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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Besorgnis
Glorfindel stand früh am Morgen auf und fühlte sich schon wieder ganz wohl. Er dachte an den Traum, den er heute Nacht gehabt hatte und begann entsetzlich zu frieren.
"Was lässt mich so vor Schreck zittern?" fragte er sich während er sein Gewand anlegte und sein Schwert gürtete. "Vor allem, wo bin ich?"
Mit einem fast spürbaren Schlag kehrte seine Erinnerung zurück und er wusste wieder um den vergifteten Dolch, Arwen und seinen Traum: Er war in einem dunklen Verließ. Weiter vorne erkannte er zwei Orks die sich in dunkler Sprache unterhielten. Als er genauer hinhörte, begann er zu verstehen was sie sprachen: "Das kleine Bürschchen dachte doch tatsächlich es könnte mir entkommen. Aber es hat ihn unterschätzt."
"Schwächlinge. Mein Herr würde so was wie Euch nicht dulden. Zwei Tage habt Ihr gebraucht um diesen kleinen Wicht zu fangen. Wenigsten sind wir es, die ihn zurückbringen."
"Was, der Wurm, den du Zwerg Scharku nennst, wagt es, sich meinem Herren zu widersetzen?"
Glorfindels Aufmerksamkeit wurde durch eine dunkle Präsenz abgelenkt und er verstand nicht mehr, was die zwei redeten, bemerkte aber, dass sie sich bald in heftigen Streit gerieten. Er wand sich um und stand plötzlich an einer Straße, auf der sich ein ganzes Heer in Richtung eines kleinen Dorfes bewegte und wie es schien, waren sie diesem Dorf nicht gerade freundlich gesonnen. Das Heer bestand aus unbeschreiblichen Kreaturen. Nur ein paar Orks und den dunklen Diener des Auges erkannte er. Er spürte seine Präsenz fast körperlich.
Mit Entsetzen beobachtete Glorfindel, wie das Heer über das Dorf herfiel und es innerhalb kürzester Zeit dem Erdboden gleich machte. Glorfindel weinte bitterlich über solche Grausamkeit und kehrte erst in die Wirklichkeit zurück als erkannte in welche Richtung sich das Heer bewegte: 'Imladris'
Glorfindel sah sich im Zimmer um. Er befand sich in einer wunderschönen hölzernen Hütte gebaut aus silbernen Bäumen die nur noch in Lórien wuchsen. Er spürte den Frieden dieses Ortes und langsam beruhigte sich sein Gemüt. Er warf sich seinen Umhang um und begab sich Richtung Ausgang. Vor dem Haus erwartete ihn schon sein Retter. Glorfindel begrüßte Ananen freundlich.
Ananen: "Alae Glorfindel, habt Ihr gut geschlafen? Lang genug habt Ihr ja im Reich der Träume verweilt. Ganze zwei Wochen."
Glorfindel fiel aus allen Wolken. "Zwei Wochen. Wie geht es Arwen?"
"Die Herrin kümmert sich um sie! Sie hat einen unruhigen Schlaf aber das Gift hat ihre Adern verlassen. Sie wird wieder gesunden. Die Herrin möchte, dass Ihr, wenn Ihr es einrichten könnt, zu ihr kommt."
Ananen erhob sich und Glorfindel beschloss, ihm zu folgen. Sie gingen nebeneinander her und Ananen erzählte ein bisschen von sich. Er war der dritte Sohn eines längst vergessenen Elbenfürsten des ersten Zeitalters den er selbst nie kennen gelernt hatte. Er hatte weder Vater noch Mutter gekannt. Er berichtet Glorfindel, dass er auf dem Weg nach Imladris gewesen war als er Glorfindel und Arwen getroffen hatte. Glorfindel fragte Ananen, ob er ihn begleiten wollte wenn er zurückreisen würde, denn es wäre für einen alleine doch ein Wagnis nach den Ereignissen der letzten zwei Wochen. Lächelnd stimmte er zu.
