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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Der Marsch nach Rhaz-gard

Sie saßen auf „der Türschwelle“!
Garzôkh und seine Orks hatten Rhaz-gard erreicht und warteten auf die Rückkehr der ausgesandten Späher, deren Nachrichten für den Angriffsplan benötigt wurden.
Zuerst waren sie nur mehr oder weniger ziellos umher gestreift. Arzedôkh, durch den sie mit dieser Aufgabe betraut wurden, schien selbst nicht viel zu wissen und Garzôkh hatte ihn an jenem Abend vor ihrer Trennung auch nicht sonderlich nachgefragt, da sein Häuptling sehr in Rage gewesen war.
Garzôkh war mit seinem engsten Kern nach ihrem Aufbruch nach Nordwesten marschiert, da die Khazad in dieser Richtung vermutet wurden. Der größte Teil seiner Leute wurde jedoch als Späher in allen Richtungen durch das Gebirge geschickt; sie lauerten an den größeren Pässen und Handelsrouten die über das Gebirge führten und von denen vermutet wurde, dass Zwerge sie benutzten. Einem der Spähtrupps war ein wandernder Zwerg in die Falle gegangen. Er wurde lebend gefasst und vor Garzôkh gebracht. Nach einer überdurchschnittlich langen Folter stellte sich heraus (die isolierten Orks hatten ihre Foltermethoden in jahrelanger Arbeit verfeinert), dass der Gefangene aus der gesuchten Stadt stammte. Über sein Ziel war nichts aus ihm herauszubekommen, aber Garzôkh ging davon aus, dass er Verwandte im Norden besuchen wollte.
Den Aussagen des Zwergs zufolge lag Rhaz-gard aber nicht im Norden, wie von Garzôkh vermutet, sondern im Süden, jenseits des Niederfalls (das deckte sich auch mit den Berichten der Späher, die den Zwerg aus dieser Richtung her wandern sahen). Genaueres war von dem Gefangenen aber nicht mehr zu erfahren, denn er versuchte zu entkommen und wurde daraufhin getötet, bevor Garzôkh es verhindern konnte.
Wutentbrannt hatte er dann befohlen in die Richtung zu ziehen, die der Zwerg angeben hatte. Südlich des Niederfalls stießen sie auf weitere Spuren, die eindeutig von Zwergen stammten. Garzôkh sandte abermals einige seiner 240köpfigen Streitmacht als Späher aus. Er wollte vermeiden das die Khazad sie zu früh entdeckten; zunächst musste erst einmal Rhaz-gard und seine Verteidigung (vor allem deren Schwachstellen) ausgekundschaftet werden. Von den fünfzehn Spähorks kamen lediglich zwei zurück. Sie waren auf Bewaffnete gestoßen, die sie zu spät entdeckt hatten. Nun wusste der Feind über sie Bescheid! Doch die Überlebenden hatten auch Erfreuliches zu berichten. Die Stadt besaß keine Zaubertore, die fast aller Gewalt standhielten und die sich nur mit bestimmten Formeln und Schlüsseln öffnen ließen, sondern wurde durch starke Holztore gesichert. Das war für die Angreifer von Vorteil, denn ansonsten hätten der Zwerge einfach die Tore verschlossen und es wäre den Orks nicht gelungen einzudringen.
Vor dem Tor erstreckte sich über eine gute halbe Meile eine Wegenge, die von hohen Steilwänden umgeben war. Garzôkh stellte fest, dass sie sich innerhalb dieser Enge nicht gegen einen starken Ausfall der Zwerge würden wehren können.
Das Lager wurde vor dieser Wegenge aufgeschlagen. Da er wusste, dass eine Höhlenfestung nicht nur diesen einen Ein- und Ausgang haben konnte ließ er die Umgebung von einigen seiner zuverlässigsten Männer absuchen.
Da saßen sie nun und warteten.
Bevor seine Kundschafter jedoch zurückkehrten griffen die Zwerge an! Das Tor öffnete sich und zwanzig Axt schwingende, Masken tragende Khazadkrieger stürzten heraus und rannten auf sie zu. Die Hälfte der Orks, die sich im Lager befanden, wurde von Jagdfieber gepackt. Wild, alle Vorsicht vergessend stürmten sie auf die Angreifer zu. Garzôkh versuchte sie zu warnen, doch seine Worte gingen im Lärm des Kriegsgebrüll unter. Kaum dass die Orks die Wegenge betreten hatten wurde ihnen der Rückweg durch herabfallende Felsbrocken verwehrt. Zwerge, die sich unbemerkt genähert hatten, hatten sie geworfen. Jetzt stürmte eine ganze Streitmacht aus Rhaz-gard hervor, der die unvorbereiteten und leicht bewaffneten Orks erliegen mussten. Garzôkh und die verbliebenen Orks tobten vor Wut! Sie waren in der eigenen Falle, die sie im Nebelgebirge so oft an Wanderern angewandt hatten, gefangen worden. Unfähig die Felsbarriere zu überwinden mussten sie ohnmächtig zuhören, wie ihre Kameraden von der Zwergen niedergemacht wurden. Grässliche Schreie und Flüche der Sterbenden waren zu vernehmen; die meisten Stimmen gehörten Orks, doch es waren auch Zwerge darunter. Garzôkh hatte kein Mitleid mit den Todgeweihten, wer in eine so plumpe Falle tappte, verdiente es nicht anders. Aber die Schande als Heerführer dieser List zum Opfer gefallen zu sein fraß in ihm; das würde ihm der Herr dieser Stadt büßen! Oh ja, er würde ihn leiden lassen... Das heißt, er musste Rhaz-gard erst einmal erobern und ob ihm das mit seiner halbierten Truppe noch gelang, war fraglich.
Garzôkh sah einen Schatten auf den Felsen. Er erkannte in ihm einen von denen Zwergen, die die Felsen herabgestürzt hatten. Hasserfüllt ergriff er einen Stein und schleuderte ihn mit einen wilden Kampfruf auf den Unvorsichtigen. Der Stein zerschmetterte ihm den Kopf und er stürzte hinab zu den anderen Leichen.
Langsam erstarb der Kampflärm, das Töten schien vorüber zu sein. Garzôkh befahl seinen Männern sich zurückzuziehen, er würde Pläne schmieden und dann die erlittene Niederlage doppelt vergelten...


