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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Die Botschaft

Ajienna stolperte in wilder Flucht durch den Wald und warf immer wieder gehetzte Blicke über ihre Schulter zurück. Sie kämpfte sich durchs Unterholz, und endlich kam das ihr vertraute Heim in Sicht, die Hallen, in denen sie aufgewachsen war - und in denen sie Schutz finden würde. Im Wald - besonders hier, im Düsterwald - war sie ihren Verfolgern gegenüber zwar im Vorteil, aber es waren viele Männer, die ihr nach hetzten; und sie hatten stark ausgesehen, sehr stark.
Sie sprang über das letzte Gestrüpp und stand endlich vor dem schützenden Gebäude. Mehrmals hintereinander schlug sie heftig mit den Fäusten gegen das hölzerne Tor. „Aufmachen! Ich bitte euch, so macht doch auf und lasst mich herein!“
An einem kleinen Fenster über der Tür erschien eine Wache. „Nennt mir einen Grund, warum ich das tun sollte. Ihr seht nicht sehr vertrauenerweckend aus, und ich habe Anweisungen...“
„Wenn du mir nicht auf der Stelle das Tor öffnest, Elfroth, dann werde ich meine Freundschaft zu dir vergessen und dir den Schädel derart zertrümmern, dass du nachher nicht nur mich, sondern auch deinen Vater nicht wiedererkennst!“ Ajienna streifte ihre Kapuze ab und sah mit funkelnden Augen zu dem reichlich überraschten Elben auf.
„Meine liebe Elenûr!“ rief er, „warte nur einen Augenblick...“ Er verschwand vom Fenster, und Sekunden später öffnete sich das Tor. Ajienna stürzte hindurch und schloss es mit Elfroths Hilfe wieder. Sie lehnte sich keuchend dagegen.
„Ich hätte deine Augen gar nicht erst sehen müssen,“ sagte Elfroth und kam näher an sie heran, „dein Temperament verrät dich, was immer du auch tust.“
Ajienna lächelte. „Ich freue mich, dich zu sehen, Elfroth.“ stieß sie hervor und fiel ihm um den Hals. Der Elb erwiderte ihre Umarmung.
„Du bist sehr erhitzt, Elenûr“, murmelte er und strich ihr eine einzelne Haarsträhne aus der Stirn.
„Das wärest du auch, wenn du über mehrere Meilen von einem Haufen großer, finster aussehender Männer verfolgt worden wärest.“ Ajienna löste sich aus der Umarmung und ging voran in den Gesellschaftsraum. Elfroth folgte ihr.
„Was hat dich geschreckt: Dass es Männer waren oder dass es Menschen waren?“ fragte er belustigt.
Ajienna fuhr herum, und ihre Augen funkelten den Elben zornig an. „Fang' du nicht auch noch an! Ich bin geflüchtet, weil es mindestens ein halbes Dutzend Männer waren und weil sie sehr groß und sehr stark und sehr kampflustig aussahen. Mein Volk ist ein seltsames und hässliches Volk, aber deshalb ist längst nicht jeder Mensch gefährlich! Und was das Geschlecht meiner Verfolger angeht: Ich werde dir gerne zeigen, was ich mit einem einzelnen Mann mache, der mir nicht gefällt...“ Sie trat drohend auf Elfroth zu.
Dieser hob lachend die Hände: „Erbarmen! Ich will es in diesen friedlichen Hallen nicht auf einen Kampf ankommen lassen!“ Ajienna fiel in sein Lachen ein, aber der Elb wurde schnell wieder ernst.
„Elenûr... Warum läuft im tiefsten Düsterwald ein ganzer Trupp Menschen hinter dir her?“ In sein schönes Gesicht stand ehrliche Sorge geschrieben. „Worauf hast du dich bloß wieder eingelassen?“
„Eigentlich auf einen scheinbar harmlosen Botengang für die Herrin von Lórien. Aber hinter der Sache muss mehr stecken... Auch ihre Botschaft war sehr seltsam - sie hing mit ihrem Spiegel zusammen.“
Elfroth stutzte, und er sah Ajienna mit erstaunten Augen an. „Der Spiegel? Was hat sie über ihn gesagt?“
Ajienna schüttelte den Kopf. „Du weißt, dass ich dir das nicht sagen kann. Aber die Sache scheint wichtiger zu sein, als ich dachte, und ich werde aufbrechen, sobald der Wald mir wieder sicher erscheint. Kann mir ein Schlafgemach für eine oder zwei Nächte hergerichtet werden?“
Elfroth sprang erschrocken auf. „O weh! Vor lauter Wiedersehensfreude habe ich ganz vergessen, deine Ankunft zu melden! Selbstverständlich werde ich dich sofort zu König Thranduil führen!“
„Das hätte ich jetzt sowieso als nächstes erbeten,“ lachte Ajienna, „also eile dich! Gemeldet werden muss ich meinem liebsten aller Könige wohl kaum. Komm', führe mich zu ihm!“
„Er ist in einer Beratung mit seinem Sohn...“ begann Elfroth.