Sie erreichten eine Lichtung auf der eine Quelle sprudelt. Galadriel stand an der Quelle und blickte in eine silberne Schale. Glorfindel und Ananen betraten die Lichtung und Galadriel sah auf.
"Alae schöne Galadriel, Tochter der Noldor aus Valinor!"
"Auch ich Grüße Euch, Glorfindel, Fürst von Gondolin. Ihr müsst Euere Ausstrahlung besser verhüllen, wenn Ihr durch solch gefährliche Lande reist. Jeder, der Einsicht in die Welt der Geister hat, erkennt Euch sofort als einen der Großen unter den Elben. Tragt Eueren Umhang, sobald Ihr Lórien verlasst, und legt ihn erst wieder ab, wenn ihr Imladris betreten habt."
"Edle Herrin, mich plagen Albträume. Ich vermag sich aber nicht zu deuten. Vielleicht könnt Ihr mir helfen."
Galadriel setzte sich an den Spiegel und Glorfindel setzte sich ins Gras.
"Erzählt Eueren Traum, während ich in den Spiegel blicke. Ich werde sehen, was Ihr vor Euerem inneren Auge seht."
Glorfindel begann von den abscheulichen Horden zu berichten, die in seinem Traum das Land verwüsteten. Auch von ihrem angeblichen Ziel berichtete er und über die Sorgen, die in quälten.
Als er geendet hatte, sah Galadriel sehr nachdenklich aus. "Ich fürchte, es ist mehr an dem was Ihr träumt als Ihr glauben wollt. Ich muss Euch bitten so schnell wie möglich wieder nach Imladris aufzubrechen und meinem Schwiegersohn eine Nachricht zu überbringen. Ihr solltet Euch jetzt zur Ruhe begeben. Ananen wird Euch zurück zu Euerer Behausung führen. Ich bedauere, dass Ihr den Frieden dieses Ortes nicht genießen könnt. Aber ich denke, Ihr werdet noch öfter als Bote hierher reisen. Wenn ihr wollt."
"Ich danke Euch für Euer Zuhören, auch wenn es mich noch besorgter gestimmt hat. Ich empfehle mich!"
Glorfindel entfernte sich und ging mit Ananen zurück zu der Behausung, wo er sich niederlegte.
Am nächsten Tag erhob er sich sehr früh, legte sein Gewand an, warf sich seinen Umhang um und begab sich nach draussen, wo ihn schon Ananen erwartete und ihm seinen Bogen und Köcher zurückgab. "Ich habe das hier für dich aufbewahrt. Das Schwert störte nicht weiter bei der Behandlung, wohl aber der Bogen. Wollen wir aufbrechen? Hier ist ein Rucksack mit Lembas und etwas gegen das Gift."
Galadriel trat zwischen den Bäumen hervor. "Glorfindel zum Abschied gebe ich Euch noch diese Blume. Sie ist in das Wasser des Spiegels getränkt und wird solange Ihr lebt nie verwelken. Sie wird Euch beschützen und Euch helfen Euere Träume zu deuten. Hier ist außerdem die Botschaft für Elrond"
"Oh, ich danke Euch, edle Herrin."
Glorfindel pfiff und Morgenwind trabte aus dem Wald hervor. Er schwang sich in den Sattel und Ananen tat es ihm gleich. Er ritt einen Rappen. Glorfindel befestigte die Blume an seinem Mantel und verstaute das Pergament mit der Nachricht in seinem Rucksack. Sie verabschiedeten sich von Galadriel und ritten davon.
