatten bedeckt und die Wände ganz weiß getüncht. An der einen kurzen Seite füllte ein großer Bottich den Raum zwischen den Wänden, aus dem weiße Heißwasserschwaden dampften. Was sollte sie tun? Nûrna sah sie erwartungsvoll an, und dann begriff sie. Mit flinken Fingern entkleidete sie sich und stieg in die Wanne hinein. Das Wasser war so heiß, dass ihr zunächst die Luft wegblieb. Dann zog die Wärme in ihre Haut ein, löste verkrampfte Muskeln, die sie bis zu diesem Moment noch nicht bemerkt hatte und begann die Kälte in ihrem Inneren zu zerschmelzen. Nie war ihr bewusst geworden, wie sehr sie unter der Heimatlosigkeit gelitten hatte, nicht nur seelisch sondern auch körperlich. Sie klagte ihr Leid, erzählte alles...


Plötzlich weinte das Mädchen. Ihre schmalen Schultern bebten und sie vergrub das Gesicht in ihren Händen und begann zu sprechen. Sofort setzte sich Nûrna auf einen Hocker neben die Badewanne und begann mit einer weichen Bürste den Rücken des Kindes zu bearbeiten. Mit der anderen Hand strich sie ihr Haarsträhnen aus dem Gesicht und streichelte ihre Wange. „Nicht weinen, Kindchen! Jetzt wird doch alles gut... du brauchst keine Angst mehr haben, ich werde auf dich aufpassen. Keiner wird dir wehtun. Schh, schhh... ruhig, meine Kleine...“
Und sie begann leise in ihrer schon leicht krächzenden Altfrauenstimme ein Wiegenlied zu summen, eines, das sie früher so oft für ihren Sohn gesungen hatte, damit er gut einschlief und etwas Schönes träumte. Langsam verlief sich auch der elbische Redeschwall, der so verzweifelt aus ihr herausgebrochen war.


Die ruhige Melodie und die einfachen Worte beruhigten sie. Jetzt war sie erst einmal sicher, sie musste keine Angst vor dem Winter haben. Nûrna würde auf sie aufpassen... Mit angehaltenem Atem glitt sie ganz unter Wasser und ließ die Wärme sie erfüllen. Als sie prustend wieder auftauchte, begann sie sich energisch mit Seife und Bürste zu bearbeiten. Die letzten Wochen waren eine Qual gewesen, aber das sollte man ihr wenigstens nicht mehr so offensichtlich ansehen!
Als sie schließlich aus dem nun nicht mehr ganz sauberen Wasser stieg, reichte Nûrna ihr ein grobes Tuch, mit dem sie sich abtrocknete. Doch statt ihrer alten Kleider gab ihr die Alte frische, die ihr gehört haben mussten: eine dunkle Bluse, ein dunkler Rock aus schwerer Wolle, dazu warme und praktische Unterwäsche und Socken.


Jetzt sah das Kind schon fast normal aus, ihr Mann würde nichts Ungewöhnliches vermuten können. Sorgfältig rubbelte sie das Haar des Mädchens trocken und steckte es ihr zu einem lockeren Knoten im Nacken zusammen. Jetzt, da der Schmutz herausgewaschen war, glänzten die Haare wie blasses Gold und ihre Augen leuchteten aus dem immer noch mageren Gesichtchen hervor. Alles würde gut werden, Bethwîr würde sie mögen!


„Elleth? Guten Morgen, mein Kind, Zeit zum Aufstehen!“
Mit einigen raschen Schritten hatte Nûrna das Zimmer durchquert und öffnete das Fensterchen. Eisige Luft mit einigen Schneeflocken strömte hinein und über das unter seiner Decke vergrabene Mädchen. „So... früh?“ Sie sprach langsam und vorsichtig, die Sprache schien ihr unangenehm, doch sie lernte erstaunlich schnell.
„Ja, mein Kind, heute ist ein besonderer Tag. Unser Sohn Xalâdh kommt her und feiert mit uns das Winterende. Komm, wir wollen dich doch noch etwas hübsch machen!“


