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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Durch die Weiten Mittelerdes

Bree, eine kleine Stadt mitten im Nirgendwo. Ich hatte diese lose Gemeinschaft von Halblingen und Menschen schon öfter besucht, aber bisher war mir nie bewusst geworden, wie trostlos diese Gegend im Vergleich zur Pracht der Wälder von Lorien war!
Vor allem jetzt im Winter, wo die Temperaturen weit unter minus 10° C lagen. Zu Hause war es nie kälter als 15 Grad.
Aber was tat man nicht alles, um ein wenig Abwechslung in sein Leben zu bringen.
Ich war mal wieder mit meinen Freunden unterwegs, einem bunten Haufen von Abenteurern.
Alles gescheiterte Existenzen, und dennoch Leute, die ich zu meinen engsten Freunden zählte.
Ich hatte vor zwei Jahren die Führung dieser Gruppe übernommen, in der Hoffnung, dass sie mich ein wenig unterhalten werde auf meinen langen Reisen. Ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht!
In vielen Situationen haben sich diese Kameraden als sehr hilfreich erwiesen, für sterbliches Volk beachtliche Leistungen!
Obwohl die meisten dieser Kameraden gerade erst das Licht der Sterne erblickt hatten und sie im Vergleich zu meinen 380 Jahren wie Kinder wirkten, waren sie mir im Laufe der Zeit doch sehr ans Herz gewachsen.


Da war zum Ersten Galamir, ein raubeiniger Zwerg, der trotz seines jugendlichen Alters von 40 Jahren schon eine Menge erlebt hatte und mit seiner gut gearbeiteten Axt schon vielen Schwarzpelzen den Schädel gespalten hatte. Wenn man ihn sah, unterschätze man ihn leicht, denn er war nur 142 cm groß. Doch wehe dem, der sich den Zorn dieses Zwerges zuzog!


Des weiteren war da Drogo, ein Halbling aus dem Nordviertel des Auenlandes. Mit seinen 29 Jahren war er immer gut aufgelegt, und immer bereit eine verfahrene Situation mit einem Scherz und einer Pfeife Langgrundblatt zu retten. Seine einzige Schwäche waren die 5 Mahlzeiten pro Tag, was uns gar manches Mal aufgehalten hatte. Wer ihn nicht kannte, sah in ihm ein Kind mittleren Alters, denn wie Galamir war Drogo sehr klein. Gerade einmal 128 cm maß er! Doch wie oft musste ich feststellen, dass Ruhm und großen Taten nichts mit Körpergröße zu tun haben. Wäre es so, müsste dieser Halbling groß wie ein Berg sein!


Sehr ans Herz gewachsen war mir Hiriel, eine Waldelbin aus dem nördlichen Düsterwald. Trotz ihrer gerade mal 65 Jahre, war sie sehr erfahren und weise. Bei Elbereth! Nie habe ich jemanden mit dem Bogen so umgehen sehen! Sie konnte mit geschlossenen Augen einen Apfel auf 50 Meter Entfernung treffen. Oder einen Orkschädel auf 100 Meter, was sie schon oft bewiesen hatte. Das Erstaunlichste an ihr waren jedoch ihre eisgrauen Augen.
Sie konnte selbst das eiskalte Herz eines alten, verstockten Noldorfürsten in Windeseile zum Schmelzen bringen, und das war keine Übertreibung! Gar oftmals musste ich mich dabei ertappen, wie sich mein Blick an ihren Augen festsaugte und nicht mehr loslassen wollte.


Vor einigen Wochen stieß ein weiterer Gefährte zu unserer Gruppe, Deor, ein stattlicher Krieger vom Volke der Rohirrim. Mit seinen 36 Jahren war er bereits im Besten Alter und seine Fähigkeiten waren für einen Menschen erstaunlich. Sein schneeweißes Pferd war anders als die, die ich bisher gesehen hatte. Es war wesentlich größer und edler. Pferd und Reiter bildeten eine Einheit, beide hatten den gleichen stolzen Glanz in ihren Augen.
Ich hatte nie viel für Menschen übrig, doch dieser stolze Reiter verdiente meinen Respekt. Er wusste wie man einen Kampf führte, und sein Ross war bereit mit ihm in jede Schlacht zu reiten.
Bislang war er sehr zurückhaltend und nur selten kam es zu längeren Gesprächen zwischen uns. Und doch bemerkte ich relativ schnell, dass hinter diesem kühlen, blond gelockten Burschen mehr steckte als es den Anschein hatte.


