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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Seelendiebe - Erstes Kapitel


Prinz Legolas stand am Balkon seines Gemaches und genoss den Sonnenuntergang, den man hier im Westflügel des Schlosses Thranduils nur zu gut beobachten konnte. Als die Sonne sich endgültig vom Tag verabschiedet hatte und der ganze Himmel in Lila- und Blau-Tönen erstrahlte, klopfte es an seiner Tür.
„Herein“, rief er, drehte sich um trat neugierig in sein Zimmer zurück. Um diese Zeit störte ihn normalerweise niemand, da jeder wusste, dass Legolas die Zeit nach dem Sonnenuntergang für gewöhnlich damit verbrachte, sich in Büchern zu vergraben. Die Tür ging mit einem leisen Knarren auf und sein persönlicher Diener, Harnon, trat ein. Harnon war schon sehr alt für einen Menschen. Die Frage, warum Prinz Legolas einen Menschen als persönlichen Diener gewählt hatte, war einfach zu beantworten. Legolas hatte sich auf seiner Reise mit den Gefährten einfach an eine gewisse Fröhlichkeit in seinem Alltag und seiner Umgebung gewöhnt, welche er, wieder zu Hause angekommen, nicht vermissen wollte. Elbische Diener waren ihm einfach zu kühl und distanziert, doch mit Harnon scherzte er gerne, und er genoss dessen Gesellschaft, auch wenn er dadurch so manchen schiefen Blick von anderen Elben, die das Schloss bewohnten, in Kauf nehmen musste. Harnon blinzelte für einen kurzen Augenblick gegen das Licht der Kerze, dann sah er Legolas, verbeugte sich leicht und schloss die Tür hinter sich.
„Mein Prinz, es tut mir leid um die Störung“, sagte er, und seine Augen suchten nach einem Zeichen der Verärgerung in dem Gesicht des Elbenprinzen.
Dieser jedoch antwortete lächelnd: „Das macht doch nichts Harnon, aber in Anbetracht der Uhrzeit muss es wichtig sein. Was gibt es denn?“
Harnon atmete auf und erwiderte: „Euer Vater schickt nach Euch, er war sehr zornig. Habt ihr etwas angestellt?“ fragte er und der Schalk guckte aus seinen Augen.
Natürlich hatte Legolas nichts angestellt, das hatte er seit Jahren nicht mehr, aber Harnon zog ihn gerne liebevoll damit auf, dass Legolas der Jüngste Elb der Familie war. Die Tatsache, dass Legolas immer noch zwei Jahrtausende älter war als er selbst, wischte er mit einer Handbewegung beiseite, als Legolas es lächelnd erwiderte.
„König Thranduil wirkte wirklich besorgt, Ihr solltet Euch eilen“, sagte Harnon zu ihm, machte noch eine kleine Verbeugung, ging respektvoll drei Schritte rückwärts und verließ den Raum wieder.
Ein Seufzer verließ Legolas´ Kehle. Er hatte sich so auf die „Chronik der tapfersten Elben des Nordens“ gefreut, doch er konnte sich der Audienz nicht entziehen. Schnell zog er sich ein anderes Hemd an, da dieses schon einen Fleck bekommen hatte, wahrscheinlich vom Kerzenwachs. Dann sah er noch einmal in den Spiegel, befand sein Antlitz für ausreichend und betrat wenige Minuten später den Thronsaal.


