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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Seelendiebe - Zweites Kapitel: Die Botschaft


Die Fackeln auf dem Innenhof unterstützten das schwache Sternenlicht, welches nicht ausreichte um die Räume des Heilerhauses zu erleuchten. In dem Haus selbst brannte keinerlei Licht, da die Gefahr eines Feuers zu groß war. Den Mond sah man an dieser Stelle nicht, er wurde von dem großen Mallorn verdeckt, der seine Zweige wie ein Trauernder bis zum Boden hängen ließ. Legolas und Fornion eilten mit großen Schritten durch den Innenhof an den verwundert schauenden Wachen vorbei zum Heilerhaus.
Fornion öffnete die Holztür mit den aufwändigen braunen und grünen Schnitzereien darin und sie gingen gleich weiter zum Raum der Stille. Dies war der Raum, in dem kürzlich Verstorbene aufbewahrt wurden. Es war der einzige Raum, in dem immer mindestens ein Elb Totenwache hielt und darauf aufpasste, dass niemand die Seelen der Verstorbenen daran hinderte in den Himmel aufzusteigen. Auch um diese Zeit wachte hier ein Legolas unbekannter Elb, doch Fornion schien ihn zu kennen, denn der Totenwächter nickte ihm zu, ohne ein Wort zu sagen. Sie durften eintreten.
Legolas fröstelte als er den Raum betrat, eine unheimliche Kälte legte sich um sein Herz. Mühsam atmete er tief durch. Er schaute zu den Fenstern, doch alle waren geschlossen. Abgesehen davon war die Nacht windstill. Der Wächter hatte Legolas´ Gesichtsausdruck bemerkt und nickte ihm zu. „So geht es jedem der hier hineinkommt. Seid Ihr gekommen, um die Toten zu untersuchen?“
So ist es. Hat schon jemand etwas an ihnen verändert?“ fragte Fornion.
Nein, es wurde angeordert, ihnen saubere, ehrenvollere Kleidung anzuziehen, doch niemand traut sich an sie heran. Es ist als laste ein Fluch auf den beiden.“
Legolas nickte. Genauso fühlte es sich an. Er schauderte bei dem Gedanken einen der beiden anfassen zu müssen. Dann gab er sich einen Ruck. Das war lächerlich. Sie waren tot. Was konnten sie noch tun? Er sah über die Schulter zu Fornion. „Dann wollen wir mal“, sagte dieser und ging an die erste Liege.
Legolas ging an Fornion vorbei zu der hinteren Liege. Fornion hatte das weiße Tuch welches das Gesicht des toten Elben bedeckt hatte schon heruntergenommen. Er versuchte, die Augen des Elben zu schließen, doch es wollte ihm nicht gelingen. Diese grauenhaften schwarzen Augen. Legolas tat sein Bestes um sie zu ignorieren als auch er das Tuch abgenommen hatte. Er schluckte. „Also gut. Fangen wir an. Zuerst die Arme.“
Legolas zwang sich die Decke noch weiter herunter zu ziehen bis die beiden bleichen eiskalten Arme frei von jeder Bedeckung waren. Auf den äußeren Armflächen war nichts zu sehen, doch ein paar Zentimeter unter der Handfläche waren drei rote Punkte zu einem Dreieck angeordnet zu sehen. Eine Tätowierung.
Fornion, schau bei deinem auf die Innenseite des rechten Unterarms“, wies Legolas ihn an.
Fornion gehorchte und zuckte zusammen.
Kennst du diese Zeichen?“ fragte Legolas tonlos.
Jeder Elb in Mittelerde kennt diese Zeichen“, flüsterte Fornion mit aufgerissenen Augen.
Legolas drehte sich zu der Wache um, die immer noch wie angewurzelt auf der gleichen Stelle stand aber neugierig den Hals streckte. Legolas schaute ihn an. „Geht und sagt meinem Vater, wir bitten um eine weitere Audienz. Sagt ihm, Galadriels persönliche Botschafter wurden umgebracht. Sagt ihm, es geht um das letzte Bündnis.“
Die Wache schaute fragend, war aber klug genug die Gedanken nicht laut auszusprechen. Ohne ein Wort drehte er sich um und ging schnellen Schrittes zum Schloss hinauf. „Hat es das zu bedeuten, was ich denke, mein Prinz?“ wisperte Fornion Legolas zu.
Hoffen wir, dass es das nicht tut“, gab Legolas heiser zurück, während er immer noch in die toten, endlos schwarzen Augen des ermordeten Sindar schaute.