Letztendlich hatten wir da noch meine Person. Ecthelion, einen 380 Jahre jungen Elb aus dem Volk der Noldor. Meine Heimat war das schöne Lothlorien, doch schon viele Jahre war ich schon nicht mehr dort gewesen.
Mein Wille war es durch die Wildnis zu streifen und soviel wie möglich von der Welt kennen zu lernen, um irgendwann wieder zurück zu kehren, alt und weise.

8 Tag des Jahres 3002 des Dritten Zeitalters
Sonnenaufgang.
Wir kamen von Osten her langsam auf die kleine Stadt zu. Die Luft war klar und eiskalt. Vereinzelt tanzten kleine Schneeflocken vor uns her, winzige Kristalle, sanft gewiegt durch den fast nicht vorhandenen Wind.
In der Nähe dampfte ein kleiner Bach in die frische Kälte des neuen Tages. Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die vor Kälte erstarrten Bäume und der Schnee auf ihren Ästen glitzerte wie tausend Diamanten. Nur wenige Schneewolken waren zu sehen und es versprach ein schöner Tag zu werden.
Langsam kehrte das Leben zurück in unsere steif gewordenen Glieder. Wir waren in dieser Nacht durchmarschiert, denn zum Lagern war es zu kalt und so kurz vor Bree wollten wir unseren Proviant nicht unnötig belasten. Der Schnee lag ca. 10 cm hoch, und es war nicht immer einfach für die „kleinen Leute“ durch die vielen Schneeverwehungen zu laufen. Und doch hatten wir unser momentanes Ziel erreicht:
Bree, eine kleine Gemeinde, in der Menschen und Halblinge friedlich nebeneinander lebten. Die gesamte Stadt war mit einer dichten Hecke umgeben und nur von Westen und Süden konnte man sie durch ein Tor betreten. Sie schmiegte sich an einen kleinen Berg, den man hier sinnigerweise Breeberg nannte. Sie umfasste einige hundert Steinhäuser der Menschen und einige wenige Höhlen der Halblinge, welche oberhalb der Menschenhäuser in den Berg gegraben wurden.
Die Torwache hatte unsere Ankunft längst bemerkt und beobachtete uns argwöhnisch. Nur selten hatten man hier Elben gesehen und man traute ihnen nicht. Und doch versuchten die meisten Leute es sich nicht anmerken zu lassen und waren gemeinhin freundlich zu jedem Wanderer, der des Weges kam. Wir gingen den kleinen Weg zum Tor hinauf, grüßten die Torwache, schilderten unsere Beweggründe und würden eingelassen. Es hatte sich nicht viel verändert, seit ich das letzte Mal vor 5 Jahren hierher kam. Die Zeit schien hier stillzustehen.
„Endlich wieder zu Hause“, rief Drogo und sprang ausgelassen in eine große Schneeverwehung. Nur seine Füße sah man noch und Deor zog ihn lachend wieder heraus.
„Jetzt ein heißes Bad“, lachte er und schüttelte den Schnee ab, „und eine große Pfeife Tabak ! Und danach werde ich die gesamte Speisekammer des Wirtshauses plündern“. Uns überkamen ähnliche Gefühle, auch wenn wir uns nicht im Schnee rollten.
Wir beschlossen also zuerst das Wirtshaus „zum tänzelnden Pony“ aufzusuchen und uns eine Weile auszuruhen.
Das Wirtshaus war ein mittelgroßes Holzhaus mit einem schweren Giebeldach und wie immer randvoll. Von Weitem schon hörten wir die ausgelassene Stimmung, die hier schon am frühen Morgen herrschte. Die Hobbits frühstückten auf ihre eigene, lautstarke Art und Weise. Auf dem Weg zum Gasthaus begegneten wir einigen Menschen, welche die Wege von Schnee befreiten. Neugierig beobachteten sie unseren Marsch.
Das „tänzelnde Pony“ war ein sehr gemütlicher Ort, an dem man sich gut ausruhen konnte. Ein riesiger Bollerofen, der mitten im Schankraum stand, sorgte Tag und Nacht für eine angenehme Wärme. Die meisten Tische und Stühle waren kreisförmig um diesen Ofen herum angeordnet, damit die Wäre optimal genutzt werden konnte.
„Hey Drogo, mein Junge“, rief es aus einer Ecke, als wir das „Pony“ betraten. Ein älterer Halbling, ich schätze ihn auf etwa 50 Jahre, kam auf uns zugelaufen und begrüßte unseren Halbling stürmisch.
„Hallo Onkel Tobol“, rief Drogo, „lange nicht mehr gesehen! Was macht das Kuchenrezept, hast du es inzwischen verfeinern können?“. „Aber ich sollte wohl erst einmal hallo sagen!“, sagte er, und umarmte seinen Onkel. Er war ein ungewöhnlich kleiner Halbling, und selbst bei seinen eigenen Volk galt er als klein. Dafür war sein Bauch um so dicker, und es sah so aus, als müsse er jeden Moment nach vorne kippen und wegrollen.
„Und das sind meine Freunde“, fuhr Drogo fort, und stelle uns der Reihe nach seinem Onkel vor.
„Hm, ja, nun, lasst uns keine Zeit verlieren, sonst wird das Essen kalt, bevor es aufgetischt ist !“. Er deutete auf einen breiten Tisch, direkt am Ofen und wir machten es uns dort gemütlich.
Kurz darauf kam auch schon der Wirt und brachte vielerlei Leckereien, Brot, Schinken, frischen Käse und einige Liter heißer Ziegenmilch. Ausgehungert wie wir waren, stürzten wir uns auf das Festmahl, und auch ich vergaß für einen Augenblick meine Herkunft und mästete mich so gut es ging.
Nach diesem fast 2 Stunden andauernden Gelage lehnten wir uns zurück und genossen unsere Pfeifen und den Tabak, den uns Tobol zur Verfügung gestellt hatte.
„Nun erzählt mal, wie es euch in der letzten Zeit ergangen ist. Macht schon, spannt einen Alten Mann nicht auf die Folter !“

