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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein freudiges Wiedersehen
Ein eiskalter Wind pfiff durch das Nebelgebirge, vermischt mit Hagelkörnern und Schnee. Der Mond erhellte das Gebiet um die Zwergenstadt Rhaz-gard, als eine Gestalt auf einem Pony durch den vereisten Wald brach und schließlich kurz vor der Stadt anhielt. Die Gestalt war ein Zwerg, ein Kleinzwerg um genauer zu sein, von denen nur noch sehr wenige in Mittelerde lebten. Er strich sich den Schnee aus seinem langen, grauen Bart und stieg vom Pony herab, welches schwer mit einem Sack voller Pfeifenkraut beladen war. Derint, so lautete der Name des Kleinzwergs, war schon sehr alt, um die 200 Jahre, und hatte einen weiten Weg hinter sich. Als er sich in Richtung Osttor begab, hörte er plötzlich ein Geräusch, welches aus der Westfelswand von Rhaz-gard zu kommen schien. Derint zuckte zusammen und versteckte sich hinter einem toten Busch, zog ein kleines Beil und starrte gebannt auf die Felswand vor ihm. Es knackte leise, als sich langsam ein Felsen zur Seite schob. Plötzlich huschten drei Zwerge hinaus.
Derint erschauerte leicht. Er hatte selbst viele Jahre in der Zwergenstadt gelebt, aber von diesem geheimen Weg wusste er nichts. Er vermutete, dass diese Gestalten Diebe oder Mörder waren, und deswegen entschloss er sich, sie zu stellen. Der alte Kleinzwerg war keineswegs tapfer (gehässige Leute meinten, er wäre ein Feigling), aber es war schließlich keine schwere Aufgabe Diebesgesindel von hinten zu stellen. Derint hob sein Beil, schlich sich auf Zehenspitzen hinter die vermeintlichen Diebe heran und rief mit fester Stimme : „Lasst eure Waffen fallen, denn ich schwöre euch, wenn ihr eine falsche Bewegung macht, schlage ich euch die Köpfe ab und werfe eure Kadaver eigenhändig den Wölfen zum Fraß vor!“
Er war überrascht, wie gut seine Worte wirkten, denn die Zwerge ließen augenblicklich ihre Waffen fallen und warfen sich wimmernd auf den Boden. Ein wenig Stolz durchflutete Derint, da er noch in seinem Alter Angst in einem Gegner auslösen konnte.
Unglücklicherweise bemerkte er den Stein nicht auf dem er stand. Der Stein war durch den harten Winter mit einer dicken Eisschicht überzogen und als der Kleinzwerg sich die Diebe mal näher ansehen wollte, rutschte er aus und schlug mit dem Kopf auf den Steinboden. Alles fing an sich zu drehen und als sich schließlich das Bild vor Derints Augen beruhigt hatte, standen die Zwerge vor ihm. Sie hatten ihre Äxte an sich genommen und hatten ihn umkreist. Derint verfluchte innerlich seine Dummheit und wartete auf die Axt. Aber sie kam nicht. Einer der Zwerge nahm ein trockenes Stück Holz und zündete es an.
Die Zwerge bekamen große Augen und brachen in schallendes Gelächter aus. Der größte Zwerg packte Derints Hand und half ihm auf die Beine. Derint klopfte den Schnee aus seinen Kleidern und blickte in die grinsenden Gesichter der drei Zwerg. Nun war der Kleinzwerg an der Reihe erstaunt zu sein. Er hatte Diebe, Mörder, Räuber erwartet, aber keine alten Bekannte. „Ihr seid es tatsächlich! Malin, Gralin und Droin! Ich hätte euch kaum wiedererkannt, ihr seid ja furchtbar gewachsen!“ rief er erfreut.