Der Weg zurück in die Hallen Thranduils war ein weiter, doch Legolas und Fornion eilten die Treppen hoch, als wäre Sauron persönlich hinter ihnen her. Sie stürzten in die Halle, in der König Thranduil sie schon erwartete. Doch er war nicht allein. Sein persönlicher Berater, Indunen, ein hochgewachsener und schon fast schüchtern wirkender Elb, der sich jedoch in seinem Leben als klug und weise erwiesen hatte, stand neben ihm. Beide blickten ernst auf die beiden Ankömmlinge.
Nun, mein Sohn, sag schnell, was hast du herausgefunden? Die Wache muss sich irren, denn sie sprach von dem letzten Bündnis. Niemand würde jemand so Wichtigen umbringen, der Preis wäre zu hoch. Erzählt!“
Legolas holte tief Luft und erzählte dann in aller Eile von den Zeichen, die er am Unterarm des Toten entdeckt hatte. Während der Elbenprinz seine Entdeckung in allen Einzelheiten schilderte wurden Thranduils Augen immer größer. Auch Indunen, der für gewöhnlich keinerlei Gefühlsregungen zeigte, wurde immer kleiner und sein Mund öffnete sich ohne sich wieder zu schließen. Legolas erkannte, dass Indunen verstanden hatte, was er vermutete. Doch sein Vater schien nicht ganz mitgekommen zu sein, denn außer der Bestürzung über den Tod Galadriels persönlicher Botschafter war ihm nichts anzusehen.
Wie sagen wir ihr denn nun was geschehen ist? Sie wird nicht zufrieden sein mit der Erklärung, ein Unbekannter hätte sie ermordet...“, murmelte Thranduil mit gerunzelter Stirn.
Legolas schüttelte den Kopf. „Vater, du verstehst nicht ganz. Diese Botschafter wollten uns anscheinend eine Botschaft überbringen.“
Thranduil schaute ihn an. „Ja, mein Sohn, das ist es, was Botschafter meistens tun“, erklärte er freundlich.
Legolas wollte schreien. Stattdessen ballte er die Hände zu Fäusten zusammen und redete weiter. „Was glaubst du, warum sie umgebracht worden sind, Vater? Jemand wollte, dass diese Botschaft uns nicht erreicht. Also muss sie sehr wichtig gewesen sein. Und die beiden Botschafter wussten, dass sie verfolgt wurden, sonst wären sie nicht durchs Unterholz gekrochen... Verstehst du? Wir müssen unbedingt wissen, was diese Botschaft war. Einen Mord zu begehen um jemanden davon abzuhalten etwas zu erfahren, das muss schon etwas Wichtiges sein.“
König Thranduil schien zu verstehen, denn er warf seinem Berater einen Blick zu. Der Blick dessen aber galt Legolas. „Und ihr habt nichts in der Kleidung gefunden? Kein Pergament, keine Notizen..?“
Fornion schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Verdammt, daran habe ich gar nicht gedacht. Ihr, Legolas?“
Legolas schüttelte den Kopf. Nein, auch er hatte die Klamotten nicht durchsucht. Es war schrecklich genug gewesen, die Körperteile der Leiche zu untersuchen, außerdem hatte ihn das Zeichen auf dem Unterarm völlig durcheinandergebracht. „Nun, dann schlage ich vor, ihr geht noch einmal nachgucken...“, hörte er die tiefe Stimme Indunens.
Ohne ein weiteres Wort verließ Legolas den Thronsaal, nun schon zum zweiten Mal an diesem Tag. Und wieder ging er schnurstracks auf das Heilerhaus zu. Diesmal allerdings ohne Fornion, denn dieser hatte noch etwas zu erledigen gehabt, worauf ihn König Thranduil hingewiesen hatte, was dieser mit einem enttäuschten Gesichtsausdruck quittierte. Legolas zog die Tür auf, lief direkt in den Raum der Stille und ging gleich zu „seinem“ Elb. Er untersuchte die Taschen der Gewänder, fand aber nichts. Auch in dem Kapuzenumhang war kein Pergament. Also durchsuchte er auch den anderen Elben. In dem Umhang waren zwei Pakete Lembas, doch nichts, was einer Nachricht auch nur im Entferntesten glich. Enttäuscht wollte er sich gerade wieder umdrehen und gehen, da sah er auf der Rückseite des Mallornblattes welches das Lembas umwickelte ein Stück Pergament ragen. Sofort hob er das Elbenbrot auf und zog das Pergament heraus. Mit zittrigen Fingern entfaltete er das vergilbte Blatt und begann zu lesen...

(Maurynna Kyrissaean)