Das waren wir also, eine Gruppe von Abenteurern, die verschiedener gar nicht sein konnten und doch das Gleiche suchten, ihre Bestimmung, jeder auf seine eigene Art und Weise. ...
Wir verbrachten die nächsten 3 Stunden damit Drogos Onkel die Geschehnisse der letzten Wochen zu erzählen, und er wurde nicht müde zuzuhören. Irgendwann wurden wir es jedoch und wir machten Anstalten uns auf unsere Zimmer zurück zu ziehen.
„Wartet Freunde,“ sagte Tobol. „Bevor ich es vergesse: Ein Freund von mir hat ein großes persönliches Problem, und er sucht einige Wagemutige, die ihm behilflich sein könnten. Vielleicht könnt ihr ihn ja mal aufsuchen, er heißt Balgar und wohnt im Norden der Stadt, nahe der großen Hecke. Nun will ich euch nicht länger vom Schlaf abhalten, geht nur. Ihr findet mich heute Abend wieder hier. Gute Nacht“.
Wir zogen uns in unsere kleinen aber sehr sauberen und gemütlich eingerichteten Zimmer zurück, und die Sterblichen unter uns vielen recht schnell in einen wohlverdienten Schlaf.


Hiriel und ich ruhten uns auf elbenweise aus, in dem wir uns in einen meditativen Zustand begaben, in dem wir zwei bis drei Stunden verweilten.
Gegen 12 Uhr Nachmittags saßen wir dann alle wieder vereint in der Schankstube und labten uns an einem reichhaltigen Mittagsmahl.
Nachdem auch Drogo endlich satt war, beschlossen wir dem Freund seines Onkel einen Besuch abzustatten.
Wir mussten nicht lange suchen, denn sein Haus stand direkt an der großen Hecke, und wir mussten ihr nur nach Norden folgen.
An die neugierigen Blicke der Einheimischen hatte ich mich inzwischen gewöhnt, nicht aber jedoch an die offensichtliche Feindseeligkeit einiger hier lebenden Menschen mir und Hiriel gegenüber. Diese Leute waren entweder sehr verbohrt oder hatten schlechte Erfahrungen mit meinen Verwandten aus dem schönen Lindon gemacht, wobei ich Letzteres gerne ausschließen würde!


