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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Mellacar

(1) Tainurs Erbe


Mellacar war ein Farmerssohn, von hagerer Gestalt zwar doch klugen Geistes. Und es kam die Zeit, da er, schon in frühen Jahren von seinem Vater Tainur in der Arbeit auf dem Felde unterrichtet, selbst die Geschicke von Haus und Hof zu lenken vermochte. Das Sternenzelt lichtete sich und der Mond verging, wenn Mellacar die Tiere versorgte. Die Sonne stieg über den östlichen Ebenen empor und er pflügte den Acker. Und als sie blutrot hinter den Wäldern im Westen versank wurde die Saat gestreut.
Nur in der Mittagssonne gönnte er sich eine Pause, um im Haus das Essen zu bereiten.
Sein Vater war ein Mann hohen Alters, das Gesicht lag in Falten und die Haare waren ergraut von den Fesseln der körperlichen Arbeit auf dem Felde. Sie lagen meist bedeckt durch einen grauen breitkrempigen Hut und hingen bis zu seinen leicht eingesackten Schultern herab. Immer öfter erkrankte er und lag tagelang still. Sein Gebrechen hatte begonnen noch als Mellacar nur wenige Sommer alt war und vieles mehr als Zuneigung konnte er ihm nicht entbehren.
Mellacar sehnte sich nach seiner Mutter. Noch bevor sein Vermögen sich zu erinnern einsetzte, starb sie durch die Klingen der wilden Völker. Auch die Liebe, die Tainur in sein Herz tat, war nicht imstande ihn über den Schmerz hinwegzutrösten. Beide sprachen sie nicht oft miteinander über ihren Tod.
Und so wandelte Mellacar oft umher, wenn die Zeit es ihm erlaubte und sinnte über vielerlei Dinge. Solche die geschehen waren und jene, zu welchen das Schicksal ihn tragen mochte. Was immer um ihn herum geschah ließ er zunehmend außer Acht.
Es vergingen Wechsel der Gezeiten. Die Fatah kam und weite Teile Âzeroths verödeten und wurden durchzogen von Narben braunem Erdreichs. Kahl erschienen nun auch die Hänge der umliegenden Hügelketten gezähnt mit grauen Felsen. Wo einst die Eschen blühten, am Hange, erstreckten sich Reihen von Dorngestrüpp und Weidenkraut. Die Wasser des Allus schwanden und hinterließen einen Rinnsal der alsbald aufgezehrt war durch die wild wuchernden Kräuter und niederen Gewächse an seinen Rändern. Nur Mellacars Trostlosigkeit erblühte in jener Zeit und des öfteren trug es seine Gedanken in die Ferne. Vom Leben auf dem Felde hatte er genug und immer mehr drang es ihn fortzuziehen.
Und es kam die Neyumeh die Mellacars Gedanken erfrischte und ihm Kraft verlieh. Der Allus förderte wieder mehr in seinem schmalen Becken die Hänge hinunter und die Täler schienen wie neu geboren. Im grünen Kleid erstrahlten nun die Lande und auch Tainur besann sich in der morgendlichen Frische der Luft und verrichtete so gut es ging die leichteren Aufgaben des Tages.
Doch wenn es Nacht wurde und eine dichte Schwüle heranzog, saß Mellacar nach wie vor auf einer kleinen Erhebung unweit des Hauses und gab sich seinen Gedanken hin. Hart empfand er sein Los. Würde er doch nur fortgetragen mit dem Ostwind oder geholt von den Reitern des Königs, dachte er sich. Abend für Abend stahl er sich fort im Dämmerlicht und verblieb bis dass die Felder umzingelt waren von dunkelgrauem Gewand. Sein Herz brach mit jedem Mal aufs neue, gedachte er dem wohl baldigen dahinscheiden seines Vaters und dem fortwährenden Wunsche ihn zu verlassen um das jetzige Leben hinter sich zu lassen.
Einmal, als er so sinnte und träumte, da vernahm er von weit her den lieblichen Gesang eines Mädchens.
