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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Seelendiebe - Sechstes Kapitel: Das Bündnis


Aruthin, ein Diener Orophels, führte Legolas und Gwerrion eine lange Treppe hinauf, über eine Brücke und schließlich in zwei nebeneinander liegende Schlafräume.
Das Gebäude, in dem die Räume lagen, war fast gänzlich beleuchtet, auf den Gängen brannten kleine glühende Weißlichter und durch die großen, ohne Glas gearbeiteten Fenster konnte man auf ganz Lothlorien hinunterschauen.
Dieser Anblick raubte Legolas jedesmal schier den Atem.
Gwerrion warf einen abschätzenden Blick nach unten, drehte sich zu Aruthin um und deutete auf die Tür zu einem der Schlafgemächer. "Dort soll ich schlafen?" fragte er mit mürrischem Blick.
"Ja, so war es vorgesehen, Herr Gwerrion. Behagt es Euch dort nicht?"
Gwerrion schüttelte den Kopf. "Nein, nein, schon gut. Finde ich dort alles, was ich benötige?"


"Mit Sicherheit." Aruthin drehte sich zu Legolas um.
"Mein Prinz, Herr Orophel sagte, er wolle Euch so schnell wie möglich sprechen, Ihr mögt zu seinen Räumen kommen."
"Und was ist mit mir?" warf Gwerrion ein.
"Über Euch sagte er nichts, mein Herr. Es ist wohl am besten, Ihr bleibt solange hier oder schaut Euch ein bisschen in Lothlorien um, es gibt hier einen sehr sehenswerten..."
Gwerrion winkte ab. "Ich bleibe schon hier. Wenn etwas ist, wisst Ihr ja wo Ihr mich findet." In seinen Augen lag ein Funkeln, als er sich umdrehte und sich die Tür hinter ihm schloss. Es war nicht zu übersehen, dass es ihm nicht passte hier bleiben zu müssen.
Legolas schenkte Aruthin einen entschuldigenden Blick, drehte sich mit einem Gruß auf den Lippen um und verließ das Haus. Er wollte so schnell wie möglich mit Orophel reden und des Rätsels Lösung endlich erfahren!