Das Haus von Balgar war mehr eine Hütte, etwa 8 Meter lang und einstöckig. Das schwere Strohdach hatte schon einiges mitgemacht, denn es war an unzähligen Stellen geflickt. Schnell kam ich zu dem Entschluss, dass es sich hierbei um einen der ärmeren Einwohner der Stadt handeln müsse.
Als wir uns dem Haus näherten, bemerkten wir einen alten bärtigen Mann, der in einem Schaukelstuhl vor dem Haus saß, einen Pfeife rauchte und die Mittagssonne genoss. Wenn man ihn so da sitzen sah, konnte man den Frühling fast fühlen, er würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Neugierig beobachtete der Alte jeden unserer Schritte, sagte jedoch nichts. Erst als wir unmittelbar vor ihm standen und ich ihn grüßte, stand er auf und musterte mich von Kopf bis Fuß. „So, da haben wir doch ein Spitzohr! Ein sehr seltener Anblick in unserer kleinen Stadt.“
Ich verkniff mir eine Bemerkung, Hiriel jedoch war weniger beherrscht und sagte: „Scheinbar mangelt es den Sterblichen in letzter Zeit etwas an Freundlichkeit!“.
„In der Tat, ich muss mich für mein Benehmen entschuldigen, wir haben in letzter Zeit wenig Besucher hier, und schon gar keine Elben und Zwerge“, entgegnete der Alte. „Ich bin Belgar, womit kann ich Euch dienen? Wenn Ihr Kräuter benötigt, so solltet Ihr besser heute Nachmittag in meinen Laden kommen.“
„Nein“, sagte ich. „Wir kommen, weil uns Tobol berichtete, dass ihr ein Problem habt, bei dem wir Euch vielleicht behilflich sein können !“.
„Oh, wie freundlich von Euch! Ich könnte in der Tat Eure Hilfe gebrauchen.“, sagte Belgar, „Aber wo bleiben meine Manieren ! Kommt doch alle herein, ich werde ein paar Scheite Holz extra aufs Feuer legen.“
Das kleine Haus war wesentlich geräumiger, als es den Anschein hatte, eine gehobene Ausstattung zeigt uns, wie schnell man sich irren kann, und dass man sich nie auf Äußerlichkeiten verlassen sollte. Diese Lehre wurde uns wieder einmal zu Teil !.
Wir setzten uns an einen schönen Eichentisch und Belgar brachte jedem von uns einen Krug warmer Ziegenmilch, welche wir dankbar annahmen. Ein riesiger Ofen stand an der Ostseite und wärmte den gesamten Raum.
“Nun,“ sagte ich, „dann erzählt uns doch etwas von Euren Sorgen, vielleicht können wir Euch helfen.“
„Nun,“ begann der Alte, „wie Ihr bereits wisst, lebe ich vom Verkauf und der Zubereitung von Heilkräutern, hauptsächlich jene, die hier in der Gegend wachsen, aber auch andere, seltenere. An letzteren mangelte es mir, und daher schickte ich meinen Sohn Josh los, um nach den fehlenden Kräutern zu suchen.
Wie gewöhnlich, machte er sich auf den Weg zu den Trollhöhen, wie wir sie hier nennen. Angeblich soll es dort Trolle geben, aber ernsthaft, das sind doch nur Geschichten, um kleine Kinder zu erschrecken.“
‚Schlecht informiert’, dachte ich bei mir, machte jedoch keine Bemerkung.
„Josh ist nun allerdings bereits eine Woche überfällig,“ fuhr der Alte fort, „er sollte längst zurück sein. Ich fürchte, dass ihm irgendetwas zugestoßen sein könnte !“.
„Solltet Ihr mir also wirklich helfen können, so wäre ich Euch sehr dankbar, wenn ihr zu den Trollhöhen reisen, und nach ihm Ausschau halten könntet“.
„Es ist ziemlich unvernünftig, zu dieser Jahreszeit in die Trollberge zu reisen“, sagte ich, „es gibt dort eine Menge Wölfe momentan“.
“Ja,“ erwiderte der Alte, „aber Josh kann auf sich aufpassen, und das Kraut, dass ich suche, wächst leider nur bei starker Kälte und einer hohen, geschlossenen Schneedecke“.
Da ich selber einiges von Kräutern und derlei Dingen verstand, wusste ich, dass es sich bei dem gesuchten Kraut und eine Eisflechte handelte, die in der Tat nur bei starker Kälte ihre volle Wirkung entfaltet.