Er richtete sich auf und sein Blick schweifte nach Norden, wo er gedachte sie zu finden. Irritiert lief er einige Schritte vom Hang hinab doch sah er nichts. Und obgleich die Töne verstummten, konnte er sich nicht lösen von der Melodie in der sie gewandert waren. Mellacar wandte sich zum Gehen und war auf halbem Wege als er sich abermals umschaute. Und dort wo er eben noch gestanden hatte, schaute ein Mädchen von unglaublicher Schöhnheit auf ihn hernieder. Regungslos verweilte sie, gleich einer vom hohen Volke in Haltung und Aussehen. Sie war schleierartig von weißem Gewand bedeckt. In der Hand hielt sie eine Lupine und ihre hüftlangen Haare gekrönt von einem Kranz weißer Fénen waren von fließendem Gold. Von ihr wich ein Schimmer hellen Lichts und Mellacar glaubte sich eine Traumgestalt im Geiste zu spinnen. Er strich sich das eigene dunkle Haar aus dem Gesicht und rieb hastig seine Augen. Er schaute und sie war fort. Nur eine einzelne Féne lag auf dem Hang und ein schwacher Schein noch ließ von der Rückseite den Hügel erglimmen, doch auch dieser entschwand seiner Sicht. Eine innere Leere kam plötzlich ihn ihm auf und erst jetzt bemerkte er das Glück, dass ihn erfüllt hatte als er ihre Gestalt noch klar vor sich sah. Ihr Abbild weilte noch lange Zeit als er so stand. Etwas war ihm genommen und kehrte lange Zeit nicht wieder. Seine Gedanken hatten sich gelöst von fernen Gestaden hin zu seiner Erscheinung und Mellacar begann nach ihr Ausschau zu halten, Stunde um Stunde wusste er nun mit Hoffnung zu erfüllen, auf dass sie ihm erneut begegne. Die Blume die sie ihm hinterlassen hatte trug er stets bei sich. Seinem Vater jedoch berichtete er nichts von alledem.
Abermals verstrich die Zeit und Mellacars Herz wurde wieder schwerer mit jedem Tage. Sein Entschluss festigte sich bald fortzugehen. Und so überschüttete er seinen Vater mit trügerischer Eifrigkeit auf dem Felde. Als dieser das Vorhaben seines Sohnes bemerkte nahm er ihn zur Mittagsstunde zur Seite, beide an verrichteter Arbeit genässt an Hals und Stirn und mit dünner Stimme sprach er: „Mellacar, Du bist nun hoch in Wuchs und gereift genug im Verstand. Ich will Dir sagen, dass ich nicht länger Deiner trüben Seele nachblicken mag, denn auch ich leide daran. Wenn es Dich glücklich stimmt lasse ich Dich ziehen. Ich habe Pläne gefasst nach der nächsten Ernte fortzuziehen nach Hámafeth um dort den Abend meiner Jahre zu verbringen. Es bedrückt mich Deinem jungen Streben zur Last zu fallen.“ Da erweichte Mellacars Herz nach Jahren da es erkaltet schien und er umarmte seinen Vater wortlos, denn seine Kehle schnürte sich zu und feinste Tränen liefen seine Wangen entlang. Es war ihm als hätte er das bisschen Liebe was ihm sein Vater noch hatte geben können weggeworfen, ertränkt in Träume und Gespinste und nun spürte er die faltige Haut und wusste um das von ihm durchgemachte Leid. Erinnerungen an die Kindheit kehrten zurück, schwach schimmernd durch die Nebel der Zeit sah er sich auf den heimischen Wiesen, den Duft der Blumen in der Nase die ihm sein Vater brachte. Er dachte an die wöchentlichen Fahrten nach Hámafeth um die Erträge abzuliefern und wie Tainur neben ihm gesessen hatte, die Zügel haltend und lächelnd, fortwährend lächelnd, obgleich der Trauer um seine verlorene Frau. Und Mellacar hatte all die Jahre nur an sich gedacht, an seine Gefühle und nun holten ihn die Erinnerungen ein. Er löste die Umarmung und blickte in die feuchten Augen des Vaters. Er konnte noch nicht fort, nicht jetzt. Mehr noch als sein Gewissen zu beruhigen, drängte es ihm nun für seinen Vater zu sorgen.
Beide begannen sich besser zu verstehen denn je und Seite an Seite verbrachten sie die Tage. Doch als immer früher der Abend graute, erkrankte Tainur und bald darauf starb er. Die kühlen Lüfte des Nordens zogen heran und Mellacar hatte seinen Vater auf dem Hügel begraben auf dem er einst zu sitzen gewohnt war. Fénen zierten das Grab, denn sie waren einzig würdig der Güte und Wärme des Mannes der in ihm lag. In Hámafeth verkaufte Mellacar die Tiere und die letzte Ernte.