Die Späher waren zurückgekehrt. Garzôkh hoffte auf verwertbare Nachrichten; seine Mannen murrten nämlich bereits gegen ihn und er hatte bis jetzt noch keinen ausführbaren Plan, die Stadt zu erobern. Einigen seiner Krieger hatte er befohlen die Felsen vor dem Tor in der verbliebenen Nachtzeit beiseite zu räumen, um wenigstens den Haupteingang angreifen zu können.
„Etwa eine Viertelmeile südöstlich von hier haben wir einen weiteren Eingang entdeckt“, berichtete Ugôsh, einer der Kundschafter.
„Das Tor liegt in tiefem Schatten; ich rate euch zu einem Angriff bei Tageslicht, denn so kämen wir unerwartet.“
Garzôkh überlegte. Er stimmte Ugôsh zu, denn wenn sie jetzt nicht angriffen würden die Zwerge ihrerseits die Feuerpause nutzen und die Orks weiter zu dezimieren. Und eine weitere Schwächung konnten sie sich nicht erlauben, wenn sie den Sieg noch erringen wollten.
„Einverstanden“, grunzte Garzôkh. „Nimm dir die Hälfte der Männer und ziehe auf meinen Befehl zu dem Tor und lege dich auf die Lauer. Zuvor begleite mich zum Ort unserer Niederlage.“
Die Felsen waren teilweise beseitigt und Garzôkh und Ugôsh konnten das Schlachtfeld betreten. Keiner der Krieger, die blindlings in ihren Untergang gerannt waren, lebte noch. Doch auch manchen Khazad hatte das Schicksal ereilt. Garzôkh befahl die Äxte der Toten einzusammeln; sie würden ihnen morgen dazu dienen, die Tore aufzubrechen.
Ugôsh stellte seinen Trupp zusammen und verließ das Lager. Garzôkh blieb mit knapp sechzig Mann zurück. Ihre Stärke lag jetzt nur noch in der Schnelligkeit des Angriffs. Pünktlich bei Sonnenaufgang würden sie gleichzeitig beide Eingänge angreifen. Mit diesem Plan hofften sie den Feind zu überrumpeln und zu zerschmettern. Eine andere Möglichkeit würde es nicht mehr geben. Sie hatten die Wahl zwischen Sieg oder Tod...