Wir wollten uns zwar noch eine Weile in Bree erholen, aber wir waren uns auch schnell einig, dass dem Mann geholfen werden musste, obwohl ich mir wenig Hoffnung machte, seinen Sohn lebend zu finden, denn das Klima in den Trollbergen war extrem um diese Jahreszeit. Dazu kamen die vielen Wölfe und noch einige andere, schlimmere Wesen, die bei dieser Witterung sehr hungrig waren.
Nichtsdestotrotz beschlossen wir uns morgen früh auf den Weg zu machen, denn heute war es bereits schon zu spät dafür.
Lediglich Deor, dem die Kälte nicht so behagte, hatte Zweifel am Sinn dieser Suchaktion, aber er schloss sich der Mehrheit an.
“Na schön, Belgar, wir werden dir helfen und uns auf die Suche nach deinem Sohn begeben“.
„Wunderbar, ich bin tief in eurer Schuld. Ich werde euch reich entlohnen für eure Hilfe! Damit euch die Suche bei dieser Witterung etwas leichter fällt, braue ich euch einen Trank, von dem ihr trinken müsst, wenn ihr der Kälte nicht mehr widerstehen könnt. Er wird euch wärmen und euch vor dem sicheren Erfrieren retten.“
Nachdem Belgar uns eine kleine Karte gegeben hatte, welche die Stelle bezeichnete, an der sein Sohn gewöhnlich nach dem Kraut suchte, und wir die Einzelheiten des weiteren Vorgehens diskutiert hatten, verabschiedeten wir uns von Belgar und versprachen eine schnellstmögliche Rückkehr.


