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Der Roman „Angmar“
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Der Untergang Númenors
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Zeittafel




In den Norden

Die Talach Uichel war die Tundra, die sich nördlich von Angmar von der Bucht von Forochel bis weit nach Osten zu den Ered Muil erstreckte. Ein weites, baumloses Land, dessen Erdboden das ganze Jahr über 2 bis 3 Handbreit tief gefroren war, und über dem sich der kalte Himmel der Nordlande wölbte.
Doch gab es saftige Flechten und Moose im Überfluss, und gelegentlich sogar einen niedrig wachsenden Busch mit Zweigen die widerstandsfähig genug waren um Blätter hervor sprießen zu lassen.
Losrandir, die großen Rentiere des Nordens, zogen in der harten Winterzeit, die in diesen Breiten bereits angebrochen war, in kleinen Herden von vielleicht einem dutzend Tieren auf der Suche nach Nahrung durch die Ebenen. Unter der Schneeschicht stöberten sie nach nach nahrhaftem Grün und schnüffelten mit ihren Nasen nach dem schlechten Geruch von Wölfen, die sich in dieser Zeit zu großen Rudeln zusammenrotteten und im weißen Fell wie Schneegeister unsichtbar durch die Ebene pirschten. Nachts waren zuweilen auf niedrigen Erhebungen ihre Silhouetten zu erkennen, die mit lang gezogenem Klagen den abnehmenden Mond anheulten. Dann gingen sie auch zumeist auf die Jagd. Häufiger als die wachsamen Losrandir erbeuteten sie jedoch Hasen und Mäuse. Diese kleinen Bissen waren es die in Notzeiten das Überleben sicherten.
Ishar blickte zum hinter ihm reitenden Bannerträger zurück. Das Wolfswappen flatterte im frostigen Wind, der ihm und seinen Männern ins Gesicht blies. Sie hatten vor drei Stunden das Lager in einer flachen, wenig Schutz bietenden Mulde abgebrochen. Kaum das sie es verlassen hatten waren die weißen Schatten hinter ihnen herangeschlichen um zu sehen ob an den heruntergebrannten Feuern für sie noch ein paar Brocken zurückgeblieben waren. Aber diesmal wurden sie enttäuscht. Da sich solches auch schon am vorhergehenden Morgen ereignet hatte, hatte Ishar den Schuldigen, der achtlos mit den Vorräten umgegangen war ausfindig gemacht und persönlich bestraft. Wie er befürchtet hatte war es einer seiner Männer gewesen, die Orks von Arzedokhs Stamm hätten niemals kostbares Fleisch auf einem Feldzug ohne Nachschubmöglichkeiten derart verschwendet. Für diese Dummheit musste der junge Krieger nun büßen, indem er für den Rest des Tages die doppelte Menge an Gepäck zu schleppen hatte, während sich das in letzter Zeit stark abgemagerte Maultier erholen konnte. Ishar grinste. Am Ende dieses Tages würde er sich schwören nie wieder etwas achtlos wegzuwerfen.
Doch Ishars Lächeln legte sich schnell wieder. Ein Marsch so weit in den Norden war auch unter normalen Umständen anstrengend genug, doch durch den frühen Wintereinbruch, die Marschroute und das Ziel seines Auftrages wurde er vor besondere Schwierigkeiten gestellt: Seine Armee war 760 Mann stark, 270 seiner Krieger und 490 Orks aus Arzedokhs Stamm. So viele Männer mussten versorgt werden, und da sie den gesamten Proviant nicht zusätzlich zu Waffen, Rüstungen und Marschgepäck auf dem Rücken tragen konnten mussten sie auf Maultiere zurückgreifen die man im alleräußersten Notfall ebenfalls schlachten konnte. Auf ihnen waren auch Zelte und Werkzeuge verstaut.
Ishar hätte seine Truppen gerne leichter ausgerüstet um Gewicht und Zeit zu sparen, doch diesmal würden sie die volle Kampfausrüstung benötigen, anderenfalls wäre ihr Auftrag von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Dieser Auftrag bestand aus nicht weniger als einen Drachenhort aufzuspüren, die ihn bewohnenden Urulóki für die Armee des Hexenkönigs zu gewinnen und mit diesen gewaltigen urzeitlichen Kreaturen die gesamte nördliche Einöde ostwärts zu durchqueren, um schließlich überraschend Zirak-Dush, die Zwergenstadt in den Eisenbergen, zu erobern und dem Erdboden gleichzumachen!