Der Weg zog sich lange durch die Wälder von Lórien und die vernebelten Felder. Glorfindel und Ananen unterhielten sich leise über ihre Vergangenheit und die Zukunft, die ihnen bevorstand. Glorfindel berichtete von seinem abscheulichen Traum und Ananen erwies sich als guter Zuhörer und auch als guter Erzähler auf der langen Reise. Ananen berichtete von Kaladim seinem Vater, der eigentlich ein Halbelb war, ein Weiser. Er berichtete davon, wie sich sein Vater in den Schlachten in Beleriand zum Führer einer kleinen Gruppe Elben hoch kämpfte und mit diesen schließlich nach dem Ende von Beleriand nach Norden floh, wo er mit seiner Frau Aliama ein kleines Reich gründete. Doch ihr Glück sollte nicht lange währen und eine Horde herumstreunende Schergen des finsteren Morgoth fielen in das friedliche Land ein und töten Ananens Vater und viele seiner Gefolgsleute. Ananens Mutter entkam wie durch ein Wunder und schleppte sich zu Verwandten hier nach Lórien, wo sie bei Ananens Geburt verstarb. Ananen seufzte: "Alles was ich von meiner Herkunft weiß, ist das was mir Galadriel berichtete und was ich von einem Brief meiner Mutter weiß."
"Ich fühle mit dir, Ananen. Ich kann deinen Schmerz verstehen. Körper und Seele nehmen Schaden durch den Tod der Liebsten und diese Wunden vermag die Zeit selbst bei uns Elben nur schwerlich zu heilen."
"Danke für dein Mitgefühl. All das ist lange her, aber wenn ich darüber spreche, werde ich immer noch sehr traurig."
Schweigend ritten sie weiter ihres Weges entlang.
Plötzlich stoppte Ananen sein Pferd und bedeutete Glorfindel, das selbe zu tun. Ananen sah zu Glorfindel hin und bemerkte erneut wie unauffällig der Freund durch den Mantel war. Glorfindel zog Gilmeduirfuin aus der Scheide und sah dass das Schwert förmlich zu brennen schien. Er sah seine Befürchtungen bestätigt. Die Anwesenheit von Yrch, den ewigen Dienern des Bösen, spürte er schon länger, wollte es aber bis jetzt nicht wahrhaben. "Ananen, wir werden auf Schwierigkeiten stoßen, große Schwierigkeiten."
Ananen nickte wortlos und nahm seinen Bogen von der Schulter. Glorfindel setzte sein Pferd langsam in Bewegung. Der Nebel begann sie zu verschlucken. Ananen und Glorfindel stiegen von ihren Pferden und banden sie fest Glorfindel nahm ebenfalls seinen Bogen an sich und steckte sein Schwert zurück in die Scheide. Durch ihre jahrelange Erfahrung als Jäger konnten sie sich fast lautlos durch das Gras bewegen. Ananen roch prüfend. Er nickte stumm um Glorfindel zu verstehen zu geben, dass sie sich gegen den Wind annäherten. Vor ihnen lag eine riesige Lichtung. Dort standen einige Orks, die eine Truppe von gar finsteren Kreaturen kommandierten. Am Boden gefesselt saßen zwei zusammengekauerte Gestalten. Einer der Orks, offensichtlich ihr Anführer, redete auf die beiden ein. Sie konnten aber nicht antworten, da sie offensichtlich verwundet waren und noch dazu ziemlich erschöpft. Ananen spannte langsam seinen Bogen und zielte auf eine der an der Seite stehenden Orkwachen. Lautlos ging diese zu Boden. Glorfindel zielte auf die zweite und auch diese verschwand lautlos im Waldboden. Danach zielten sie gleichzeitig auf den Orkhäuptling und mit gespielter Leichtigkeit flogen die Elbenpfeile lautlos durch die Lüfte und verletzten den Orkhäuptling schwer. Die verbliebenen Orks sprangen auf und befahlen ihren finsteren Gefolgsleuten das Gebiet zu durchkämmen. Glorfindel und Ananen legten ihre Bogen zur Seite und zogen lautlos ihre Schwerter. Sie teilten sich um die Angreifer zu verwirren. Ananen sollte die Finsterlinge weglocken während sich Glorfindel um die Befreiung der Gefangen kümmerte. Sie waren übereingekommen, dass es zu viele wären um sie alle zu töten und Ananen kannte die Wälder noch besser als Glorfindel. Dieser wiederum war mit seinem Schwert schneller als Ananen und wusste den Orkhäuptling und seinen Stellvertreter, welcher inzwischen hinzugetreten war, besser zu bekämpfen. Der Elb aus Lorien verschwand in den schweren, kalten Bodennebeln, die vom Waldboden emporstiegen und tauchte zur Linken des Elbenfürsten in die zu einem weiten Halbkreis auslaufende Reihe der Buchenstämme. Glorfindel glitt nach rechts weg, in den Schatten der Blutbuchen, die sich dunkel aus dem weißen Meer erhoben und es in tiefe Schatten tauchten. Wie auf einer in einem großen Bogen herum schwingenden Straße entlang wandernd tastete er sich, in seinem grauen Elbenmantel durch Lichtungsgrass und Waldschatten schnellend, direkt auf das entgegengesetzte Herz der Lichtung zu. Raue Orkstimmen hallten wie aus weiter Entfernung kommend durch die Luft und konturlose Gestalten im Nebel tauchten bisweilen auf, die in einiger Entfernung an ihm vorbei eilten und wieder im Unterholz verschwanden.
