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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




Die Tage des Abschieds

So war Maglin also nach kurzer Zeit wieder draußen im schönen Tal von Bruchtal und die Sonne war schon tiefer gesunken. Bald würde die Dämmerung hereinbrechen.
Er wanderte lange, und es wurde immer dunkler. Elronds Worte gingen ihm wieder und wieder durch den Kopf: "Ich weiß, dass du Geschichten und Weisheit höher schätzt als Krieg und Kampf, aber du wirst die andere Seite von dir bald kennen lernen."
Wie wahr, wie wahr! Selbst als er noch als kleiner Junge in Fornost lebte, wollte er nur ungern eine Waffe in die Hand nehmen. Und immer dann, wenn ihm jemand beibringen wollte, wie man einen Krieg führt oder ein Heer organisiert und wie man den Feind ausschalten kann, hatte er nur mit halben Ohr zugehört.
Gerne jedoch ging er zu den weisen und alten Menschen der Stadt und saß bei ihnen stundenlang am Feuer und hörte gebannt ihren Geschichten zu. Natürlich waren in diesen Geschichten auch Kriege vorgekommen und es wurde von Heldentaten erzählt, doch selbst so ein Held zu sein und mit Schwert und Schild Ruhm zu erlangen, konnte sich Maglin schwer vorstellen. Erst recht nicht als er so durch die Stille der Nacht unter den ersten Sternen am Himmel wanderte. Als er schon an den Rand des Tales gekommen war und ein bisschen höher gestiegen war setzte er sich unter einen großen Baum und sah durch das Blätterdach hinauf in die Sterne.
Ja, jetzt war es gewiss, vielleicht war es auch wirklich nicht mehr aufzuschieben gewesen, er musste dieses schöne Tal, das sich in einer zauberhaften Dunkelheit vor seinen Augen ausbreitete mit dem Haus, dessen Lichter so fröhlich zu ihm hinüber blickten verlassen. Und mit allem anderen die Elben, diese schönen und weisen Geschöpfe, die er so ins Herz geschlossen hatte. Er musste hinaus wandern aus dem Frieden dieses Tales, in den Schrecken der Welt außerhalb, in der viele dunkle Mächte immer stärker wurden. Für lange, lange Zeit würde er die vielen Geschichten vergessen müssen und sich anderen Dingen zuwenden.
Aber vielleicht ist das so, wenn man älter wird und noch dazu der Sohn einer Königs ist, dachte Maglin. Ich kann ja auch nicht mein ganzes Leben damit verbringen, bei Elben zu sitzen und Geschichten zu hören und wenn mein Land angegriffen wird, habe ich als Sohn des Königs eine gewisse Verantwortung. Kriege gehören nun mal zwangsweise zum Leben in dieser Welt, daran kann ich nichts ändern. Die bösen Mächte und den Streit unter den Völkern kann ich auch nicht wegzaubern, also muss ich mich wohl fügen und Schwert und Schild in die Hand nehmen und mein Vaterland verteidigen!
Später dann, Maglin war zu Elronds Haus zurück gewandert und hatte eine späte Mahlzeit zu sich genommen, lag er in seinem Bett und hörte auf den leisen Nachtwind und das Rauschen der Bäume draußen. Er dachte an seine Familie, die er bald wieder sehen würde. Lange, lange hatte er seinen Vater, seine Mutter und seinen Bruder nicht mehr gesehen. Araphor war 3 Jahre älter als er und die beiden waren grundverschieden. Araphor hatten Krieg und Kampf schon immer fasziniert und schon früh wollte es den Umgang mit der Waffe lernen.
Vielleicht ähnelt er etwas mehr meinen Vater, dachte Maglin. Mit seiner ganzen Art, er ist bestimmt ein guter Nachfolger. Araphor war immer schon der laute, harte Mensch gewesen, während Maglin sehr still und nachdenklich war. Araphor war auch bereits verheiratet, das hatte Maglin aus den zahlreichen Nachrichten erfahren, die er von zu Hause bekommen hatte.
Da war wieder so eine Sache, über die er sich noch nicht so viele Gedanken gemacht hatte: Heiraten. Viel mit Frauen zu tun hatte er noch nicht. Vielleicht möchte ich lieber mit einer Elbin zusammen leben, als mit einer Menschenfrau, dachte er. Es sind so zarte und schöne Geschöpfe mit so schönen glänzenden Haaren. Wenn er an Frauen dachte, kam ihm sofort dieses zierliche, geschmeidige und sensible in den Sinn und er fragte sich ob es auch irgendwo eine Frau gab, die mit einem Ork kämpfen konnte. Es waren ja immer die Männer, die in den Krieg zogen. Natürlich gab es auch einige weibliche Heldinnen und beim längeren Nachdenken fielen ihm auch weitere Elben ein, aber bei den Menschen war doch eher der Mann, das dominierende Geschlecht, soweit er denken konnte. Ich möchte mal wissen, ob es irgendwo eine Frau gibt, die mit einem Schwert gegen Orks kämpft und gefährliche Abenteuer besteht, und wenn es sie gibt, dann würde ich sie gerne kennenlernen, sie wäre vielleicht sogar noch besser als eine Elbin, waren seine letzten Gedanken bevor er einschlief.


"Guten Morgen, Maglin!" Elrond kam zu ihm und setzte sich neben ihm auf die steinerne Bank. Es war einer von Maglins Lieblingsplätzen. Die Bank stand vor dem Haus an der Ostseite in Richtung der aufgehenden Sonne.
"Ich denke du hast viel nachgedacht, seit wir uns gestern getrennt haben und vielleicht fällt es dir jetzt etwas leichter dich zu verabschieden."
"Ja, ich habe über vieles nachgedacht, aber es fällt mir immer noch schwer, jetzt meine Sachen zu packen, und das zu verlassen, was mir in den letzten Jahren so ans Herz gewachsen ist. Aber ich denke, ich muss das jetzt tun und bald wird ein neuer Abschnitt meines Lebens beginnen, in dem ich versuchen muss erwachsen zu werden und meine Pflichten als ein Sohn eines Königs wahrzunehmen. Ich denken aber auch, dass ich jetzt reif genug dafür bin, und am meisten freue ich mich jetzt erstmal auf meine Heimat und alles andere wird dann kommen.
"Schön, das du so zuversichtlich bist. Es freut mich, dass du jetzt so weit bist, diesen neuen Aufgaben entgegenzutreten und dich damit auseinander zu setzen. Ich denke, dass wir jetzt auch nicht mehr lange warten sollten. Ich werde dir ein Pferd und Verpflegung geben. Deinen Weg kennst du ja. Wann willst du los reiten?"
"Ich denke morgen ist ein guter Zeitpunkt, wenn das möglich ist, denn jetzt da ich erstmal den Entschluss gefasst habe, möchte ich nicht mehr allzu lange warten."
"Sehr gut. Es wäre am Besten, wenn du die große Oststraße nach Bree nimmst und von Bree aus nach Norden, nach Fornost. Es ist der sicherste Weg, obwohl ich nicht weiß ob er es noch lange bleiben wird. Die Zeiten werden immer dunkler, Maglin. Wer weiß, was in den nächsten Jahren noch auf uns zukommen wird?"
(Irmela)