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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein Splitter im Herzen
Die Nacht war in Rhaz-gard eingekehrt und alles schien friedlich und still. Die wahrscheinlich einzig wache Person war der Ork Erijsch, der Wächter des Südtores. Bei der Schlacht gegen die Zwerge hatten die Orks zwei der drei Tore zerstört, nur eben das Südtor, das kleinste, war übriggeblieben. Die Orks hatten nach ihrem Sieg die Tore keineswegs neu aufbauen lassen, sondern mit Geröll verschloßen um die Stadt leichter vor Feinden beschützen zu können. Erijsch fand es ziemlich ungerecht, dass er als einziger die Nacht durchwachen musste, während die anderen friedlich schlafen durften. Aber er und auch sonst niemand hätte es gewagt Garzôk, dem neuen Stadtherrscher zu wiedersprechen. Schließlich hatte sich dieser nach der Eroberung von Rhaz-gard stark verändert, seine Aura war gebieterischer und angsteinflößender als je zuvor. Auch empfand Garzôk keinen Skrupel seine eigenen Leute zu erschlagen, wenn sie ihm auch nur in den kleinsten Punkten wiedersprachen. Erst vor einer Woche hatte es Kâtlosh erwischt, den engsten Berater von Garzôk. Kâtlosch war bei der Frage um die Sicherheit der Stadt anderer Meinung gewesen, also hatte ihm der neue Herrscher kurzerhand den Kopf abgesäbelt.
Nein, so wollte Erijisch nicht enden. Trotzdem war er zuversichtlich, dass Garzôk heute Nacht keine Kontrolle durchführen würde, ob der Wächter auch fleißig seine Arbeit verrichtete. So also schlief Erijisch friedlich auf seinem Wachposten ein.
Nach gut einer Stunde erwachte er wieder. Er wusste nicht warum, denn kein Geräusch hatte ihn geweckt, da war er sich sicher. Aber er zittere und bebte furchtbar, sowohl aus Kälte als auch aus Angst. „Was ist nur los mit mir?“ dachte er sich und überlegte ob er vielleicht an etwas erkrankt war. Plötzlich richtete er sich auf und lugte nach draußen ohne jeden ersichtlichen Grund, aber etwas in ihm verlangte danach. Er fing an zu keuchen. Da war tatsächlich jemand draußen, ein in schwarz gekleideter Reiter mit einer Kapuze die ihm das Gesicht verdeckte und hinter ihm....um die zwanzig Gestalten zu Fuß, ebenfalls schwarz vermummt. Erijisch geriet in Panik: was sollte er bloß machen?
„Ich weiß, dass du mich siehst!“ fauchte eine Stimme.
Der Wächter zuckte zusammen.
„Nun mach das Tor auf!“ sprach die Stimme und es lag ein Ton in ihr, dem kein sterbliches Wesen widersprochen hätte. So öffnete er zitternd das Tor und die dunklen Gestalten betraten langsam die Stadt, allen voran der Reiter. Er blickte sich um und sagte dann zum Wächter: „Snaga, hole deinen Herrn, denn ich bin gekommen um das zu holen, was Angmar zusteht. Erijisch ließ sich das nicht zweimal sagen, er wollte nicht eine Sekunde länger bei dieser furchteinflößenden Gestalt und seinen Gefolgsleuten verweilen. Er ahnte schon, wer dieser Fremde war. Seit Monaten kursierten verschiedene Gerüchte über einen schwarzen, gesichtslosen Reiter, dem die Orks unterstellt waren und der eines Tages alle in Rhaz-gard vorhandenen Schätze abholen würde. Der Wächter überlegte, ob der Mann wirklich kein Gesicht hatte, es war zu dunkel gewesen um etwas zu erkennen. Wie auch immer, er musste Garzôk wecken, koste es was es wolle. Er erreichte den Königspalast und fing wie wild an die kostbare Tür zu hämmern. Es dauerte eine Weile bis sie sich öffnete und heraus trat Zulan, der Nachfolger von Kâtlosch. „Bist du wahnsinnig?“ flüsterte er. „Willst du etwa Garzôk wecken? Wieso hast du überhaupt deinen Posten verlassen?“
„Sag Garzôk, dass ein Reiter gekommen ist!“ sagte Erijisch ängstlich.
„Was für ein verdammter Reiter?“
„Ein Reiter in Schwarz!“
Zulan erbleichte. „Ich....ich hole ihn.“ stammelte er und verschwand wieder im Palast. Kurze Zeit später kam Garzôk heraus, und er wirkte sehr unsicher. Der Wächter bemerkte, dass sein Anführer seinen Ring nicht am Finger hatte, sowie üblich.