„Wann und wo fand man sie?“ dröhnte die mächtige Bassstimme Thranduils durch den Thonsaal.
Die Diener, die vor der Tür standen und lauschten, erzitterten und liefen schnell wieder an die Arbeit.
„Am Eingang des Hauptfades nach Düsterwald. Die Umgebung wurde abgesucht, doch niemand gefangen genommen. Wer auch immer diese beiden Elben erschossen hat, er hat wahrlich ein schnelles Pferd,“ antworte Fornion, Befehlshaber der Wachtposten des Düsterwalds, dem König.
„Niemand gefunden? Wie ist das möglich? Wer hatte Wache? Warum wurde der Mörder nicht gesichtet? Und warum zum Teufel erfahre ich das alles jetzt erst?“
Fornion fühlte sich sehends unwohler in seiner Haut. „Nun ja Majestät, auch ein Elb kann einen Geist nicht sehen, denn ein Geist muss es gewesen sein, da keiner unserer Elben etwas fand. Galadhion Monodron hatte Wachdienst, doch auch er sah nichts. Er erzählte mir, die beiden Elben, die er aus der Entfernung nicht als solche ausmachen konnte da sie diese Umhänge trugen“, - er deutete auf die beiden schwarzen Kapuzenmäntel die auf dem Boden lagen - „hätten nicht den Pfad benutzt, sondern sich durchs Gestrüpp gekämpft. Sie mussten Angst vor jemandem gehabt haben, scheinbar wollten sie versteckt zum Tor gelangen, außerdem hatten sie dort bessere Deckung. Galadhion erzählte auch, dass die beiden den Düsterwald gekannt haben mussten, da sie nicht erst, vergeblich wie wir wissen, einen Weg durch die Hecke suchten, sondern zum Tor liefen um hineinzukommen. In dem Augenblick hörte Galadhion wohl Pfeile zischen und die beiden waren tot.“
Fornion verstummte. Er war es leid diese Geschichte zu erzählen. Er wollte endlich die beiden toten Elben untersuchen, was ihm nicht gestattet war, bevor der König nicht die Erlaubnis gegeben hatte. Thranduil öffnete den Mund um etwas zu erwidern, doch in dem Moment öffneten sich die beiden große Flügeltüren am Westende der Halle und Legolas trat ein. Verwirrt schaute er sich um als er die beiden Männer sah, sein Vater ganz rot vor Wut, und Fornion, welchen er auch kannte. Dann sah er die beiden Mäntel auf dem Boden liegen und schaute erst Fornion und dann seinen Vater fragend an.
„Legolas, endlich, was treibst du nur immer so lange?“ blaffte Thranduil seinen Sohn an.
Legolas´ Augen verengten sich. Wenn sein Vater so außer sich war, dann musste wirklich etwas Außergewöhnliches geschehen sein.
„Ich bin beschäftigt um diese Zeit, Vater, erwarte nicht von mir, dass ich sofort springe wenn du rufst. Ich habe mich beeilt. Und nun sag, worum geht es?“
„Fornion, erzähle du“, sagte Thranduil mit einer ungeduldigen Handbewegung.
Fornion unterdrückte ein Stöhnen und erzählte Legolas noch einmal die Geschehnisse vom Eingang Düsterwalds. Als Fornion geendet hatte, verstand Legolas, warum sein Vater so wütend war. Seit den Ringkriegen waren Tod und Leiden so weit wie möglich verringert worden, und die Waldelben waren dem Ganzen vorausgegangen. Dass nun gerade dort so etwas passierte, warf Rätsel auf. Legolas hatte eine ganze Menge Fragen, mit denen er auch gleich herausplatzte. Auch ihm missfiel es, dass der wohlverdiente Frieden Düsterwalds eventuell auf dem Spiel stand, denn durch Mord war dort schon lange niemand mehr gestorben. „Weiß man, wer die beiden waren? Und was sie hier wollten? Hat man die Pfeile schon untersucht? War vielleicht Gift an ihnen? Und haben die beiden Toten besondere Merkmale?“
„Das wollte ich schon lange untersuchen und die Antworten könnte ich Euch auch geben, wenn ich die Zeit und die Erlaubnis hätte sie zu untersuchen...“, antwortete ihm Fornion.
Jetzt blickten beide den König an. Er schien ihre Unterhaltung gar nicht mit angehört zu haben, denn in seinen Augen lag ein abwesender Gesichtsausdruck während er mit seinen Fingern an seinem Bart herumzupfte.
„Vater?“ fragte Legolas.
„Was ist denn? Seid ihr immer noch da? Ich sagte doch bereits, ihr sollt die Leichen untersuchen und mir so schnell wie möglich Bericht erstatten!“ bellte Thranduil.
Sein Vater musste wirklich aus dem Häuschen sein, dachte Legolas, denn das hatte er bestimmt noch nicht gesagt. Legolas´ Neugier wuchs. Er war sich ganz sicher, dass er bei der Untersuchung der Leichen etwas herausfinden würde. Nur was? Mit einem Blick auf Fornion war er sicher, dass auch dieser vor Neugier brannte und wie auf ein stilles Kommando drehten sich beide um und verließen den Thronsaal. Doch König Thranduil bemerkte dies gar nicht, er war mit den Gedanken schon wieder weit abseits.

(Maurynna Kyrissaean)