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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Ein sinnloses Gespräch

Warum brauchen wir denn überhaupt eine Torwache, wenn hier nie auch nur eine Menschenseele aufkreuzt? Welchen Sinn hat diese Arbeit überhaupt? Und warum wollte ich früher unbedingt Torwache werden? Fragen über Fragen, und diese stellte sich der Zwerg Griwin nun. Langsam streichelte er seinen langen grauen Bart und seufzte. Wahrscheinlich war das der langweiligste Job, den es gab. Einfach nur herum sitzen und auf etwas warten, das vermutlich nie eintreffen würde. Griwin beobachtete den kleinen Bach, der in der Nähe des Tores entsprang. Eigentlich gab es dort auch nicht Interessantes zu sehen, außer kleiner Blätter und Zweige, die langsam den Berg hinunter trieben. Na ja, in einer Stunde würde seine Ablösung kommen, dann konnte er es sich für den Rest des Tages gemütlich machen. Ja, nur eine Stunde noch. Dann hörte Griwin ein Geräusch und zuckte zusammen. Wie gebannt starrte er den Weg entlang, der zum Haupttor führte. Aber dort war nichts. Es war nichts zu sehen, nicht einmal ein auffälliger Schatten. Aber er war sich vollkommen sicher, sich dieses Knacken nicht eingebildet zu haben. Noch weitere drei Minuten lang beobachtete er den Weg, bis er sich völlig sicher war, dass es nur eine Einbildung war. Er konnte sowieso nur einen minimalen Teil des Weges sehen, weil er schon bald nach dem Tor eine starke Biegung nach links machte. Schon bald hatte er das wieder vergessen und beobachtete die Blätter im Bach.
„Mae govannen!“, sagte da jemand direkt vor Griwin, und als er aufsah, bemerkte er, dass eine jung aussehende Frau den Berg erklommen hatte, ohne auch nur ein leisestes Geräusch zu machen (mal abgesehen von diesem Knacken).
„Guten Tag“, erwiderte er. „Zu Diensten!“
„Guten Tag, wie ich schon sagte. Ich nehme an, Ihr sollt auf das Tor aufpassen.“
„Äh, ja.“ Griwin wurde rot, es war geradezu peinlich, dass er die Frau nicht kommen sah. „Wie Ihr seht... Was wollt Ihr?“
„Ich bin Ajienna Sternenseele, und ich möchte Euren König sprechen.“
„Gut, was wollt Ihr von ihm?“
„Ich soll ihm eine Botschaft überbringen.“
„Wartet hier. Ich sage ihm, Ihr wollt ihn sprechen. Ich bin gleich wieder da. Wartet hier solange.“
„Also gut.“
Er machte sich auf den Weg zur großen Halle. Durch lange, aber hellerleuchtete Stollen und riesige Hallen musste er gehen, um dorthin zu gelangen. Dort angekommen, sah er seinen König auf dem steinernen Thron sitzen.
„Eine Frau wünscht Euch zu sprechen, Larin mein Herr“, sagte der grünäugige Griwin zu Larin, dem König von Zîrak-Dûsh , indem er über seinen langen Bart strich.
„Eine Frau? Ist es wichtig?“
„Ich glaube schon, Herr. Sie sagte es handle sich um eine sehr wichtige Angelegenheit, die sie Euch sagen möchte.“
Nach kurzer Zeit sprach Larin: „Na gut, lass' sie herein kommen. Wenn es wirklich so eine wichtige Angelegenheit ist, wie sie sagt, sollten wir sie uns anhören.“
„Jawohl, Herr. Ich werde sie holen.“ Griwin verließ die steinerne Halle und ging nach draußen zu Ajienna: „Ihr könnt mir nun folgen.“
„Na endlich.“
Ein verlegenes Schweigen entstand. Griwin wollte Ajienna unbedingt in ein Gespräch verwickeln, wusste aber nicht, was er sagen sollte, also verwarf er die Idee und blieb auch weiterhin stumm. Er ging los und Ajienna folgte ihm.
Schließlich begann Ajienna: „Wie ist denn Euer König so?“
„Unser König? Sehr alt“, antwortete Griwin, „wirklich sehr alt und mindestens ebenso weise.“ Und das war auch seine ehrliche Meinung über Larin.