„Wo ist dieser Reiter?“ fragte Garzôk nervös.
„Beim Tor.....!“ wollte Erijisch antworten, wurde aber von Schritten hinter ihm unterbrochen. Der Fremde war vom Pferd hinabgestiegen und näherte sich mit seinen finsteren Gesellen Garzôk.
„Du weißt warum ich hier bin, Ork!“ zischte der Reiter.
Garzok senkte den Kopf und sprach ganz leise: „Die Schätze, die du suchst sind in der Schatzkammer.“
Der Reiter murmelte seinen Begleitern etwas zu und sofort marschierten diese mit leeren Säcken in den Palast.
Garzôk schwieg die ganze Zeit über, er hatte einfach Angst, wie alle anderen auch.
Nach einer Weile kam das Gefolge des Reiters zurück, jeder trug auf dem Rücken einen Sack voller Gold und anderen Wertgegenständen. Wieder murmelte ihnen der Fremde etwas zu und so gingen sie wieder zurück zum Tor. Der Reiter blieb und starrte Garzôk an, der versuchte dem Fremden nicht in die leere Kapuze zu blicken. Plötzlich zog dieser ein schwarzes Schwert unter seiner Kleidung hervor und fauchte Garzôk an: „Du Narr! Für wie dumm hältst du mich? Glaubst du wirklich, dass du mich, Khamul hintergehen kannst? Gib mir den Ring, Snaga, oder deine Tage sind gezählt!“
Garzôk steckte die Hand in die Hosentasche und holte den Ring hervor.
„Sehr gut, Snaga!“ zischte der schwarze Reiter.
Garzok grinste ihn finster an und steckte sich den Ring an den Finger. Dann riss er Zulan das Schwert aus der Hand und schrie: „Wir werden noch sehen, wer hier ein Snaga ist!“ Mit diesen Worten griff er den Fremden an. Doch dieser parierte mühelos den ersten Hieb und schlug dem Ork die Hand samt Schwert ab. Garzok stürzte jammernd zu Boden und versuchte den Blutfluß zu stillen.
Der schwarze Reiter bückte sich und zog der abgeschlagenen Hand den Ring vom Finger. Um die beiden hatte sich inzwischen eine Menge von neugiriegen Orks gebildet, die viel zuviel Angst hatte ihrem Anführer zu helfen. Der schwarze Reiter holte plötzlich unter seinem Mantel einen Dolch hervor und rammte ihn Garzôk mitten ins Herz. Dieser keuchte auf und krümmte sich vor Schmerzen. Der Fremde zog die Waffe langsam wieder heraus und steckte sie ein. Die Spitze war abgebrochen und steckte scheinbar noch in Garzôks Herzen. Dann beugte er sich über Garzôk und flüsterte ihm ins Gesicht: „Hör genau zu, Snaga! Du bist jetzt mein Sklave und hiermit ernenne ich dich vorläufig zum Statthalter von Angmar in Rhaz-gard. Und das ist schon mehr, als du verdienst!“
Mit schnellen Schritten begab er sich zum Südtor, schwang sich auf sein Pferd und verließ eiligst mit samt seinen Gefährten und allen Schätzen die Stadt. Zurückblieben die verdutzten und verwirrten Orks, die überhaupt keine Ahnung hatten, was jetzt zu tun war. Garzôk lag nur winselnd am Boden und hielt sich mit seiner verbliebenen Hand an der Brust. Schließlich ergriff Zulan Kommando und sagte zu ein paar hermstehenden Orks: „Bringt Garzôk in den Palast und legt ihn in ein Bett! Bemüht euch, dass er nicht verblutet!“ Dann wandte er sich zu Erijisch. „Und du Wächter, gehe wieder auf deinen Posten, wir sprechen später über deine Verantwortungslosigkeit!“ Erijisch wusste, dass Ärger auf ihn zukommen würde, aber in dem Moment war es ihm egal. Er spürte nur, dass die Kälte von ihm gewichen war und er fragte sich wahrscheinlich das gleiche, wie jeder andere Ork in Rhaz-gard: Wie hatte Garzôk einen Dolchstich mitten ins Herz überleben können?
Dies war mehr als unheimlich und der Wächter ahnte schon, dass der Dolch des schwarzen Reiters keine gewöhnliche Waffe gewesen war. Aber da Orks nicht unbedingt zum Denken geschaffen waren, nickte Erijisch kurze Zeit später wieder ein und vergaß die Ereignisse der heutigen Nacht für einige Stunden.
(Krystian)