Mühsam schälte sie sich aus den warmen Decken und schloss eilig das Fenster. Insgeheim machte sie sich Vorwürfe, dass sie die Bequemlichkeit eines warmen Bettes einem freien Sternenhimmel vorzog und inzwischen sogar vor etwas kühlerer Luft zurückschreckte. Doch die freundliche Art von Nûrna, die immer mehr aufzutauen schien, Bethwîrs brummiges, aber ruhiges Wesen und das sichere Dach über dem Kopf lullten ihre Ängste und Sorgen ein, halfen dabei, die seelischen Wunden der Vertreibung zu vernarben.
Nachdem sie sich angezogen hatte, ging sie hinunter um zu frühstücken. Auch das war ihr inzwischen eine angenehme Gewohnheit geworden. Drei Mahlzeiten am Tag, meistens warm, waren mehr, als sie sich je hatte erträumen können. Der Becher mit dampfendem Tee stand auf ihrem Platz am Tisch, davor stand ein Korb mit Brot, Butter und Honig in irdenen Gefäßen rahmten den Teller ein. Nûrna war wohl schon mit dem Frühstück fertig, dem Klappern aus der Küche nach zu urteilen. Bethwîr konnte natürlich im Winter seinen Beruf als Fischer nicht ausüben, stattdessen saß er in einer Ecke des Wohnraumes und reparierte Werkzeuge, Schuhe oder schnitzte kleine Figuren aus Fischbein.
„Guten Morgen, Bethwîr.“
Der Mann, dessen dunkle Haare trotz der unzähligen Falten auf seinem Gesicht noch keine Spur von Grau zeigte, nickte ihr mit einem kurzen Lächeln zu, und kümmerte sich dann wieder um den Werkzeuggriff, den er schnitzte. Mehr war von ihm nicht zu erwarten; nachdem er den ersten Schrecken über ein fremdes Mädchen in seinem Haus überwunden hatte und den entschlossenen Gesichtsausdruck seiner Frau gesehen hatte, hatte er sie widerwillig akzeptiert und geduldet.
Inzwischen kam sie auch immer besser mit ihrer Sprache zurecht; Adunaisch nannten sie es, die Sprache von Númenor. Sie hatte vieles erfahren, was sie sich nie hätte vorstellen können, angefangen davon, dass dieses Land eine Insel war, die mitten auf dem Meer trieb, darüber, dass es im Osten jenseits des Flusses Städte gab, in denen Menschen in Massen lebten und sich in großen steinernen Häuser drängten. Es gab einen König, der dieses Land regierte, und sich um seine Menschen kümmerte. Auch wenn er diese Aufgabe wohl nicht zu aller Zufriedenheit bewältigte, verehrten ihn die Menschen als Nachfahren älterer Könige. Gedankenverloren kaute sie auf ihrem Bissen herum, bis sie sich daran erinnerte zu schlucken.