„Dafür haben wir dich sofort erkannt, Derint“ erklärten die Zwerge. „Aber sag, was tust du hier?“
„Nun, wisst ihr, ich möchte wieder nach Rhaz-gard ziehen. Ich wollte eigentlich nie weggehen, aber ich konnte Grîm nicht verlassen. Er selber ist jetzt ebenfalls das Leben in der Schmiede satt, und er wird mir bald nachfolgen.“
Plötzlich wurde Droins Miene ernst, als er sprach: „Es freut mich, dass ihr wiederkehrt, trotzdem ist es ein schlimmer Zeitpunkt für ein freudiges Wiedersehen.“
„Vielleicht ist es sogar ein Geschenk des Himmels meinte!“ meinte Malin. „Wer weiß, vielleicht wird Grîm das Blatt wenden. Er war ja einst der Heerführer von Rhaz-gard. Wann wird dein Bruder dir nachfolgen, Derint?“
„Grîm war sich vor meiner Abreise nicht sicher. Er meinte frühestens im Sommer, denn er muss noch einen tüchtigen Nachfolger für die Schmiede finden.“
„Oh, weh!“ sagte Malin bestürzt. „Dann wird es bereits zu spät sein!“
„Für was zu spät sein?“ fragte Derint verwirrt. „Und was treibt ihr eigentlich um diese Zeit hier draußen?“
„Kommt, setzen wir uns!“ sprach Gralin.
Als alle Platz genommen hatten fing er an zu erzählen, über den Orktrupp, welchen die Späher vor einem Tag entdeckten und wie Khamlan mit einer brillanten Falle die Orks in die Flucht schlug. „Dies ist allerdings nicht das Problem, mein Freund. Khamlan meint, dass die Gefahr jetzt gebannt sei, was kompletter Schwachsinn ist. Rhaz-gard steht kurz vor dem Untergang, denn die Orks werden wieder kommen. Prinz Hamlan hat uns losgeschickt, um Hilfe im Tal zu holen, auch wenn wir wahrscheinlich zu spät ankommen werden.“
„Wenn du meinen Rat hören willst“, sagte Malin schließlich, „Komm mit uns! Rhaz-gard wird einem weiteren Orkangriff nicht standhalten. Es wäre reine Torheit auch nur einen Tag in der Stadt zu bleiben! Bitte Derint komm mit uns! Rhaz-gard ist verloren.“
Derint war entsetzt und doch konnte er sich nicht durchringen, das zu glauben, was er hörte. Sollte dieser lange Weg, die Vorfreude seine alten Freunde wiederzusehen umsonst gewesen sein? Unter anderen Umständen wäre Derint den drei Zwergen gefolgt, aber heute war er hungrig, durstig und müde und dachte gar nicht daran noch weiter zu gehen.
„Tut mir leid, aber ich werde nicht mit euch gehen. Ich kann eure Sorgen verstehen, aber ich halte sie dennoch für unglaubwürdig. Vertraut eurem König, er weiß was er tut, denn er ist ein weiser Mann.“
„So sei es!“ sagte Droin traurig. „Dann tu uns wenigstens einen letzten Gefallen: Erzähl bitte König Khamlan nichts von unserem Aufbruch! Wir wollen nicht, dass Prinz Hamlan Ärger bekommt“.
„Ich verspreche euch, dass ich niemandem etwas sagen werde. Lebt wohl!“
„Leb wohl, Derint! Ich hoffe wirklich, dass Prinz Hamlan sich irrt und wir uns in besseren Zeiten wieder sehen werden!“
Derint blickte den Zwergen nach, bis die Dunkelheit sie verschluckte. Dann pfiff er nach seinem Pony, welches gemütlich heran trabte und hingebungsvoll gähnte. Er bestieg es und ritt zum Osttor hin. Das Osttor war eines der drei Tore in Rhaz-gard, ein altes Holztor, kein magisches, aber es war Derint am liebsten, denn ein Freund von ihm, Dlodrin, war hier einst Wächter gewesen.
Der jetzige Wächter erwachte aus einem tiefen Schlaf, als er jemanden am Tor klopfen hörte. Sofort sprang er auf und blickte durch den Sehschlitz. „Wer ist da?“ fragte er.