Glorfindel pirschte sich heran und sprang dann auf den Stellvertreter zu, welcher gerade irgendetwas Glänzendes aus dem Beutel des Orkhäuptlings nahm. Als er sah, dass der Stellvertreter seinen Dolch gezogen hatte, um die Gefangenen zu töten, schleuderte er sein Schwert mit voller Wucht. Gilmedurfuin fuhr wie ein Blitz auf den Ork zu, riss ihn aber nur herum und nagelte seinen Mantel an den Boden. Dieser zerriss ihn wütend und wandte sich dem nun unbewaffneten Glorfindel zu. Der Ork stürzte sich auf ihn, warf ihn zu Boden und versuchte ihm die Kehle durchzubeißen. Glorfindel wehrte sich meisterhaft, war aber durch das pure Gewicht des Orks unterlegen. Doch auf einmal packte etwas den Ork von hinten und warf ihn herum. Als dieser sich mit einem Fauchen herumwarf, ergriff Glorfindel sein Schwert und streckte den Ork nieder. Als er den Kadaver zur Seite hievte kam ein junges Mädchen zum Vorschein. Ein so junges und doch so gefährlich aussehendes Menschenkind war ihm noch nie untergekommen. Sie schien mehr Angst vor ihm zu haben als vor dem Ork. Glorfindel ging zu ihrem Begleiter und stellte fest, dass dieser schwer verwundet war. Dann wandte er sich um als er seinen Namen hörte. "Glorfindel, wir haben nicht viel Zeit."
Ananen, aus dem Nebel hervor stoßend, hatte dem Anführer den Rücken durchbohrt als dieser zurückgesprungen war und versucht hatte einen in den Boden gerammten Speer zu ergreifen. Das Schwert war glatt durch die Lederrüstung des Gegners hindurch geglitten.
Er musste direkt an den Gegnern vorbei geglitten sein, anders war sein schnelles Erscheinen nicht zu erklären. Wahrscheinlich hatte er den Weg durch die Wipfel der am Waldrand stehenden Bäume genommen.
Das Mädchen blickte verwundert drein, sie verstand kein Wort in der Sprache der Elben. Glorfindel bedeutete ihm, er solle ihm doch helfen und zusammen luden sie den Schwerverletzten auf ihre Schultern und schafften ihn vorsichtig zu den Pferden. Das Mädchen folgte ihnen nach kurzen Zögern. Nachdem Sie den Mann, der wie Glorfindel jetzt bemerkte schneeweiß war, auf Morgenwind und Ananens Pferd Silidias verladen hatten, setzten sie sich lautlos in Bewegung.
Nachdem Ananen die Geräusche der Orks nicht mehr wahrnahm gab er Glorfindel ein Zeichen und sie hielten die Pferde langsam an, um den Verletzten nicht zu verletzen. "Wir müssen Heilkräuter sammeln und wir brauchen eine Trage", bemerkte Ananen besorgt als Glorfindel sich niederkniete und die Wunden des Fremden untersuchte.