Auf den Lupinenfeldern südlich des Hauses saß er nun oft darnieder und weinte. Vertan waren die Jahre seiner Halsstarrigkeit. Tief musste er Atmen um Luft zu bekommen und sein Denken drehte sich im Kreise. Nun musste er fort, doch jetzt, da die Zeit gekommen war fehlte ihm der Mut und er fühlte sich kraftlos.
Eines Tages, Mellacar saß inmitten der trockenen Lupinen, da kehrte neuer Mut zurück und er überlegte, dass es jetzt erst recht ihm zu Ruhm gereichen müsste in seinem Leben, denn schlimme Schicksale hatte er zu genüge erlitten. Und so im Grübeln vertieft blieb er sitzen bis die Abenddämmerung einsetzte. Wieder vernahm er ihm fremde Klänge. Doch sie waren anders als die sanften, melodiösen Töne des Mädchens. Tiefe, raue Stimmen wurden zu ihm herüber getragen. Metall schlug auf Metall im Takte leicht trabender Nutztiere. Rasseln wie das von rostigen Ketten schuf den Tenor nach dem die lauthalsigen Stimmen sich zu richten schienen. Mellacar bekam es mit der Angst, denn sie bewegten sich in seine Richtung. Vorsichtig, auf allen vieren vorwärts schleichend teilte er einen Strauch besonders hoch gewachsener Lupinen und erspähte kleine doch stämmige Gestalten, sich gegen den vom Mondlicht erhellten Himmel abzeichnend.
Links von Mellacar befand sich nun der Hügel und vor ihm senkte sich das Land in sachtem Gefälle in ein Tal ab, bis dass es etwa eine achtel Meile entfernt nach Norden hin um so steiler anstieg. Die Gestalten näherten sich dem Talende und würden jeden Moment in die Nähe des Feldes gelangen. Es waren Zwerge und sie hatten inzwischen zu singen begonnen. Sie schienen keinen besonderen Wert auf Heimlichkeit zu legen, denn alle krächzten in fremder Sprache so laut ihre Stimmen sich erheben ließen.
Etwa zehn Schritt vor Mellacar bog die Prozession der Zwerge nach Süden, auf dem kleinen ausgetrampelten Pfad vertrockneter und abgebrochener Sträucher. Doch plötzlich kam sie zum Halt. Mellacar hielt den Atem. Aus seinem Gesicht war die Traurigkeit der schweren Anspannung gewichen.
Einer der Zwerge übergab die Zügel eines Tieres einem anderen und machte sich auf etwas aufzuheben, was runtergefallen zu sein schien. Sein dichter Bart reichte ihm bis zu den Knien und war zu zwei Zöpfen geflochten, an deren Ende weiße Rinde gesteckt wurde und die Haare waren leicht meliert und gaben wenig anderes frei als eine knollige Nase und die unter grimmig faltiger Stirn stehenden Augen.
Von vorne fing nun ein anderer Zwerg an zu rufen und machte hastige Bewegungen mit der Hand, in Richtung des Lupinenfeldes. Der grimmige Zwerg murmelte und schnaufte, während seine rechte Hand nervös am Bart entlangfuhr. Darauf rief er etwas zurück und der Zug setzte sich in Bewegung.
Sie schwenkten herum, und betraten das Feld in dem Mellacar saß nur etwa 20 Schritt weiter südlich.
Dort vertauten sie die Tiere mit einer Eisenstange und begannen zu rasten. Mellacar fuhr sich über die Stirn. Das Leben ist zu kurz, um es sich von ein paar Zwergen des Nachts aushauchen zu lassen, dachte er bei sich, die schweißnassen Hände am Stoff der Hose abwischend. Nun legte er die Nervosität ab und konnte endlich die Größe der Zwergengemeinschaft bestimmen. Fünfundzwanzig waren sie an der Zahl, unterwegs mit neun pferdeähnlichen Tieren. Sie waren beladen mit Bergen von silbrig schimmernden Rüstungen und Helmen, Schnallen und Schwertern und hinterdrein zog einer der Vierbeiner einen Karren auf dem Mellacar Äxte und Schilde sichtete.
Die Zwerge teilten sich in zwei Gruppen und jede von ihnen entzündete ein Feuer. Mellacars Neugier hatte ihn die ganze Zeit über an Ort und Stelle gehalten. Er hatte noch nie Zwerge gesehen und so lauschte er ihren Gesprächen und folgte ihrem seltsam hastigen Gebaren. Alsbald waren sie eingeschlafen und nur schwach erhellte die Glut noch ihre auf Lederdecken gebetteten Leiber. Doch bevor er sich aufmachen konnte zurück zum Haus zu gehen, wurde es schlagartig dunkel und tiefer Schlaf umfing ihn.