Er sah eine kleine Gestalt auf einem Pony, aber es war zu dunkel, um das Gesicht erkennen zu können. Er fragte nochmals, wer da sei, und diesmal erhielt er eine Antwort.
„Ich bin Derint, der Sohn des Dfarm, aus der Sippe des Mîm, Bruder des Grîm, einstiger Berater des Königs, ehemaliger Stadtverwalter von Rhaz-gard und ich bitte um Einlass.“
Derint musste schmunzeln, so stelle er sich eigentlich selten vor, aber es verfehlte seine Wirkung nie. Der Kleinzwerg hatte den Wächter längst erkannt, es war Flodrin, Dlodrins Sohn. Als er damals die Stadt verließ war Flodrin noch sehr jung gewesen, aber Derint erkannt ihn trotzdem noch an der Stimme.
Flodrin machte keine Anstalten das Tor zu öffnen, er war noch ziemlich verwirrt von Derints Vorstellung. Schließlich wurde es Derint zu dumm.
„Mach das Tor auf, Flodrin!!“ rief er.
„Was... Woher!“ stammelte Flodrin. „Woher kennst du meinen Namen?“
Genau auf die Reaktion hatte Derint gewartet. „Ein alter Freund deines Vaters bin ich und selbst bei deiner Geburt war ich dabei!“ lachte der alte Kleinzwerg.
Flodrin zündete etwas verunsichert eine Fackel an und versuchte das Gesicht der Gestalt zu erkennen.
„Derint!!“ schrie er. Flodrin stieß das Tor auf und Derint ritt herein.
Der alte stieg herab und sah sich um. „Hat sich nicht allzu viel verändert, meine ich!“ sagte Derint.
Flodrin blickte ihn entgeistert an. „Was tust du hier? Seit Jahren haben wir dich und Grîm nimmer gesehen?“ Derint erzählte ihm von seinen und seines Bruders Plänen, was Flodrin zu erfreuen schien.
„Ich werde dich zum König geleiten, Derint!“ sagte Flodrin.
„Und das Tor unbewacht lassen?“ Derint schmunzelte. „Keine Sorge, ich finde den Weg schon alleine. Wir sehen und dann morgen!“
Flodrin verabschiedete sich und nahm wieder am Wachtposten Platz.
Derint band das Pony beim Tor an, und nahm den Weg ins Stadtzentrum von Rhaz-gard. Auf dem Weg betrachtete die schönen, feinen Wohnhöhlen, die großen Monumente der Stadt, wie das Mausoleum der Könige, der Ort an dem die Könige begraben wurden. Er ritt zum Tempel des Aule und danach zu den Bergwerken und den Schmieden. Und schließlich gelangte er zum Königspalast. Mitten in den Berg war eine riesige Höhle eingemeißelt worden und da drinnen stand der Königspalast, verziert mit Gold und Edelsteinen. Der Königspalast war bei der Gründung der Stadt errichtet worden, von Rhamaldan, dem Grossen.
Derint staunte nicht schlecht, als er bemerkte, dass der Palast noch schöner und noch viel reicher geschmückt war, als er es in Erinnerung hatte. Er schritt zum Tor des Palastes, welches völlig aus Silber bestand. Da standen sie, Drîm und Hunjark, die Söhne seines Bruders Grîm, die damals Rhaz-gard nicht verließen und den Beruf der Palastwache wählten. Die Palastwache war in der Stadt sehr angesehen und gehörte zu den ehrenvollsten Berufen in Rhaz-gard, denn sie galten als Leibgarde des Königs. Drîm erkannte Derint schon vom weiten und machte seinen Bruder darauf aufmerksam. Die beiden schrien auf vor Freude und umarmten ihren Onkel.
„Seid ihr auch schön fleißig, Neffen?“ sprach Derint amüsiert.
„Ist dies nur ein kurzer Besuch oder ist es das was ich hoffe?“ fragte Hunjark, der jünger der beiden.