Den Rest des Tages verbrachten wir damit, unsere Ausrüstung zu vervollständigen uns und einen großen Vorrat an Proviant für die lange Reise zuzulegen. Immerhin brauchten wir mehr als 8 Tage bis zur bezeichneten Stelle. Einen Großteil unserer Ausrüstung trug Galamir der Zwerg. Er wurde niemals müde und konnte einen Ochsen stemmen, wenn es darauf ankam. Ohne zu murren schleppte er niemals weniger als sein eigenes Gewicht mit sich herum, wovon alleine seine riesige Axt einen Gutteil ausmachte. Den Rest der Ausrüstung trug jeder für sich auf seiner Rückentrage. Der einzige, der nichts trug, war Deor, dafür war sein Teil auf die Satteltaschen seines schweren Pferdes verteilt.
9 Tag des Jahres 3002 des Dritten Zeitalters, 8 Uhr morgens.
Nachdem wir ausgiebig gefrühstückt hatten, verabschiedeten wir uns von Tobol, der uns noch einen großen Beutel Tabak und seinen Segen mit auf den Weg gab, und begaben uns hinaus in die frische Morgenluft, in Richtung Trollberge.
Es war wieder ein kalter, klarer Tag, ich schätzte die Temperatur auf minus 10°C.
Die Sonne wärmte ein wenig, doch in den Schatten war es bitterkalt.
In der Nacht war kein weiterer Schnee gefallen, und wir kamen gut voran.
Gegen Mittag kamen wir zu den Mückenwassermooren, einem Sumpfgebiet, dass wegen seiner Myriaden von Stechmücken diesen Namen zu Recht verdiente. Selbst jetzt, im tiefsten Winter, waren sein Wässer nie zugefroren und Schwaden von Dampfwolken und Nebel reckten sich gen Himmel. Eine unwirtliche Gegend, welche im Sommer schier unerträglich war. Und doch lebten hier einige Menschen, denn der Sumpf war voll von Schwarzbibern, einer seltenen Biberart, deren Fell hier sehr begehrt war. Diese Jäger und Fallensteller waren an die Stechmücken gewöhnt, und jeder hatte seine eigene Weise, damit fertig zu werden.
...
Die Sonne ging um diese Jahreszeit sehr früh unter, vor allem hier oben im Norden und so waren wir gezwungen früh Rast zu machen. Anders als wir Elben und Galamir der Zwerg konnten die anderen Sterblichen nachts nur sehr schlecht sehen und das Risiko einer Verletzung bei diesen Bodenverhältnissen waren für sie zu groß.
“Solch Wanderung machen hungrig“ lachte Drogo. Ich werde sogleich etwas zu mir nehmen müssen, sonst falle ich vom Fleisch!“.
“Vielleicht solltest du lernen, im Gehen zu essen, dass wäre sehr hilfreich, diese ganzen Pausen halten uns nur unnötig auf“ knurrte Galamir und zupfte sich mehrere Eiszapfen aus dem Bart.
„In der Tat“, sagte Deor der behände von seinem Pferd stieg und ihm etwas Stroh aus den Vorräten auf dem Schnee ausbreitete, „es wäre hilfreich, aber ich bin für ein Lagerfeuer bei diesen Temperaturen mehr als dankbar, daher sage ich lasst unseren Freund essen und uns aufwärmen so oft wir können“.
“Ich mag die Kälte auch nicht so“, warf Hiriel ein, „aber wir können es uns wohl nicht aussuchen, schließlich haben wir unser Wort gegeben!“.
Schnell hatte der geschickte Hobbit ein Feuer gemacht und wir sammelten einige Äste, die zwar gefroren aber dennoch durchaus brennbar waren. Bald legte sich ein dichter Rauch über die Gegend, welcher jedoch schnell wieder verschwand nachdem das Wasser aus dem Holz gewichen war.
Die Sonne schickte ihr letzten Strahlen für diesen Tag über die nahen Hügel und beleuchtete die Alte Feste auf der nahgelegenen Wetterspitze, deren schneebedeckter Gipfel in den letzten Sonnenstrahlen wie flüssiges Gold glühten.
Hiriel genoss diesen Anblick und bald stimmte sie ein fröhliches Lied an, welches in ihrer Heimatsprache die Geschichte einer fröhlichen Elbenmaid erzählte. Drogo wiegte im Takt und klatschte ab und zu. Ihm gefielen solche Lieder sehr und er war begierig darauf stets neue zu hören. Zuweilen nötigte er Hiriel geradezu ein fröhliches Lied anzustimmen, was sie stets lächeln über sich ergehen ließ.
Auch ich lauschte den Klängen ihrer wunderschönen Stimme und stimmte alsbald darauf ein, summend, nach Art der Noldor meiner Sippe. Deor saß schweigend am Feuer und starrte gebannt auf das lodern der Flammen. Ich konnte ihn verstehen in seiner Heimat gab es niemals Schnee, und wenn dann nur in den nahem Bergen. Diese Kälte war einfach nicht gewohnt. Er beschwerte sich jedoch nur selten, denn er war oft zu stolz sich etwas anmerken zu lassen. Sein Pferd vertrug die Kälte besser. Es stand friedlich im Schein des Feuers und labte sich am trocknen Heu.