Legolas’ Blicke glitten durch Lothloriens Wald, während er auf dem Weg zu Orophels Gemächern war. An diesem Ort hatte sich kaum etwas geändert, sah man einmal von den Pflanzen ab, die selbst hier nicht ewig blühten. Nach ein paar Minuten erreichte er ziemlich atemlos Orophels Gemächer. Er klopfte und Orophels Stimme bat ihn einzutreten. Er drehte den hölzernen, mit Symbolen verzierten Türknopf und betrat das Zimmer. Es herrschte Stille, da Orophels Gemächer weit abseits des Zentrums Lothloriens lagen. Er schaute sich um und entdeckte zwei Zimmer, die angrenzend an den eben betretenen Raum lagen. Sie waren alle drei durch Schiebetüren miteinander verbunden, und der ganze Raum lag mit schöner Sicht zum Sonnenuntergang.
Legolas fühlte sich sofort wohl. Orophel, in seinem Sessel sitzend und eine Pfeife rauchend, drehte sich lächelnd zu ihm um.
"Legolas, endlich. Ich erwartete Euch schon. Meine Neugier ist mal wieder unstillbar. Setzt Euch zu mir."
Dieses Angebot nahm Legolas gern an, war er doch ziemlich lange geritten. Auch seine Beine verlangten nach einer Pause. Seufzend ließ er sich in dem Sessel neben Orophels nieder und bemerkte mit Wohlwollen, dass sich auch die Gemütlichkeit Lothloriens seit seinem letzten Besuch nicht sonderlich verändert hatte.
"Nun denn, Orophel, ich sehe, Euch brennen viele Fragen auf den Lippen. Stellt sie nur!", sagte Legolas und schenkte Orophel ein Lächeln, welches dieser erwiderte.
"Gut. Erst einmal möchte ich wissen, was Euch hierher führt."
"Oh je, diese Frage gleich am Anfang. Aber ich will Eurer Neugierde nichts vorenthalten." Und Legolas erzählte Orophel alles, was dieser wissen wollte, angefangen bei den beiden Toten über die Nachricht bis hin zu seiner Begegnung mit Gwerrion.
"Und diese Orks sind einfach so geflüchtet, nur weil dieser - wie hieß er doch gleich - Gwerrion?"
Legolas nickte.
"Also dieser Gwerrion, nur weil er auftauchte? So Furcht erregend sieht er doch nun wirklich nicht aus...?"
Legolas schaute ihn nachdenklich an. "Jetzt wo Ihr es erwähnt finde ich es auch ungewöhnlich... In dem Augenblick als er auftauchte war ich einfach nur dankbar dass es mit mir noch nicht zu Ende gegangen war... Doch Ihr habt Recht, das ist nicht normal."
Orophel nickte zustimmend. "Und ich hätte da auch noch eine Frage..."
"Nur zu" nickte Legolas.
"Wenn es nicht zu weit geht, mein Prinz... Auf mich macht dieser Gwerrion einen seltsamen Eindruck. Es war offensichtlich, dass es ihm nicht passte hier zu bleiben. Und auch, dass er bei dieser Besprechung dabei sein wollte... Er benimmt sich einfach so seltsam. Traut Ihr ihm?"
Legolas antwortete nicht gleich. Er sah aus dem Fenster und überlegte. Er wusste, dass das, was er gleich sagen würde, Orophel genügen würde, um seine Meinung zu festigen.
Würde er sagen, er traue ihm nicht, würde Orophel Gwerrion ebenfalls misstrauen. Sagte er allerdings er traue ihm, würde auch Orophel sich damit zufrieden geben. Seine Loyalität und sein Vertrauen waren schon immer sehr groß gewesen. Aber was sollte er ihm nun antworten?
Was dachte er eigentlich selber über Gwerrion?
Er hatte ihm das Leben gerettet, das stand außer Frage. Aber so wie er sich danach benommen hatte, ließ daran zweifeln, dass er es aus reiner Nächstenliebe getan hatte. Was also hatte er damit bezweckt?
Fragen über Fragen, doch erst einmal wollte Legolas etwas anderes herausfinden, etwas, worüber er schon länger nachgedacht hatte.
"Ehrlich gesagt, ich weiß es auch nicht. Um das sagen zu können, muss ich erst mehr über ihn wissen. Es ist wirklich seltsam, wie er sich benimmt, da habt Ihr Recht. Doch selbst wenn er uns Schlechtes wollte, könnte er das doch unauffälliger tun, oder? Anscheinend will er ja, dass wir ihm misstrauen, oder zumindest gibt er sich keine große Mühe unser Vertrauen zu erringen. Aber was soll ’s, ich bin aus einem anderen Grunde hier. Den kennt ihr wahrscheinlich?"
Fragend sah er Orophel an. Dieser schaute gutmütig drein und nickte zustimmend. "So ist es. Die beiden Elben, wie ich annehme."
"Genau. Sie wurden von Eurer Herrin geschickt, nicht wahr?"
"Das ist richtig."
"Und was hatte es mit dieser Botschaft auf sich? Ist es wahr, das was darin steht?"
Orophels Blick verfinsterte sich. "Ja, es ist wahr. Wir schickten zwei unserer besten Botschafter aus, um sichergehen zu können, dass sie Euch auch wirklich erreicht. Die Tatsache, dass beide dabei umkamen, mag Euch den Ernst der Situation klarmachen. Was wisst ihr über das letzte Bündnis?"
Orophels Stimme war bei dem letzten Satz immer leiser geworden, bis er letztendlich nur noch flüsterte. Er beugte sich etwas vor, um Legolas das Verstehen zu erleichtern. Dieser dachte angestrengt nach.
"Nun, ich weiß nicht viel. Vater wollte mir nicht allzu viel davon erzählen. Folgendes habe ich erfahren: Damals haben die Sindar und die Noldor einen Pakt geschlossen, oder Bündnis, wie es heute heißt. Dieser Pakt wurde mit Magie besiegelt. Er besagt, dass die Sindar und die Noldor in Frieden leben wollen. Das Volk, welches zuerst gegen den Pakt verstoßen solle, würde es bitter strafen.
Da aber die Sindar den Nolder damals nicht getraut haben und es andersherum ebenso war, versicherte man sich, indem man einen mächtigen Zauber auf die beiden Schriftstücke legte. Diesen Zauber kann der Geschädigte aussprechen, sollte die andere Seite ihren Teil nicht einhalten oder dagegen verstoßen. Das war auch schon alles, was ich darüber weiß. Könnt Ihr mir mehr erzählen?"
Orophel schaute sich um, als befürchtete er, durch die dicken Wände seiner Gemächer belauscht zu werden. "Nun, Ihr habt richtige Informationen erhalten. Alles was Ihr sagtet stimmt. Nur ist die Situation momentan viel heikler. Die Noldor haben den Frieden anscheinend satt. Sie versklaven Menschen in den nördlichen Ebenen zu ihrem Zwecke. Natürlich wehren diese Menschen sich nicht, dazu sind sie viel zu verängstigt. Die Noldor taten ihr Bestes, um ihre Machenschaften zu vertuschen, da sie den Kryptus fürchten."
"Kryptus?" Legolas sah ihn fragend an.
"Ja, so nennt sich der Pakt. Der Kryptus ist so etwas wie ein Schlüssel. Wird er von einem bestimmten Sindar ausgeführt sobald der Pakt gebrochen wurde, hat er verheerende, wenn nicht sogar tödliche Folgen für einen jeden der Noldorrasse. Und genauso haben die Noldor den Antikryptus, welchen sie benutzen könnten sollten wir gegen den Pakt verstoßen."
Legolas fing an zu verstehen. " Das heisst, die Noldor könnten jederzeit diesen Antikryptus betätigen und uns alle in den Tod schicken?" Das Entsetzen auf seinem Gesicht war überdeutlich.
"Nein nein, mein Prinz. Sie können ihn nur auslösen, wenn wir gegen den Pakt verstoßen sollten, also einen Krieg anfangen sollten oder irgendetwas, das den Frieden stört."
"Bei Eru! Das darf doch nicht wahr sein! Wer weiß von diesem Pakt? Wann wurde er abgeschlossen? Ihr müsst mir alles sagen, Orophel!"
Dieser jedoch starrte nur in seinen Kamin, in dem langsam die letzten Funken erloschen.
"Es ist nicht schwer zu verstehen, mein Prinz. Wir befürchten, dass die Noldor einen Weg finden werden, den Pakt zu umgehen. Heutzutage regieren andere Leute diese Sippe. Der Pakt wurde vor ungefähr fünfzehntausend Jahren abgeschlossen. Damals waren alle um wirklichen Frieden bemüht. Heute ist das anders. Wir müssen unsere Hälfte des Paktes wieder finden. Sie ist in den langen Jahren verloren gegangen. Und dafür brauchen wir Euch..."

(Maurynna Kyrissaean)