Zur gleichen Zeit in Rhaz-gard:


König Khamlan triumphierte! Seine List war geglückt. Als er von den Angreifern Kenntnis bekommen hatte, wusste er sofort, dass sie seinen Kriegern in die Äxte laufen würden, wenn man sie nur genug lockte. Sein Sohn Hamlan, der ihm geraten hatte die Tore zu verschließen und abzuwarten, hatte Unrecht behalten. Er, der alte König (Khamlan war über 400 Jahre alt, ein ehrwürdiges Alter für einen Zwerg), hatte gesiegt.
„Mein Sohn“, sprach der König. „Sorge dich nicht länger. Geh zu Bett, auf dass du ausgeruht im Morgengrauen die Krieger in die Schlacht führst.
„Vater“, antwortete Hamlan. „Orks sind keine dummen Tiere. Sie werden nicht den selben Fehler zweimal begehen!“
„Unsinn, Sohn!“, entgegnete der König. „Du und deine Schwarzseherei. Wir werden sie besiegen, du wirst schon sehen. Jetzt aber geh!“.
Die letzten Worte hatte Khamlan mit Nachdruck gesprochen. Hamlan wusste, dass sein Vater jetzt keinen Widerspruch mehr duldete. Und so verließ er ihn.
Khamlan blieb im Dunkel seines Thronsaales zurück. In seiner Hand leuchtete ein fahles Licht. Es ging vom Stein des Ringes aus, den er an einem Finger trug.
„Oh ja, mein Schatz“, murmelte er und streichelte den Ring. „Wir werden es ihnen zeigen, allen werden wir es zeigen...“


Hamlan sorgte sich um die Stadt und seinen Vater. Es war ihnen zwar gelungen die Orks zu überraschen und vorläufig zu schlagen, doch auch sie hatten einige Verluste hinnehmen müssen und es war nur noch die Hälfte der Krieger unverletzt. Und sein Vater tat so, als seien die Angreifer überhaupt keine Bedrohung. Er sorgte sich nur noch um seine Schätze und um niemanden sonst. Ob das an dem Ring lag, den er seit Jahren trug? Hamlans Geschlecht hatte ebenso wie andere Königsfamilien Ringe der Macht erhalten. Ein edel erscheinender Herr hatte sie verteilt. Es ging zwar das Gerücht um, dass er Eregion, das große Elbenreich nordwestlich von hier, zerstört hatte und mit Moria verfeindet war, doch die Gier nach der Elbenmacht war zu groß gewesen. Doch hatten die Könige vor Khamlan den Ring stets in den Schatzkammern verborgen, denn dort sollte er den Reichtum seiner Besitzer mehren. Erst Khamlan, der die Königswürde zu früh antrat (sein Vater fiel einem Überfall der Trolle zum Opfer, als Khamlan 50 Jahre alt war), hatte den Ring wieder hervorgeholt. Seit 350 Jahren trug er ihn am Finger und schien seine Macht ausgelotet zu haben (manche Diener behaupteten, sie hörten die Stimme des Königs bevor sie ihn sahen). Manchmal sah auch Hamlan seinen Vater des Nachts durch die Hallen geistern, mit dem glühenden Kleinod am Finger.
Hamlan seufzte tief. Er ging nicht zu Bett, wie es ihm der König befohlen hatte, sondern rief einige seiner zuverlässigsten und treuesten Diener zu sich. Das waren die Brüder Malin und Gralin und Droin, Floins Sohn.
„Mein Vater wird morgen angreifen und ich befürchte wir werden unterliegen. Ich selbst werde nicht gegen seine Befehle verstoßen und morgen den Angriff leiten. Doch euch, meine Freunde, bitte ich Rhaz-gard zu verlassen und im Tal Hilfe zu suchen.“
„Wir erfüllen deinen Wunsch gern, Herr, auch wenn wir damit gegen einen direkten Befehl des Königs verstoßen“, antwortete Droin. Die anderen nickten zustimmend.
Hamlan verabschiedete sich und seine Diener brachen auf. Sie verließen Rhaz-gard ungesehen durch Geheimgänge und wanderten die ganze Nacht. Im Morgengrauen hatten sie bereits das Nebelgebirge hinter sich gelassen.
(Thomas)