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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Seelendiebe - Viertes Kapitel: Die Falle


Alani, die Sonne steht schon hoch am Himmel! Was ist denn nur bloß mit dir? Du stehst doch immer so früh auf...“, tadelte Shiva als Alani gähnend vor dem Fenster stand, anstatt draußen das Pferd das Feld hinauf und wieder hinunter zu führen. „Ich gehe schon. Wo heut´ so ein schöner Tag ist, darf ich mit Lorian üben, sobald das Feld fertig ist?“
Alani schaute ihre Mutter flehend an. Diese allerdings drehte die Augen gen Himmel. Lorian war Alanis bester Freund, und zu Shivas Bedauern war er damals mit in den Aufstand gegen die Hohen Herren gezogen, wodurch er einiges an Kriegskunst von anderen Männern gelernt hatte. Und Alani war anscheinend ganz versessen darauf, das gleiche Handwerk zu erlernen, denn in jeder freien Minute, die sie nicht mit ihrem Pferd verbrachte, übte sie Schwertstreiche und Paraden. Aber so war sie nun einmal. „Nun schön, aber sag mir Bescheid, ich werde zuerst das Feld begutachten, bevor du gehen darfst.“
Mit einem Nicken und einem Lächeln auf den Lippen lief Alani aus dem Zimmer durch die Küche zum Stall, wo Valeran stand, der sie mit einem Wiehern begrüßte. Er bekam einen Apfel, wurde herausgeführt, geputzt und bekam sein Zaumzeug angelegt. Und dann begann die Arbeit.


Legolas ritt nun schon seit drei Tagen, und immer noch hatte er sich nicht sattgesehen an dem Grün um ihn herum. Er genoss den Duft der blühenden Blumen, des Waldes und lauschte den Liedern welche die Vögel ihm zuträllerten. Nachts blieb er stets in einem Mauseloch.
Ein Mauseloch war für die Gegend zwischen Düsterwald und Lórien so etwas wie eine Gaststätte bei den Menschen. Dort konnte man sich ein Zimmer mieten und nächtigen, natürlich beinhaltete der oft hohe Preis auch Abendessen, Frühstück und Proviant. Doch allzu schnell erkannte man Legolas, und er musste nichts bezahlen. Das war zu seinem Leidwesen, denn lieber hätte er gezahlt und wäre in Ruhe gelassen worden als sich jeden Abend höflich nickend die neuesten Gerüchte über sich selbst und seine Familie anzuhören. Besonders an einem Mauseloch war aber auch, dass dort jeder, der ein Zimmer gemietet hatte unter dem Schutz des Hauses stand, das hieß, niemand, nicht einmal der König persönlich durfte jemanden darin verhaften lassen.
Dies war auch der Grund, warum der Prinz stets wachsam war, konnten um ihn herum doch auch Leute anderer Gesinnung sein. An diesem Tag war Legolas Laune allerdings etwas überschattet. Er hatte schon den ganzen Tag das Gefühl, beobachtet zu werden. Immer wieder sah er sich um, doch so weit er sich auch umblickte, weder seine scharfen Augen noch seine ungewöhnlich guten Ohren vernahmen etwas anderes als das stete Hufgeräusch Sahins.
Stirnrunzelnd drehte er sich wieder nach vorne um und beobachtete das Spiel der Sonne am wolkenfreien Himmel. Irgendetwas ging hier nicht mit rechten Dingen zu. Er trieb Sahin in den Trab und hoffte, bald dahinter zu kommen warum er sich so komisch fühlte. Sollte es ein Feind sein, auch dann wollte er es wissen, denn die Ungewissheit nervte ihn ungemein. Und er wusste, dass sein Gefühl ihn nicht täuschte, denn für solche Situationen hatte er wahrlich einen sechsten Sinn.