Er schloss die Augen um sich der Sprache der Menschen zu entsinnen, welche er schon seit langer Zeit nicht benutzt hatte und verband sie mit der Gedanken-Sprache der Geister, wie sie in Valinor gesprochen wurde, um dem Kind zu verdeutlichen, dass es Blätter von einer Pflanze sammeln sollte und sandte ihr die Gedanken über das Aussehen dieser Pflanze. Das Mädchen schien ihn zu verstehen und stürmte davon. Danach drehte er mit Ananens Hilfe in eine für ihn möglichst angenehme Lage und begann die Bäume um ihn herum zu untersuchen. Bald fand er, was er suchte. Nicht weit lagen Äste herum. Er fischte aus seinen Satteltaschen ein Seil und begann die Ästen zu einer Trage zusammen zu binden. Lautlos trat das Mädchen an ihn heran und sprach "Da". Glorfindel fuhr regelrecht zusammen.
Er stand auf, nahm die Blätter und betrachtete sie. Danach sortierte er sie und zerrieb die Hälfte, wickelte sie in die andere Hälfte und drückte diese auf die Wunden des Alten. Danach machte er sich an das Fertigstellen der Trage. Ananen kam nach einiger Zeit zu ihm. "Glorfindel, ich habe noch ein Seil gefunden."
Ananen gab Glorfindel das Seil. "Ananen, wie geht es dem Mann? Ist er aufgewacht?"
"Nein, so sehr ich mir das auch wünschen würde. Das Mädchen ist die ganze Zeit bei ihm."
"Hilf mir mal, ich glaube damit können wir die Trage an den Pferden befestigen. Allerdings müssen wir uns zu Fuß fortbewegen. Vielleicht sollten wir uns Blätter vom Ulyrics-Baum besorgen und damit die Hufe der Pferde umwickeln. Außerdem brauchen wir etwas zu essen."
Zusammen trugen sie die Trage zurück zu dem Schwerverletzten und hoben ihn vorsichtig auf die Trage. "So geht das nicht."
Glorfindel begann auf das Mädchen einzusprechen. Sie eilte davon.
"Ananen, du hast lange genug Wache gehalten. Ruh dich etwas aus. Vielleicht gehst du nachher auf die Jagd. Und du solltest aufpassen, vielleicht findest du etwas Heilkraut."
"Ja, ich mache mich gleich auf den Weg."
Ananen verschwand im Unterholz. Glorfindel begann die Wunden des alten Mannes erneut auszuwaschen und stellte zufrieden fest, dass sie sich nicht entzündet hatten. Allerdings ging auch das Wasser in seinem Wasserschlauch zu Ende.
Plötzlich hörte er ein gepeinigtes Aufstöhnen und sah, dass der Mensch versuchte sich aufzurichten. Sanft drückte Glorfindel ihn zurück auf die Trage. Der Mann richtete seine Augen auf ihn. Glorfindel kannte diesen Blick und wusste was er bedeutete: nackte Angst gepaart mit eisernem Überlebenswillen. Das war eine gefährliche Mischung. Er begann sich zu erinnern, dass er immer noch den Mantel trug, welcher ihn als Schatten zeigte und nahm eilig die Kapuze ab, damit der alte Mann nicht noch mehr verängstigt würde und sprach dann langsam in dem Singsang, welchen er schon bei dem Mädchen verwendete: "Fürchtet Euch nicht, Ihr seid hier unter Freunden. Mein Name ist Glorfindel. Ihr brauch wirklich keine Angst mehr zu haben. Ein Teil Euerer Verfolger ist tot, der andere jetzt wahrscheinlich hinter uns her, doch sie werden uns nicht finden. Ananen und ich sind geübt und leise. Doch Ihr müsst etwas essen. Denn unsere Pferde können Euch nicht den gesamten Weg tragen. Wir müssen so schnell wie möglich weg von hier."