Das Pferd war schneller ermüdet, als Xalâdh es erwartet hatte, aber am Fuß des Hügels war auch schon die Hütte seiner Eltern sehen. Verächtlich verzog er das Gesicht, diese winzige Kate verdiente die Bezeichnung Haus einfach nicht. Seine Geschäfte in Nindamos liefen prächtig und nur einige überkommene Sitten brachten ihn dazu, wenigstens einmal im Jahr zu seinen alten Eltern aufs Land zu reiten. Sie waren nun schon über 200 Jahre alt und sollten eigentlich doch langsam wie andere Menschen auch ans Sterben denken, aber nein ... die Seeluft musste irgendwie besonders konservierend wirken. Insgeheim musste er sich sogar eingestehen, dass ihm die leicht salzige Brise in den engen Straßen der Stadt doch fehlte, aber diesen Gedanken schob er schnell wieder von sich. Fröstelnd in dem eisigen Wind wollte er aber nun doch möglichst schnell ins Warme. Mit einem Schenkeldruck, der heftiger als beabsichtigt ausfiel, brachte er sein Pferd wieder in Bewegung und gelangte schnell zur Hütte. Eher ungelenk schwang er sich aus dem Sattel und strich den langen dunklen, mit Fell gefütterten Mantel glatt. Hoffentlich ließ sich die Angelegenheit schnell über die Bühne bringen, in diesem Loch hier würde er noch seine gute Kleidung ruinieren. Indem er sich über die glatten Haare strich, öffnete er die Tür und duckte sich ins dunkle Innere der Hütte.
Es hatte sich kaum etwas verändert. Die Möbel drängten sich an den Wänden, durch die kleinen Fenster fiel nur wenig Licht und auf der Bank in der Ecke lag das Werkzeug seines Vaters. Und doch ... irgendwie wirkte alles aufgeräumter, fröhlicher, wie er es seit Jahren nicht mehr hier erlebt hatte. In diesem Augenblick trat seine Mutter aus der Küche, und empfing ihn mit ausgebreiteten Armen. „Mein lieber Junge, wie schön, dass du schon so früh hier bist! Ich glaube, dieses Jahr wird es eines der schönsten Winterfeste geben, meinst du nicht auch Bethwîr?“
Xalâdhs Vater stand lächelnd und auf seiner kurzen Pfeife paffend hinter Nûrna und nickte bedächtig. „Auf jeden Fall eines, an das wir uns noch lange erinnern werden.“
Seine Frau nickte bestimmt und lachte ihren Sohn an. „Ich sehe schon, du verstehst nicht, wovon wir reden. Sieh mal hier, wer dieses Jahr mit uns feiern wird ... Elleth!“
Als er ihrer ausgestreckten Hand mit seinem Blick folgte, gingen ihm die Augen über. Die Treppe am Ende des Raumes herunter kam ein Mädchen, wie er noch keines gesehen hatte. Ihre Kleidung war einfach und zu weit für ihren schlanken Körper, musste also von seiner Mutter stammen, doch das Gesicht, das über den dunklen Stoffen wie helle Seide schimmerte und das Lächeln, das so vorsichtig darauf spielte ... wie gebannt starrte er in diese dunklen, hellen Augen, die ihn anzustrahlen schienen. Und dann die Konturen ihres Körpers, wie er sie durch die Kleider erahnen konnte... Er musste sich an die Stirn fassen, sicher war das nur ein Traum. Mit einem heiseren Räuspern verbeugte er sich elegant und brach die kurze Stille. „Eine Freude, Euch kennen zu lernen, Elleth! Ich bin Xalâdh, zu Euren Diensten. Ich bin überzeugt, dass dieses Fest das reinste Vergnügen werden wird!“


Das Abendessen war üppiger und fröhlicher als alle, die sie jemals in dem kleinen, gemütlichen Haus erlebt hatte. Knuspriges Brot, gelbe Butter, Fleisch, eine Gemüsebrühe und dazu geräucherter Fisch, in viele Gewürze und Kräuter eingehüllt, türmten sich auf dem altersschwachen Tisch. Einige honiggelbe Wachskerzen verbreiteten warmes Licht und Gelächter und Unterhaltung dauerten bis spät in die Nacht an. Xalâdh erzählte von seinem Geschäft in der Stadt, das ihm viel Geld zu bringen schien, die Menschen achteten ihn und fragten ihn um Rat in vielen Dingen, aber er schien ihr trotz seines selbstsicheren Auftretens einsam zu sein. Zu oft starrte er sie mit einem seltsam hungrigen Gesichtsausdruck an, zu häufig erwähnte er sein Haus, das trotz Dienstboten so leer war. Immer wieder ließ er sich von ihr den Becher mit dunkelrotem Wein nachfüllen und auch sie spürte ein leichtes Schweben im Kopf, begleitet von einer undefinierbaren Wärme in ihrer Körpermitte.
Als die Speisen zur Neige gingen und die Kerzen fast ganz heruntergebrannt waren, erhoben sich Nûrna und Bethwîr, wünschten den beiden jungen Menschen eine gute Nacht und verschwanden nach oben auf ihr Zimmer. Xalâdh verließ leicht schwankend das Haus und sie machte sich daran, das Geschirr abzuräumen und etwas Ordnung zu schaffen. Anschließend schlang sie sich ein weites Schultertuch um und ging hinaus, um vor dem Schlafengehen noch die Sterne zu beobachten. Dafür hatte sie vor etwa zwei Wochen einen besonderen Platz gefunden: ein großer, grauer Stein, der wie ein gestrandeter Riesenfisch aussah, und von dem aus man bis an den Fluss schauen konnte. Aber die Aussicht über das schneebedeckte Land interessierte sie heute Nacht nicht, sondern der Himmel, der durch einige dicke Wolken nur fleckhaft zu sehen war. Einige Sternbilder konnte sie erkennen, aber die meisten der funkelnden Nadelstiche im schwarzen Tuch des Himmels ergaben keine Formen. Aber wozu auch! Selbst dem scheinbar Ungeordneten lag die große Ordnung der Welt zugrunde. Und die Menschen waren nur zu klein und zu gering, um das zu erfassen. Ganz in den Anblick der fernen Lichter versunken bemerkte sie nicht, wie sich Schritte leise knirschend durch den Schnee näherten.