„Ich nehme an, er hat viel von der Welt gesehen.“
„Nein, nicht viel. Früher, als ich noch ein kleines Kind war, wanderte er manchmal im Tal umher, aber auch das geschah nur selten. Die meiste Zeit über war er hier im Herzen dieses Berges, keiner hat je alles hier gesehen, dafür ist dieser Berg zu groß und unser Leben zu kurz, aber ich bin mir sicher, er hat alles gesehen. Aber schon seit langem kauert er nur noch auf seinem Thron. Er ist schon sehr alt, wie ich sagte, und sehr gebrechlich.“
„Wahrscheinlich versteht er sich gut mit Mithrandir, oder Tharkûn, wie Ihr ihn nennt.“
„Er hält nicht viel von den Istari. Ich würde mich hüten, sie vor Larin zu erwähnen. Er wird sehr zornig, wenn jemand behauptet, sie wären etwas besseres, als Zwerge.“
Nun waren sie schließlich wieder in der Halle, die mitten im Herzen des Berges lag, angelangt. Griwin sah Larin tief in Gedanken versunken auf seinem Thron kauern. Einige Augenblicke lang sah er seinen König mit gemischten Gefühlen an, dann fragte er: „Herr?“
Larin schreckte aus seinen Gedanken hoch, starrte Griwin zuerst einige Sekunden verstört an, bis er sich an Griwins Bericht erinnerte. „Wie lautet Euer Name und wer schickt Euch?“, fragte Larin Ajienna und musterte die Frau misstrauisch.
Ihre Augen funkelten, als sie antwortete: „Mein Name ist Ajiena Sternenseele und ich komme, um Euch eine Botschaft von Galadriel aus Lothlorien zu überbringen. Sie...“
Larin schnitt ihr mit einer groben Geste das Wort ab. „Euch schickt Galadriel? Das kann nichts gutes bedeuten.“
„Nein, fürwahr nicht. Sie schickte mich, um Euch zu warnen.“
„Um uns zu warnen, wovor. Doch nicht etwa vor Elben?“ Larin unterbrach Ajienna abermals und lachte. Ajienna öffnete den Mund, um dem König gehörig die Meinung zu sagen. Tiefe Falten bildeten sich auf ihrer Stirn und sie sah so zornig aus, wie Griwin es noch nie gesehen hatte.
Der König winkte ab. „Entschuldige, bitte, das war natürlich nicht ernst gemeint.“
„Das will ich auch hoffen. Soll ich euch nun sagen, wovor ich Euch warnen soll, oder etwa nicht?“
„Natürlich, fahrt fort.“
„Galadriel erblickte in ihrem Spiegel eine Gefahr für Euch. Sie meinte, sie hänge mit dem Hexenmeister von Angmar, Orks und Drachen zusammen.“
„Eine Gefahr, in wie fern?“ Äußerlich blieb Larin völlig ruhig, doch in seinen Augen konnte man sein wirkliches Befinden erkennen - es war Angst, große Angst sogar.
„Das kann ich Euch nicht sagen, ich weiß es nicht.“
„Was meint Ihr sollen wir tun?“
„Wenn Ihr meine Meinung wissen wollt, flieht! Und zwar solange noch Zeit ist. Auch wenn Ihr Angmars Heere besiegen könnt, die Drachen werdet Ihr wohl kaum besiegen können.“
„Wir werden sehen. Ihr wünscht sicher ein Quartier für die Nacht...“
„Nein, ich muss weiter ziehen.“
„Schade. Danke, dass ihr uns gewarnt habt, aber fliehen werden wir nicht. Wir werden Zîrak-Dûsh bis zur letzten Sekunde verteidigen. Das wird Euch nun töricht erscheinen, aber wir Zwerge lassen uns nicht einfach aus unserer Heimat vertreiben.“
„Dann war ich wohl keine große Hilfe, wie ich sehe.“ Ihre Stimme klang bitter.
„Doch, das wart ihr. Hättet ihr uns nicht gewarnt, wären wir völlig unvorbereitet, wenn die Orks eintreffen, so aber können wir uns noch vorbereiten.“
Ajienna drehte sich ohne ein weiteres Wort um, um Zîrak-Dûsh zu verlassen. Als Griwin ihr folgte, hörte er sie leise vor sich hinmurmeln: „Dieser Alte Narr. Er wird noch wegen seiner Torheit enden.“
Als sie sich schon außer Hörweite des Königs befanden fragte Griwin: „Was werdet Ihr jetzt machen?“ Seine Stimme klang ein wenig enttäuscht, weil Ajienna seinen König als alten Narr bezeichnet hatte.
„Ich weiß nicht. Ihr werdet sehen und Euer König auch.“
„Also, wollt Ihr uns helfen?“
„Auch das werdet Ihr sehen.“ Ajienna sah Griwins Verwirrung und sprach weiter: „Wenn es irgendwie in meiner Macht steht Euch und dem Volk der Zwerge zu helfen, werde ich das tun.“
„Auf dass wir uns wieder treffen!“
„Ja, aber unter fröhlicheren Umständen.“
„Auf Wiedersehen!“ sagte Griwin.
„Auf Wiedersehen!“ antwortete Ajienna. „Rüstet euch gut zum Kampf, wenn ihr schon nicht fliehen wollt.“
„Das werden wir machen, auf Wiedersehen.“
Ajienna ging raschen Schrittes den Weg hinab. Griwin sah ihr nach, bis sie hinter der Biegung verschwunden und von ihm aus nicht mehr zu sehen war. Dann drehte er sich um und da kam auch schon seine Ablösung.
(Katrin)