Der alte Mann begann in reinstem Quenya zu sprechen: "Ich danke Euch, Glorfindel, der dem Tod verheißen war. Ja ich kenne Euch, Glorfindel. Ich bin Galdaram, einer der Dúnedain aus dem Westen. Und das da ist meine Tochter Mara."
Glorfindel hatte das Mädchen kommen gehört und drehte sich jetzt zu ihm um. Sie kam in Begleitung von Ananen, welcher große Blätter und einen Hirsch bei sich hatte. Ananen kochte ein vorzügliches Essen, während Glorfindel die Hufe der Pferde mit Hilfe der Blätter fast lautlos machte. Danach genossen alle schweigend den gebratenen Hirschen. Glorfindel und Ananen banden die Trage an die Pferde und hoben Galdaram darauf. Danach setzte sich der Tross lautlos in Bewegung, Glorfindel mit gezogenem Schwert in der einen und den Zügeln Morgenwinds in der anderen, danach die zwei Pferde mit Mara und Galdaram, welcher immer noch auf der Trage lag und schließlich Ananen, welcher es irgendwie schaffte trotz des Bogens in seiner Hand sein Pferd zu führen.
So zogen sich die Tage auf der Straße dahin. Tagsüber reisten sie in dieser Anordnung, des Nachts wechselten sich Glorfindel und Ananen mit der Wache ab. Galdaram erholte sich sehr schnell nach einer Woche konnte er reiten und Glorfindel verheizte die Trage. Nach drei Wochen hörten sie endlich das Rauschen des Bruinen und wussten, dass Imladris nicht mehr fern war. Glorfindel dachte bei sich: "Wie ich die Abende in den Hallen, den Gesang und die Poesie vermisst habe. Ich freue mich darauf wieder an Elronds Tafel zu sitzen."
Plötzlich fühlte er einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen und nur Sekunden später kam ein schwarzes Pferd in Sicht. Es trug einen schwarz gekleideten Reiter, welcher ihnen den Weg versperrte. Glorfindel ritt ihm entgegen. Der Fremde sprach: "Ihr habt etwas, was uns gehört, Wurm! Gebt es mir und ich werde Euch passieren lassen."
"Ihr wagt es, Verdammter? Ihr wagt es Euch uns in den Weg zu stellen in den Landen des Lichts?"
Glorfindel kochte vor Zorn. Er zog sein Schwert und ging auf den Fremden los. Er rief seinen Begleitern zu, sie sollen nach Imladris reiten. Ananen eilte und führte das andere Pferd mit Mara und Galdaram fort.
Glorfindel kämpfte mittlerweile auf zwei Ebenen. Auf geistiger und körperlicher Ebene bekämpfte er den Fremden auf seinem schwarzem Ross. Glorfindel ließ die Macht seiner Gedanken freien Lauf und fühlte die Macht, die von ihnen ausging. Sie kämpften lange und heftig. Dann tat Glorfindel den entscheidenden Schritt und durchbrach die letzten Barriere seines Seins. Er fühlte, wie Kraft durch seinen Körper strömte. Er hob seine Hand und deutete auf den dunklen Reiter. "Verschwinde, Verdammter! Ich banne dich von diesem Ort."
Ein kalter dunkler Wind fuhr durch die Wogen und er fühlte, dass die Dunkelheit von diesem Ort wich. Glorfindel fühlte sich von einer Flut von Erinnerungen überrollt. Doch er spürte, dass er sich eilen musste. Zum ersten Mal seit langer Zeit begann er seine Umgebung richtig zu fühlen. Die Bäume, die Sträucher, die Steine. Einfach alles. Er spürte die Anwesenheit seiner Freunde förmlich und es war ihm jetzt ein Leichtes sie zu finden. Nach kurzer Zeit hatte er sie aufgespürt. Ananen schien zu spüren, dass Glorfindel sich verändert hatte und meinte: "Du scheinst dein wahres Ich nun wirklich gefunden zu haben. Ich freue mich für dich."