Als er erwachte, erblickte er schwere eisenbeschlagene Lederstiefel neben sich. Der Morgen graute im Osten und es war sonderbar kalt. Wind strich Mellacar ins Gesicht durch eine breite Schneise des Feldes. Langsam senkte sich der Schleier der ihn umfangen hielt und Stimmen drangen zu ihm stetig klarer werdend. Schließlich bemerkte er, dass sie seine Sprachen nutzten um ihn zu wecken. Nun folgte wieder ein kurzer Ruf in der Zwergensprache und ein zweites paar Stiefel trat hinzu. Mellacar sah auf in zwei unerwartet freundlich aussehende Augenpaare. Der Rest der auf ihn hinunterschauenden Gesichter war verhüllt von ihren Haaren und Bärten. Der eine geflochten der andere frei herabhängend, fast bis zu den Füßen, doch beide sonderbar steif und filzig. Der eine sprach zu Mellacar:„Ihr müsst Yâvín entschuldigen. Er bemerkte Eure Anwesenheit während der Wache und dachte Ihr schleicht Euch in feindlicher Absicht an uns heran. Man kann nie vorsichtig genug sein in dieser Gegend. Doch weder trugt Ihr Waffen bei Euch noch seht Ihr aus wie jemand von den Wilden. Sprecht nun Fremder, wer seid Ihr und was sollte Euer nächtliches Treiben?“. Mellacar erhob sich und klopfte seine Sachen zügig ab. Sogleich kehrte die Aufregung zurück und trieb ein heftiges Pochen in seinen Kopf. „Mein Name ist Mellacar, Tainurs Sohn, und da er erst kürzlich verstorben ist bin ich jetzt Herr dieser Lande, weshalb mir mein nächtliches Treiben durchaus berechtigt scheint, Herr Zwerg. Doch wenn Ihr Euch von jeglicher Absicht lossagt, möchte ich Euch verzeihen, denn ich weiß von der Gefahr hier. Sie war es die meiner Mutter das Leben kostete und vielen unserer Ochsen dazu. Die Erträge wurden schlechter und es machte die Arbeit nicht gerade leichter. Keinen Streit wollte ich anfangen, aber mir sind Euresgleichen nie begegnet und meine Neugier trieb mich zu diesem Wahnsinn.“ Mit der Betonung auf dem letzten Wort drückte Mellacar erneut auf die schmerzende Stelle. Eine Beule hatte sich dort gebildet. „Abermals, möchten wir Euch um Verzeihung bitten, wenn Ihr der Herr dieses Landes seid und ebenso unser Beileid bekunden für die schrecklichen Verluste.“, der andere Zwerg namens Yâvín nickte eifrig und lächelte verlegen, „Mein Name ist Bogúr Dwôrímssohn, vom Volke Bavors. Wir sind auf der Durchreise und bringen dies Schmiedewerk nach Kul Tiras auf Bitten des Königs von Âzeroth.“. „Nun vorerst muss ich sagen, dass Du das stattliche in der Anrede weglassen kannst, wenn Du dies vorziehst, denn ebenso werde ich verfahren. Ich bin weder Fürst noch Ritter noch König und bin Euch Zwergen freundlich gesinnt. Warum, um zu meiner Frage überzugehen, braucht König Llane derart viele Waffen? Herrscht schon wieder Krieg oder wird aus Freude an Rittern zujubelnden Jungfrauen gerüstet? Wenn es ersteres ist, dann warum sind es Zwerge die Blutvergießen unter Menschen auch noch zu fördern suchen?“. Bogúr schien sichtlich überrascht. Er überschaute kurz die Ebene, als ob er plötzlich eine Schar Balchoth mitsamt Streitwagen lautlos aus allen Wolken zu fallen erwartete. Sein Gesicht war sichtlich zerfurcht und manch eine Narbe lag unter der krausgezogenen Stirn. Wie um Absprache zu halten drehte er sich um zu Yâvín und hielt einen kleinen Zwergenplausch. Umso hastiger wieder wendete er sich an Mellacar:„Ja, Krieg bahnt sich wohl an, obwohl König Llane nichts näheres sagen wollte. Gut bezahlt macht sich die Lieferung, um Deine zweite Frage zu beantworten und vertraut wird auf unser Handwerk in allen Landen. Keine Schmiedekunst gleicht der der Zwerge.