Tot! Schon wieder, Alani, was ist denn heute los mit dir?“ Alani schaute in Lorians grüne Augen, die sie in diesem Moment etwas verwirrt anschauten. Alani wusste es ja selber nicht. Lorian hasste es, wenn sie sich keine Mühe gab und mit den Gedanken weit weg war. „Ich kann meine Zeit auch anders verbringen, weißt du? Wenn es dir nicht gut geht, dann sag Bescheid, dann verschieben wir das Training...“
Nein, schon gut. Mir könnte es nicht besser gehen. Ich habe mich nur gefragt... Ach, du verstehst das nicht. Lorian, hast du dich schon mal gefragt was wäre, wenn wir frei sein würden und genug Geld hätten um zu gehen wohin wir wollten? Wäre das nicht toll?“
Lorian ließ einen Seufzer hören. Das war typisch für Alani. Das war schon immer ihr größter Wunsch gewesen, von dort weg zu kommen wo sie leben musste. Für sie war es eine Strafe, sie war ja auch noch sehr jung, erst siebzehn. Doch das Alter nahm ihr nichts an Frechheit. Doch er schätzte sie, denn sie hatte ein Herz aus Gold und würde ihr letztes Hemd für ihre Freunde geben. Außerdem verbrachte er gerne Zeit mit ihr. Man konnte schon von Liebe zwischen den beiden reden, doch die Art Liebe zwischen einem Bruder und seiner Schwester. Die beiden kannten sich seit sie vier waren und in diese Kolonie gekommen waren. Doch im Gegensatz zu Alani fand Lorian sein Leben nicht schlecht. Es gefiel ihm, seine Felder zu bestellen, außerdem hatte er etwas mehr Geld als Alani und Shiva um über die Runden zu kommen, da seine Familie noch vollständig war und jeder mithalf.
Sein Vater war nicht mit in den Aufstand gezogen, wofür er sich heimlich schämte, da es nach seiner Meinung doch etwas feige gewesen war, seine Freunde im Stich zu lassen. Er konnte es sich nicht erklären, doch irgendwie fühlte er sich schuldig, da Alanis Vater bei dem Aufstand sein Leben hatte lassen müssen und sich deshalb bereit erklärt, Alani die Kunst des Kämpfens beizubringen, jedenfalls soviel er davon verstand. Und das war gar nicht so wenig. Und Alani lernte erstaunlich schnell. Das wurde ihm bewusst, als er einen Ausfallschritt Alanis parieren und zurückschlagen musste. Natürlich beließ sie es nicht auf sich sitzen, dass er sie gedankenlos nannte. Sie war wirklich sehr gut geworden.
Okay, okay, Schluss für heute, du hast dich wirklich gut geschlagen. Für ein Mädchen“, fügte er grinsend hinzu und drehte sich um, um sein Schwert aufzuheben.
Das hätte er nicht tun dürfen, denn Alani gab ihm mit ihrem Lederstiefel einen Tritt in sein Hinterteil und mit einem köstlichen Gesichtsausdruck kippte er nach vorne. Er rollte sich ab, und Alani fing lauthals an zu lachen, denn die Stelle, durch die Lorian sich gerade rollte, hatte Valeran vor wenigen Stunden als gut befunden, sein Geschäft zu verrichten. Auch Lorian hatte es bemerkt, denn er rümpfte seine Nase als er mit einer Hand an seinem schmerzenden Hinterteil aufstand und sah an sich herunter.
Seine Lederhose war total dreckig, sein linkes Bein total verschmiert mit Pferdeäpfeln. Und zu seinem Verdruss hörte Alani gar nicht mehr auf zu lachen. „Na warte..“ knurrte Lorian, packte sie und ließ sie in die Pferdetränke fallen. Die Kälte war Schock genug, und Alani kreischte auf, bevor sie untertauchte. Jetzt war es an Lorian zu lachen, und genau das tat er. Er bot ihr die Hand an, als sie prustend wieder auftauchte, sie ergriff sie und er half ihr heraus. Lachend gingen sie zurück, um die Holzschwerter zu holen und dann trennten sie sich, weil Alani ins Haus musste um das Abendessen vorzubereiten. Kartoffelsuppe. Wie immer.


Hinter ihm knackte etwas. Pfeilschnell drehte Legolas den Kopf in die Richtung und duckte sich gleichzeitig, da er aus den Augenwinkeln einen Pfeil gesehen hatte, der zweifellos ihm galt. Behende sprang er von Sahins Rücken und griff gleichzeitig nach seinem Pfeilköcher, weil er eine Bewegung hinter einem nahen Baum wahrnahm. Ein Ork. Er hatte doch gewusst, dass er beobachtet worden war.
Dass dieses Gesindel immer noch in diesen Wäldern lauerte, ließ ein Gefühl der Wut in ihm hoch steigen. Sein Pfeil zischte los und in weniger als einem Augenblick fiel der Ork quietschend und tödlich getroffen hinter dem Baum hervor. Doch das war es nicht, was Legolas´ Blicke auf sich zog. In einem Umkreis von einigen Metern krochen sie Zähne fletschend nun aus den Büschen heraus. Orks. Und es waren verdammt viele.
Legolas blickte sich panisch um. Sie hatten einen Ring um ihn gebildet. Sahin wieherte ängstlich und drängelte sich bei dem Anblick der Zähne fletschenden Orks und dem bestialischen Gestank dicht an ihn, was für Legolas nicht gerade hilfreich war... Die Orks hatten allesamt ein rotes Dreieck in dem eine blutrote Axt prangte auf dem Helm, dem Schild und dem Schwertgriff. Legolas atmete mühsam aus. Er wusste nicht, woher diese Orks waren oder auf wessen Befehl sie hörten, doch eins wusste er: Allein würde er gegen diese Übermacht nicht einmal den Hauch einer Chance haben. Unbarmherzig rückten die Orks näher und der Kreis zog sich immer enger um Legolas zusammen...

(Maurynna Kyrissaean)