Glorfindel fühlte nun auch die Anwesenheit von Elrond und anderen. Sie begaben sich auf den Weg nach Imladris und innerhalb einer Stunde hatten sie es erreicht. Elrond und die Elben erwarteten sie schon, denn Elrond hatte gefühlt, dass jemand Mächtiges nach Imladris unterwegs war, hatte aber ziemlich spät erkannt, dass es Glorfindel war.
"Willkommen Glorfindel. Ich sehe, die Reise nach Lórien hat dich verändert. Ich hoffe, deine Erinnerung ist nun zurückgekehrt."
"Alae Elrond, ich grüße Euch. Wir kommen von einer langen und beschwerlichen Reise zurück und haben einen verletzten Dúnadan unter uns. Seine Wunden sind fast verheilt doch klagt er immer wieder über starke Schmerzen. Ich weiß nicht mehr, was ich tun soll. Vielleicht könntet Ihr Euch seiner annehmen. Denn ich spüre jetzt etwas Böses aus der Wunde strömen, welches vorher nicht vorhanden war und erst bei der Begegnung mit einem Diener Saurons hervortrat."
Glorfindel und Ananen stiegen ab. Ananen verneigte sich vor Elrond: "Ich grüße Euch, Herr Elrond des schönen Imladris. Lang habe ich mich danach gesehnt, hierher zu kommen um vielleicht Antworten über meine Eltern zu finden. Ich bin Ananen aus Lórien."
"Willkommen Ananen. Ich erinnere mich an Eueren Vater. Ihr seit ihm wie aus dem Gesicht geschnitten. Willkommen auch Euch, Galdaram von den Dúnedain. Und auch dir, Mara Tochter der Dúnedain", sprach Elrond in der gemeinsamen Sprache.
Dann befahl er einigen Elben dem mittlerweile sehr geschwächten Dúnadan ins Haus zu tragen. Glorfindel bedeutete Ananen ihm zu folgen. Sie führten ihre Pferde in den Stall. Mara rannte hinter den Elben her.
Nachdem Glorfindel und Ananen ihre Pferde versorgt hatten, begaben sich ins Haus. Dort erwartete sie ein junger Elb.
"Ich grüße euch, Reisende. Glorfindel, Ihr wollt sicher Euer altes Gemach haben?"
Als Glorfindel nickte fuhr er fort: "Ananen, ich werde Euch Euer Gemach zeigen. bitte folgt mir."
Glorfindel begab sich in sein Gemach und ließ sich auf sein Bett fallen. Er genoss die Anwesenheit alles Lebendigen, die er so lange vermisst hatte. Er genoss den Frieden dieses Ortes und die Ruhe, die er verströmte.
Nach einiger Zeit, als er die Glocken zum Abendessen hörte, erhob sich Glorfindel und wanderte gemächlich zurück ins Haupthaus. Die große Halle war nur für wenige gedeckt. Wahrscheinlich waren sie alle noch auf der Jagd oder überbrachten irgendwelche Botschaften. Glorfindel stellte sehr zu seinem Erstaunen fest, dass er seinen Platz neben Elronds Stuhl hatte und fühlte sich geehrt. Er war außer zwei jungen Elben und einem alten Zwerg alleine. Glorfindel nickte den Elben zu, er kannte sie schon, und begrüßte den Zwerg herzlich bevor er sich niederließ.
Elrond trat ein, gefolgt von den restlichen Elben, begrüßte alle recht herzlich und setzte sich links von Glorfindel auf seinen erhöhten Stuhl. Es waren wahrlich wenige Elben in Imladris am heutigen Tage, Glorfindel zählte nur 19 Elben und den alten Zwerg.