„Darf ich mich zu Euch setzen - Elleth? Ich - setz mmich einfach mal – hin.“
Unsicher lächelnd lies sich Xalâdh auf den Stein nieder und wäre beinahe in den Schnee gerutscht, wenn er sich nicht an Elleths, vom Schal bedeckter, Schulter festgehalten hätte. „Was macht ein so - so hübsches Mädchen wie du allein hier draußen? Du wirs noch erfrieren. Und du solltes nich bei so alten Leuten - verkümmern. Komm - komm doch mit mir nach Nindamos, in die Stadt!“
Das Sprechen bereitete ihm doch mehr Mühe als er angenommen hatte, der Wein entfaltete zusammen mit der rauhen Seeluft eine besondere Durchschlagskraft.
„In die Stadt? Wo so viele Häuser aus Stein stehen, dass man den Wind nicht mehr spüren und den Himmel nicht mehr sehen kann? Nein ... da möchte ich nicht hin.“
Sie sah ihn mit so traurigen Augen an, dass er ihr mit der Hand über die Wange strich. „Schh, nicht weinen. Ich kann dich doch - doch trösten!“
Wie von einer unsichtbaren Schnur gezogen bewegte sich sein Kopf auf sie zu, seine Lippen suchten die ihren und fanden sie ... „Aua! W-was soll denn das? Warum schlägs du mich? Ich will doch nur - nett sein!“
Ihre Augen waren jetzt nicht mehr traurig und entfernt sondern ernst und ganz im Hier und Jetzt. Wie konnte ein Mädchen nur so hübsch sein und nicht einmal wissen, was es für eine Wirkung auf Männer hatte! Denn nicht nur der Wein ließ das Blut in seinen Ohren rauschen, auch die Nähe dieser Frau ließ sein Herz schneller schlagen. Xalâdh versuchte den Arm um Elleth zu legen, er wollte sie so nahe wie möglich haben. Aber sie streifte ihn ab und lächelte ihn schüchtern, aber bestimmt an. „Ihr solltet ins Bett gehen, Xalâdh. Ihr hattet zu viel Wein. Kommt, ich bringe Euch hinein, Ihr könnt doch nicht so hier draußen bleiben.“
Schwer auf sie gestützt ließ er sich ins Haus führen. Die Treppe stellte eine ziemliche Herausforderung dar, aber zu guter Letzt war es geschafft. Elleth führte ihn in ein kleines Kabuff, in das behelfsweise ein Bett und ein Stuhl hineingezwängt worden waren, für mehr reichte der Platz beim besten Willen nicht. Ächzend ließ er sich auf die Matratze fallen. Am liebsten würde er einfach nur schlafen, aber nicht, so lange er dieses Gesicht vor seinen Augen sah. Denn dann war jeder Gedanke an Schlaf vergessen, er wollte ihre Haut spüren, ihren Atem ...
„Kommt, Ihr solltet den Mantel ausziehen, sonst ruiniert Ihr noch das gute Stück.“
Jetzt stand sie neben dem Bett und beugte sich zu ihm hinunter ... mit beiden Armen umschlang er sie und zog sie zu sich auf das Bett. Oh, sie fühlte sich gut an, ihr Körper war fest und kräftig, ihre Beine lang und beweglich - und sie wand sich und trat um sich, sie wollte ihn alleine lassen! Verzweifelt rollte er sie auf die andere Seite und legte sich auf dieses wunderschöne, verwunschene Wesen um es vor selbstzugefügten Verletzungen zu bewahren. Und ja, sie beruhigte sich. Ganz steif lag sie da, mit geschlossenen Augen. Mit zitternder Hand strich er über Stirn, Nase, ihre Lippen. Er küsste sie. Er wollte sie spüren, jeden Zentimeter ihres Körpers mit Küssen bedecken, in sie eindringen und sie lieben. Sie würde mit ihm nach Nindamos kommen, sie würde ihn lieben!