“ „Und vor allem nicht derer aus Dûn Modr!!“ fügte Yâvín gewandt hinzu, die Redepause Bogúrs nutzend. Bei der Betonung auf die Begabung ihres Volkes reckten beide ihre mit Lederharnischen bedeckte Brust hervor und erhoben voller Stolz den Kopf. Jene Lederrüstungen waren mit rechteckigen Eisenplatten an Bauch, Arm und und Schulter versehen und mündeten in einen Kragen aus bloßem Stahl. Nun gesellte sich auch ein dritter Zwerg hinzu, einen Helm auf dem Kopfe tragend, der in der Mitte bis tief zwischen die Brauen ragte und eben an dieser Stelle vergoldet war. Er trug eine für seine Größe riesige zweiseitige Axt und schien vom Wachdienst zu kommen. „Bogúr, die Sonne steht bereits hoch über den Roten Bergen und unser Weg ist noch weit. Wann brechen wir auf?“ Daraufhin bemerkte Mellacar, dass weit im Osten wo die Umrisse der Oricarni zu sehen waren tatsächlich die Sonne gänzlich aus ihrem nächtlichen Versteck hinter den Bergen emporgeklettert war und das Tal sowie die sich dahinter streckenden Ebenen in frischem Grün erscheinen ließ. Zu Fuße des Berges war Schemenhaft der Wilderwald Quel Thalas' zu sehen doch er lag für die Sonne noch im verborgenen. Bogúr schien so etwas wie der Anführer des Zwergentrupps zu sein. Er streifte sich über seinen Bart und befahl sogleich abzumarschieren. „Nun Mellacar, Tainurs Sohn, lasse mich für die Übereifrigkeit meines Freundes nochmal um Vergebung suchen. Wir müssen weiterziehen und versuchen nicht wieder dies Land hier zu betreten, wenn uns die Geschäfte von zu Hause fortführen.“ „Eine hübsche Summe müsst ihr dafür bekommen, wenn ihr überhaupt so weit von zu Hause auf Reisen seit. Aber sei Dir gewiss Bofúr Dwôrímssohn, mein Land darfst Du nutzen soviel Du willst, jedoch nur unter einer Bedingung, lass mich mit euch ziehen, denn auch mein Weg führt mich nach Kul Tiras. Nichts außer die Erinnerung an einen liebevollen Vater und der Erscheinung eines wunderschönen Mädchens würden mich hier halten. Das Erste ist qualvoller hier als irgendwo und letzteres blieb leider nur ein traumhaftes Gesicht.“. Mellacar hatte endgültig die Entscheidung in seinem Herzen getan und war vollends entschlossen. Schon während er sprach bemerkte er, dass der Zwerg nachdenklich seinen Finger in die Spitzen seines zweizopfigen Bartes wickelte und dabei des öfteren ein tiefes Brummen von sich gab. „Wenn dies eine Möglichkeit ist, dass Du vergisst was wir Dir irrtümlicherweise angetan haben, so sage ich, ich fühle mich geehrt einen der wenigen ehrenvollen Menschen dieser Lande willkommen zu heißen inmitten unserer bescheidenen Reisegruppe.“. Kaum war der Zwerg fertig mit seiner Antwort rannte Mellacar los zu seinem Haus um die wenigen Sachen die ihm noch von Wert erschienen zusammenzupacken und sich der Wanderung nach Kul Tiras anzuschließen. Viele Nahrungsmittel, insbesondere Brot und Waffeln verstaute er in allen verfügbaren Taschen seiner Stoffweste. Er nahm den grauen, wenn auch etwas verschlissenen, Mantel von der Tür, füllte rasch Flaschen im Brunnen an der Nordseite des Hauses auf und hatte sogleich einen Rucksack zur Hand. Einige Zeit vergang bis er alles hineinbekommen hatte ( inklusive des Hutes seines Vaters) und zurück zum Felde rannte. Er erreichte das Lager unter erstaunten Blicken der Zwerge, die mittlerweile allesamt aufgestanden waren und gerade dabei zu sein schienen ihre Harnsiche in geschäftigem Durcheinander anzulegen. Bofúr hob die Hand und aus heiserer Kehle hieß er zum Abmarsch:„Khazâd ai-zerêk!!“
(Benjamin)