Ananen kam fast zu spät. Er stürmte herein, kurz bevor das Essen aufgetragen wurde. Er saß direkt neben Glorfindel. Während des Essens gab es lebhafte Unterhaltung über die Künste und einen jungen Elben, welcher anscheinend ein Lied über Earendil geschrieben hatte, welche die damals Anwesenden hellauf begeistert hatte. Glorfindel freute sich schon darauf dieses Lied zu hören. Er lauschte den Unterhaltungen und genoss es wieder an diesem schönen Ort zu sein.
Nach dem Essen erhoben sich alle Elben und begaben sich in die große Halle. Elrond nickte Glorfindel zu. Dieser stand auf und begann über das zu berichten, was passiert war. Danach erhob sich Ananen und berichtete von seinen Erlebnissen und schließlich sprach noch einmal Glorfindel und übergab Elrond das Schreiben der Frau Galadriel.
Elrond war auf einmal sehr schweigsam. Er sah sehr besorgt aus als er sich erhob und das Wort ergriff: "Liebe Freunde, es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Die Schwarzpelze werden sehr dreist im Moment, und wir müssen uns hüten. Ich habe Kundschafter in alle Richtungen gesandt, und einer von ihnen ist schwer verletzt worden und seine Botschaft ist verschwunden. Ich fürchte, dass die feindlichen Gebiete um Imladris sich gegen uns verbündet haben und wir bald mit offener Feindseeligkeit gegen uns rechnen müssen. Aber wir werden vorbereitet sein, wenn etwas kommt."
Ein Raunen ging durch die Reihen der Elben.
"Doch heute lasst uns fröhlich sein und jener Dinge harren, die kommen werden."
Dann begann ein Elbenbarde sein Lied über Earendil anzustimmen. Die Elben lauschtem ihm, und die Stunden verrannen, denn das Lied war sehr lang. Glorfindel fand es sehr schön. Danach gab es noch heftige Diskussionen über den Wert des Liedes.
Glorfindel begab sich in sein Schlafgemach und legte sich schlafen. Als er am nächsten Tag erwachte, fühlte er sich ausgelaugt und konnte sich nicht erklären, warum. Er schloss seine Augen und versuchte sich zu erinnern, was geschehen war.
Mit schweren Herzen erhob er sich und kleidete sich an. Danach begab er sich in die Halle um das Morgenmahl zu sich zu nehmen. Während er diesen Weg einschlug fühlte er instinktiv, dass etwas nicht stimmte. Seine Sinne waren auf das Äußerste konzentriert, und er fühlte die schlechte Nachricht bevor er sie hörte, als er die große Halle betrat. Er setzte sich an einen freien Platz und blickte in die Runde. Außer ihm waren alle Elben, die in Imladris verblieben waren, anwesend. Die Stimmung war erdrückend. Glorfindel sah sich um. Neben Elrond stand ein junger Elb, wahrscheinlich ein Botschafter. Elronds Miene war sehr düster und er blickte zu Boden. Als Glorfindel sich gesetzt hatte, hob er seinen Blick. Laut tönte seine Stimme durch die Halle: "Meine Freunde, ich muss euch eine schlechte Nachricht überbringen. Es scheint sich eine Armee auf unser geliebtes Imladris zuzubewegen. Und ich fürchte, dass uns harte Zeiten bevorstehen."
Ein Raunen ging durch die wenigen versammelten Menge. Glorfindel zog es das Herz zusammen. Von diesem Augenblick an wusste er, dass seine Träume Visionen waren, gesandt von den Valar, um ihm zu helfen. Die Valar, was war mit ihnen? Er wusste, dass er etwas tun musste, und zwar bald. aber was?
Glorfindel erhob sich und begab sich zu Elrond. "Elrond, ich muss dir von meinen Träumen erzählen, ich sehe jetzt, dass es Warnungen sind, die wir nicht ganz außer Acht lassen dürfen."
So erzählte er Elrond von seinen nächtlichen Erlebnissen. Während der Erzählung wurde sein Gesicht noch ernster und er flüsterte, nachdem Glorfindel geendet hatte: "Wir müssen etwas tun, einen Rat einberufen. Ich werde mich darum kümmern."
Damit erhob er sich.
(Martin)