„Umso besser! Auch Legolas möchte ich wiedersehen!“ unterbrach ihn Ajienna, nahm seine Hand und lief voraus, zu den Privatgemächern des Königs. Sie klopfte, wartete bis ein „Tretet ein!“ ertönte und öffnete vorsichtig die Tür. Thranduil und Legolas saßen nebeneinander und hatten den Blick zur Tür gewendet.
„Elenûr! Gwadhel!“ rief Legolas und erhob sich, „Mae Govannen!“
„Mae Govannen, Legolas“, lächelte Ajienna und verbeugte sich kurz, „Mae Govannen, Thranduil. Ich wollte um Quartier für die Nacht bitten.“
„Dein Quartier sollst du haben“, sagte der König. Er stand ebenfalls auf und strich Ajienna über das Haar. „Nicht nur ein bloßes Nachtlager sollst du haben, sondern auch dein bestes Abendessen seit langer Zeit. Aber was führt dich zu uns? Nie würdest du nur aus Vergnügen kommen, dafür hättest du niemals die Zeit.“
„Ihr seid wie immer im Recht“, antwortete Ajienna, „und es tut mir leid, dass ich nie nur zum Vergnügen hier sein kann. Ich kam mit einem Auftrag von der Herrin von Lórien, und unterwegs wurde ich von einer Gruppe finsterer Männer angegriffen, die offensichtlich verhindern wollten, dass meine Botschaft jemals ankommt. Ich suchte in diesen euren Hallen Schutz.“
„Es muss eine wichtige Botschaft gewesen sein“, erwiderte Thranduil und wandte sich dem Fenster zu, „für wen war sie bestimmt, dass sie dich durch Düsterwald führt?“
„Für die Zwerge des Nordens.“
„Für die Zwerge?!“ rief Legolas, und der König fuhr herum.
„Was hat Galadriel mit diesem Volk zu schaffen?“ fragte er, und sein Blick war
plötzlich hart geworden, „seit wann geben sich weise Elben edlen Geblüts mit
dem Volk der Steinhauer ab?“
„Thranduil, ihr tut den Zwergen unrecht“, begann Ajienna vorsichtig, „sie sind zwar seltsame, aber keine üblen Leute. Sie denken nur auf eine andere Weise als ihr. Jedenfalls möchte die Herrin von Lórien ihnen eine Botschaft zukommen lassen, die auch für mich und Düsterwald wichtig werden könnte.“
„Darfst du mir ihren Inhalt verraten?“ fragte der König mit etwas sanfterer Stimme. Ajienna warf Elfroth einen vorsichtigen Blick zu. Dieser verstand, trat aus dem Zimmer und schloss leise die Tür.
„Einzelheiten werde ich nicht nenne“, begann Ajienna zögernd, „nur soviel: Es scheint um die Drachen im Norden zu gehen- und um Angmar. Da ist etwas, was Galadriel in ihrem Spiegel gesehen hat, was mit beidem in Zusammenhang steht. Ich weiß nicht viel mehr, und ich glaube, sie selber auch nicht - aber ich soll die Zwerge im Norden warnen, und genau das werde ich tun. Und selbst wenn da draußen ein ganzes Heer von großen, finsteren Männern mit Orks an ihren Rockschößen herum laufen sollte - ich werde meinen Auftrag erfüllen und den Zwergen die Botschaft zukommen lassen!“ Ihre Augen funkelten zornig.
„Beruhige dich, Elenûr“, sagte Legolas sanft und nahm sie bei der Hand, „du bist sicher müde und willst dich vor dem Abendessen noch etwas ausruhen. Und ich werde dir neue Kleider bereitlegen lassen- Waldläuferkluft ist nicht das Richtige für diese Hallen.“
Thranduil nickte. „Elfroth!“ rief er mit lauter Stimme, und die Tür öffnete sich.
„Ihr wünscht, mein König?“ fragte der Elb.
„Bringe Elenûr in ihr Schlafgemach. Und dann weise die Köche an, ein Festmahl für heute Abend vorzubereiten.“
Elfroth verbeugte sich und schloss leise die Tür. „Komm mit mir.“ sagte er. Erst jetzt merkte Ajienna, wie sehr sie die Jagd wirklich ermüdet hatte, und ohne ein Wort ließ sie sich von Elfroth in ihr Gemach führen, legte sich, ohne sich ihrer Kleider zu entledigen, ins Bett und fiel sofort in tiefen Schlaf.
(Marisa)