„Wenn du hoffst, dass euer Vater und ich nach Rhaz-gard ziehen werden, dann Ja!“ sagte Derint.
„Sag, wo ist Vater eigentlich?“
„Er kommt in ein paar Monaten nach!“ erklärte Derint.
Grîms Söhne blickten etwas enttäuscht drein. „In ein paar Monaten? Schade, aber Hauptsache du bist da!“ sagten sie.
„Warte kurz!“ rief Drîm. „Ich werde den König benachrichtigen, selbst wenn ich ihn bei seinen Selbstgesprächen stören muss!“
„Nanana!“ tadelte Derint ihn. „Er ist immer noch der König und er war immer gut und gerecht! Aber gut, benachrichtige ihn!“
Nach einiger Zeit kehrte Drîm zurück. „Seine Majestät empfängt dich im Thronsaal!“
Der alte Kleinzwerg trat in den Palast und öffnete die goldene, reich verzierte Tür des Thronsaals. Der Saal war lang und reich geschmückt und am Ende stand der silberne, mit funkelnden Edelsteinen verzierte Thron, auf welchem der alte Khazâdkönig saß.
„Meine Augen täuschen mich nicht!“ sagte der König. „Tatsächlich, Derint, mein alter Stadtverwalter. Du hättest uns zwar eine Botschaft über deine Ankunft schicken können, aber was solls. Du bist sicher müde und hungrig. Ich habe nach einem bescheidenen Mahl geschickt!“
Derint verneigte sich und sprach: „Gewiss mein König! Aber zuerst möchte ich euch ein kleines Geschenk überreichen!“
Derint legte dem König den Sack voller Pfeifenkraut vor die Füsse. „Feinstes Pfeifenkraut aus dem fernen Lande der Halblinge!“
König Khamlan hob den Sack auf und roch an dem Kraut. „Herrlich! Dies habe ich, glaube ich, mehr vermisst als dich!“ scherzte er.“ Hast du auch eine Pfeife?“ Derint zog eine kleine Pfeife unterm Mantel hervor.
Dann setzten sie sich zu Tisch und Prinz Hamlan trat mit einer kurzen Verbeugung herein, sich ebenfalls dazusetzend.
Die Diener brachten das „bescheidene“ Mal, welches für mindestens zehn Personen gereicht hätte. Derint berichtete dem König von seinen und Grîms Plänen in die Stadt zu ziehen, was den König scheinbar freute. Khamlan hob sein Glas Wein und sprach: „Stoßen wir an, denn es gibt zwei Gründe zum Feiern! Erstens, da meine guten, alten Freunde wieder nach Rhaz-gard zurückkehren werden, und zweitens wegen unserem glorreichen Sieg über die Orks!“
„Das war kein Sieg! Nimmst du die Orks überhaupt nicht ernst? Nur weil die Hälfte tot ist, heißt das noch lange nicht, dass wir sie vertrieben haben! Wir könnten jetzt uns auf einen weiteren Angriff vorbereiten, anstatt hier Wein zu schlürfen!“ schrie Prinz Hamlan wutentbrannt.
König Khamlans Gesicht wurde rot. „Was fällt dir ein?? Ich bin hier der König und ich treffe die Entscheidungen! Verschwinde, ich will dich für heute nicht mehr sehen!“
Prinz Hamlan stand auf, verbeugte sich steif vor Derint und verließ den Thronsaal. Der König blickte ihm nach und schüttelte den Kopf. „So ein Schwarzmaler, unglaublich! Du glaubst doch diesen Humbug nicht, oder?“
„Nicht wirklich, mein König!“ antwortete Derint. „Wenn ihr gestattet, ich werde mich in ein Gemach zurückziehen, die Reise war sehr anstrengend.
„Jaja, geh schon!“ sagte der König grimmig. Derint begab sich in ein für ihn vorbereitetes Zimmer und warf sich todmüde ins Bett.
(Krystian)