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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Im Labyrinth

Tausend Gerüche strömten auf ihn ein. Er roch Moder, Staub, Leder und andere Gerüche, die er nie zuvor wahrgenommen hatte, denen er nichts zuordnen konnte und ... Gefahr. Er wusste nicht wie Gefahr riecht, noch welcher Geruch dieses Gefühl auslöste, aber etwas in ihm regte sich, das ihn seine Muskeln spannen ließ.
Dann öffnete er die Augen. Geblendet musste er sie wieder schließen.
Das Geräusch von Schritten drang an seine Ohren. Auf dem Lehmboden waren sie nicht sehr laut zu hören, trotzdem nahm er sie deutlich war. Jemand entfernte sich, blieb kurz stehen, näherte sich dann wieder.
Erneut öffnete er die Augen. Ein Mann mit langen schwarzen Haaren blickte ihn an und erstarrte mitten in seiner Bewegung. „Das ... das kann nicht sein“, sagte dieser mit tonloser Stimme, während er rückwärts zurück wich.
Der andere sprang auf. Mit einem gewaltigen Satz hatte er Belzamir erreicht. Sein rechter Arm umschlang ihn von hinten.
Er schnüffelte. Angst.
Belzamir wand sich in dem Griff. Kleine Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn. Was war schief gegangen? Erâzon hätte ohnmächtig sein müssen. Aber er war wach, hielt ihn fest und beschnupperte ihn.
Fast wie ein Tier, schoss es dem Heiler durch den Kopf.
Plötzlich war der Arm, der ihn umklammert hatte, weg. Belzamir stolperte nach hinten. Erâzon blickte sich wie ein gehetztes Tier in dem Labor um, dabei gab er merkwürdige Geräusche von sich.
Als würde er versuchen zu sprechen.
Auf einmal sprang Erâzon vor. Belzamir versuchte auszuweichen, aber er war zu langsam. Eine Hand traf ihn an der Brust und warf ihn um. Erâzon war sofort über ihm. Für einen kurzen Augenblick hielten beide inne und blickten sich in die Augen. Dann schlug Erâzon zu.


Ohne Ziel rannte er immer weiter. Ohne System irrte er durch das Labyrinth unter dem Palast. Mehrmals war er schon im Kreis gelaufen. Diese Kreuzung passierte er zum dritten Mal – zum zweiten Mal bog er links ab. Aber er merkte es nicht. Er hatte keine Augen für die Gänge, die älter waren als der Palast selbst. Er hatte keine Augen für die perfekte Bauweise, die Jahrhunderte überdauert hatte.
Er war nur mit sich selbst beschäftigt. Wo war er, warum war er hier und vor allem: wer – oder womöglich was - war er?
Ohne stehen zu bleiben musterte er seine Arme. Waren sie schon immer so beharrt gewesen? Irgendwo tief unten in seinem Bewusstsein regte sich etwas. Etwas, das ihm sagte, seine Arme hätten einmal anders ausgesehen. Aber bevor er es greifen konnte, wurde es von der Wut vertrieben, die ihn antrieb immer weiter zu rennen. Die Wut richtete sich gegen nichts erkennbares, noch hatte sie einen Grund. Sie war einfach da und breitete sich aus, verdrängte Stück für Stück sein Bewusstsein.
Je größer die Wut wurde, desto mehr veränderte sich sein Körper. Überall sprossen Haare. Sein Körper krümmte sich, bis er schließlich mit seinen Händen den Boden berührte. Doch es waren keine Hände mehr, seine Arme waren zu Vorderbeinen und seine Hände zu Pfoten geworden. Sein Gesicht verformte sich. Der Mund wurde zur Schnauze. Die Stirn verlängerte sich.
Sein Bewusstsein war nun völlig verdrängt. Die Wut hatte die Kontrolle übernommen.
Der Wolf rannte weiter durch das Labyrinth. Er jagte an Abzweigungen vorbei, ohne auch nur einen Moment inne zu halten.


Nachdem der Wolf lange so gerannt war, kam er in eine Sackgasse. Eine massive Eichentür versperrte ihm den Weg. Erst als er stehen blieb, merkte er, dass er sich völlig verausgabt hatte.
Müdigkeit breitete sich aus, wo vorher noch die Wut, die ihn stundenlang durch das Labyrinth getrieben hatte, gewesen war.
Wieder veränderte er sich. Sein Körper nahm menschliche Züge an.
Er wusste nicht wo er war, aber gerade eben war er noch woanders gewesen, oder? In seiner Erinnerung fehlte ein Stück, doch es war nicht wie ein Loch, das komplett fehlte, mehr wie ein nebliges Tal. Es ist da, man kann es sehen, aber man weiß nicht, was unter dem Nebel versteckt ist.
Während er in seinen Erinnerungen nach einem Hinweis suchte, wer und wo er war, stieß er auf ein Wort: Anariel. Er wusste nicht, wofür es stand, aber er wusste, es hatte eine besondere Bedeutung für ihn. Ein Schlüssel zu seiner Identität?
Er versuchte es auszusprechen, wie man eine Zauberformel ausspricht, deren Bedeutung man nicht kennt, aber von der man sich eine bestimmte Wirkung erhofft.
Nichts geschah. Das Wort blieb in seiner trockenen Kehle hängen. Was heraus kam ähnelte einem Stöhnen.
Jetzt merkte er, wie erschöpft er war, fast so, als wäre er stundenlang gerannt. Auch wenn seine Atmung sich langsam beruhigte, sein Körper war am Ende. Selbst wenn er gewollt hätte, er war unfähig aufzustehen oder sich sonstwie zu bewegen.
Er konnte nur liegen bleiben und weiter seinen Gedanken nachhängen.
Doch auch dazu war er zu geschafft. Seine Gedanken wurden schwerfälliger, dann entglitten sie ihm ganz. Schritt für Schritt ging er der Dunkelheit entgegen. Sein letzter Gedanke war Anariel.


Eine Wachmannschaft auf der Suche nach dem Entflohenen hatte Erâzon ohnmächtig in den alten Gängen gefunden.
Belzamir betrachtete den wie leblos in der Zelle liegenden Körper. Hatte er womöglich Erfolg gehabt? War sein Experiment gelungen?
Er dachte an das tierische Verhalten Erâzons im Labor und war sich fast sicher es geschafft zu haben.
Aber die wichtigste Frage war noch ungeklärt: Hatte Erâzon mehr als nur das Verhalten eines Wolfes angenommen? Hatte er die Kraft, die Ausdauer eines Wolfes bekommen?
Belzamirs Aufregung ließ ihn die Kopfschmerzen, die er Erâzon zu verdanken hatte, vergessen.
In den nächsten Tagen würde es sich zeigen, ob er Erfolg gehabt hatte oder nicht. Er würde sehen, ob hier wirklich ein Werwolf vor ihm lag.
(Fabian)