Entsetzt, regungslos wie ein totes Stück Holz lag sie da und spürte sein drückendes Gewicht auf ihr. Er bewegte sich ganz seltsam, ihre Knie stießen schmerzhaft zusammen. Sie brachte es nicht über sich, die Augen zu öffnen, aus Angst, was sie in seinem Gesicht sehen würde. Mit einem festen Griff, den sie ihm in seiner Verfassung gar nicht mehr zugetraut hätte, hielt er ihre Arme mit beiden Händen verdreht fest. Er roch nach Wein und Schweiß und seine Küsse waren widerwärtig nass, beinahe schon ein Abschlecken. Sie ekelte sich so sehr, dass sie es kaum über sich brachte zu atmen. Dann versuchte er, ohne sie loszulassen, mit Stößen seines Unterkörpers ihre Röcke hochzuschieben. Sie verstand nicht, warum er ihr weh tat, was er vorhatte, doch als er ihre Arme losließ, um sich zu entkleiden, reagierte sie blitzschnell. Abrupt zog sie die Knie an und rammte sie ihm in den Unterleib, dann stieß sie ihm ihre geballten Fäuste mit aller Kraft auf die Brust. Der aufkeimende Schrei blieb ihm im Halse stecken, als seine Lungen gelähmt den Dienst versagten und er mit dem Hinterkopf an die Wand schlug. Zitternd krabbelte sie über seinen bewegungslosen Körper und aus dem Zimmer, ignorierte die Geräusche und Rufe aus dem Zimmer der Alten und rannte die Treppe hinunter und hinaus.
Der Schnee leuchtete bleich, wie ein Leichentuch im kränklichen Schimmer des abnehmenden Mondes. Sie rannte wie noch nie in ihrem Leben, die Röcke verfingen sich in ihren Beinen und waren bald steifgefroren von Schnee, ihre Lungen brannten und ihre Wangen schienen von einer Eisschicht bedeckt zu sein. Er hatte ihr weh tun wollen, die Luft abschnüren, ihre Seele rauben ... Er hatte sie vertrieben. Warum hatte ihr dieser Mann nur Schmerzen zufügen wollen? Nûrna war nett zu ihr gewesen, sie hatte ihr eine Zuflucht gewährt. Und ihr Sohn, Xalâdh, der so höflich mit ihr geredet hatte, wollte ihr das Heim wegnehmen, das sie gefunden hatte. Einsperren in eine Stadt voller enger Häuser wollte er sie, er wollte sie erdrücken und ... Sie schrie. Laut und hoch, wie der Ruf eines Raubvogels, voller Wut. Er würde sie nicht fangen, niemand würde sie fangen!


Erst als die Sonne schon fast im Zenit stand, blieb sie stehen. Sie war schon lange nicht mehr gerannt, sondern immer öfter gestolpert, gegangen und gefallen. Jetzt sah sie hinüber zum Siril, an dem entlang sie nach Norden geflohen war. Auf diese Entfernung war es schwer zu erkennen, aber obwohl eigentlich der Winter zu dieser Zeit auf dem Rückzug hätte sein müssen, war der Fluss immer noch von einer größtenteils stabilen Eisdecke bedeckt.
Als sie an das Ufer des Flusses kam, sah sie die gezackten Ränder des Eises, unter dem kleine Wasserläufe gurgelten. Das Eis war milchig trüb und an einigen Stellen standen Pfützen von Tauwasser auf der Oberfläche. Sie ignorierte jedoch mögliche Gefahren, sie wollte nur so viel Abstand wie möglich zwischen sich und jeden Menschen bringen, der ihr weh tun konnte, so dass ihr alles andere egal war. Vorsichtig trat sie aufs Eis, nachdem sie den Rock hochgebunden hatte, um ihre Beine frei zu haben. Am Rand knarzte es zwar erschreckend, aber sie lief so schnell weiter, dass sie es nicht hörte. Das Gluckern und Pochen, das ihre Schritte hervorriefen, ließ sie hinter sich, als sie auf der anderen Seite anlangte.
Weit im Norden konnte man einen hohen Berg erahnen, es musste wohl der von Nûrna erwähnte Meneltarma, der Himmelspfeiler sein. An seinem Fuß entsprang der Siril und lief zum Meer. Zum Meer ... Auf dem Hinweg war sie am Rand der Mündungssümpfe umgekehrt und nicht bis an die Küste gelangt. Doch da sie im Moment kein anderes Ziel sah, beschloss sie, sich nach Süden, dem Meer zu zuwenden. Vielleicht eröffnete ihr die See eine neue Perspektive, irgendetwas, vielleicht erfüllte sich auch ihr Traum von den Schiffen ...
(Ina)