Galamir ging umher und hieb mit seiner Axt trockene Äste ab um sammelte sie um das Feuer herum um genügend Brennmaterial für die Nacht zu haben.
Aus den nahem Wetterbergen hörten wir das Heulen einiger Wölfe. Um diese Jahreszeit kamen sie weit aus dem Norden herunter, die nach Süden wandernden Karibuherden verfolgend. Einige Herden hatten wir tagsüber am Horizont wandern gesehen und wo sie waren, waren die Wölfe nicht weit. Deors Pferd „Goldmähne“ war sichtlich nervös ob des Geheules der Wölfe, diese Laute war es nicht gewohnt, denn in Rohan gab es keine solchen Tiere. Das Heulen war jedoch sehr weit entfernt und wurde nur spärlich beantwortet. Es sollte also keine Probleme geben.
Bald waren der Hobbit und Deor eingeschlafen und Galamir befasste sich mit seiner Lieblingsbeschäftigung: er schärfte seine Axt. Sie war ein schönes Stück Zwergesarbeit, doppelblattig aus feinem Stahl und mit vielen zwergischen Schriftsymbolen überzogen, welche in der Sonne golden schimmerten, wenn er sie frei bewegte. Sie war ihm sehr wichtig und er widmete ihr viel Zeit um sie zu pflegen und scharf zu halten. „Eines Tages wird diese Axt dabei helfen, Khazad-dum zu befreien und dann wird unser Volk wieder in seine angestammte Heimat zurückkehren“, pflegte er oft zu sagen. Vielleicht würde er tatsächlich eines Tages dabei helfen können, denn lang war sein Leben und jung war er an Jahren. Ich sah eine Zeit, in der er sich beweisen konnte, jedoch nicht wann und wo.
Später in der Nacht frischte der Wind auf und trieb einen eisigen Frost von Norden herunter.
Hiriel verstärkte das Feuer und Deor rollte sich unruhig auf seiner Stroh unterlegten Decke hin und her. „Er hat wirre Träume“ sagte sie zu mir. „Ja, das ist die Kälte, sie macht den Sterblichen sehr zu schaffen. Besonders angenehm finde ich sie jedoch auch nicht.“, entgegnete ich und rückte näher ans Feuer.
“Ich bin solch Kälte gewohnt“, sagte Hiriel, bei uns im Wald wird es im Winter ähnlich kalt. Nur der Wind gefällt mir nicht so“. Auch sie setzte sich etwas näher ans Feuer. Plötzlich drehte sie sich in Richtung Dunkel und lauschte angestrengt in die Nacht. Goldmähne schnaubte erregt. Als ich fragen wollte, was sie hörte, hob sie nur die Hand und gab mit zu verstehen, dass ich schweigen solle.
“Ich höre die Wölfe, sie sind ganz in der Nähe.“ ,flüsterte sie. „Sie sind auf der Jagd. Aber nicht nach Wild!“. Schnell legte sie einige Äste ins Feuer und weckte die anderen. „Was, schon Zeit zum Frühstücken?“ rief Drogo überrascht und reckte sich. „Aber die Sonne, wo ist denn die Sonne, es ist ja noch Nacht“.
„Schweigt stille mein Freund“, sagte Hiriel, „Gefahr naht!“. Galamir sprang schnell auf den Beinen und zog seine Waffe. „Was gibt es, dass ihr mich so unsanft weckt?“. Auch Deor war bereits wach geworden, das Schnauben von Goldmähne hatte ihn aus dem Schlaf gerissen. Sofort zog er sein Schwert und stellte sich an die Seite seines Pferdes. „Was ist los?“, fragte er. „Wölfe, sie haben uns umzingelt“, entgegnete Hiriel. „Ich sehe sie nicht!“ sagte Deor und starrte angestrengt in die Nacht. „Sie sind noch zu weit weg, als dass ihr sie sehen könntet“ flüsterte Hiriel. Deor nahm sich einen brennenden Ast und leuchtete mit ihm in die Dunkelheit. Weiter entfernt sah er die glühenden Augen einiger Wesen, welche den Schein des Feuers wiederspiegelten. „Ja, ich sehe sie, es sind viele!“. „Es sind mehr als 10“ knurrte Galamir. „Lasst sie nur kommen, ich werde sie lehren, uns hier einfach in der Ruhe zu stören!“.
Ich griff langsam zu meinem Bogen und legte einen Pfeil in die Sehne. Hiriel tat es mir gleich.
Es war dicht bewölkt und selbst meine und Hiriels Sicht waren nur schemenhaft. Alleine Galamir konnte erkennen was vorgeht.
“Sie kommen!“ rief er und stellte sich breitbeinig vor dem Feuer auf. Drogo hatte mittlerweile ebenfalls mitbekommen, was vorging und verkroch sich nah beim Feuer. Solche Dinge waren so gar nicht nach seinem Geschmack und das plötzlich einsetzende Geheul der Wölfe ließ ihm kalte Schauder über den Rücken laufen.
Und dann kamen sie!

(Ecthelion)