Ein Plan wie er nur von einem Wahnsinnigen oder einem Genie ersonnen werden konnte. Doch Ishar wusste, wie wichtig seine Aufgabe war. Denn wertvoller als alles Gold, was in den Hallen der Zwerge verborgen sein mochte, war ein einziges Kleinod. Eines nur, das er finden musste. Eines nur, das er zu seinem Herrn bringen musste. Eines...
Doch das alles hing davon ab ob es ihm überhaupt gelingen würde die uralten Kreaturen, die Feueratmer und Schuppengepanzerten, in seinen Dienst zu bringen.
Dafür führten sie die beschwerlichsten ihrer Lasten mit sich. Reines Gold und kostbar blinkendes Geschmeide, was sich, bewacht von seinen besten Männern, auf dem Rücken von Packpferden befand.
Und Vieh. Große Rinder, mit langem zotteligem braunen Haar die langsam am Ende des Heerzuges hinterher trotteten. Das Begrüßungsmahl, das die Urulóki günstig stimmen sollte. Und nach Möglichkeit von Ishars Kämpfern fernhalten...
Dieser letzte Umstand, dass sie eine Herde von 40 Rindern mit sich führen mussten, sorgte dafür dass sie viel langsamer als normalerweise vorankamen. Ständig mussten Futterplätze mit Nahrung unter dem Schnee ausfindig gemacht werden, ständig mussten die Männer auf die Tiere acht geben und auf die Wölfe die nachts bereits hungrig an das Lager heranschlichen.
"Eine merkwürdige Karawane sind wir", dachte Ishar.
"Ihr werdet sehen, dass wir erfolgreich sind, Ra-Gashvir!"
Rhaoul war an ihn heran geritten. Ishar blickte ihn an. Wie immer trug er seine Robe, diesmal zusätzlich mit einem dicken Fellmantel. Der Priester ritt einen feurigen braunen Hengst, den er zu Ishars Überraschung mühelos unter Kontrolle gebracht hatte. Das Pferd schnaubte. Ishars Schimmel warf unwillig den Kopf hoch. Rhaoul lächelte nur und tätschelte ihn an der Seite. Sofort war der Schimmel wieder ruhig.
"Dann wisst ihr mehr als ich," erklärte der Feldherr stirnrunzelnd. "Obwohl ich der Anführer bin kenne ich weder unser genaues Ziel noch weiß ich etwas über das, was uns dort erwartet."
"Unser Herr selbst hat mit euch Kriegsrat gehalten", antwortete ihm Rhaoul mit verwundert klingender Stimme.
"In diesem Kriegsrat wurde beschlossen das wir nach Norden ziehen sollten, gemeinsam, und mit einer großen Streitmacht, deren größten Teil ich damals noch nicht kannte. Es wurde beschlossen dass Zirak-Dush, eine unterirdische Stadt der Khazad, erobert werden musste und dass", Ishar senkte die Stimme, "der Ring des Zwergenkönigs, der von unserem Herrn unbedingt und absolut verlangt wird, um jeden Preis nach Carn Dum gebracht werden soll. Es wurde beschlossen, dass dazu eine beachtliche Streitmacht notwendig sein würde, denn dieses Zwergen Volk ist zahlreich und stark. Man berichtet, ihr greiser König verlässt seine Hallen nie, und seid unzähligen Jahren haben ihn selbst die meisten seines eigenen Volkes nicht mehr gesehen. Dort wo Meuchelmörder und Spione nicht ausreichen würden sollten wir die Mauern der Berge selbst durchbrechen. Doch die dazu notwendigen Krieger konnten nicht auf einen Heerzug geschickt werden, ohne die Sicherheit der Grenzmarken zu gefährden."
"Und so", fuhr der Magier fort, "befahl uns unser Gebieter in die nördliche Einöde zu ziehen um uns die uralte Kraft der Drachen zu nutze zu machen."
"Und um durch die Wildnis unbemerkt bis zu den Ered Mithrin zu gelangen."Ishar nickte knapp.
"Unbemerkt, ohne dass sich uns ein Feind in den Weg stellen wird, und so, dass uns die Zwerge erst dann bemerken werden wenn wir mit Donnerhall an ihr Tor pochen werden." Der Magier lachte leise, zum zweiten Mal seit der abtrünnige Dunadan ihm begegnet war.
"Wären wir über das Nebelgebirge marschiert hätten wir es wahrscheinlich nicht einmal mehr über die zugeschneiten Pässe geschafft, und wenn doch so hätten wir uns erst einen Weg über den Anduin bahnen müssen, bei dessen Überquerung wir zweifellos von feindlichen Beorningern angegriffen worden wären." Ishar hatte in den nördlichen Anduintälern lange gegen dieses Hirten und Jägervolk gekämpft und gelernt es als Gegner zu respektieren. Sie waren ein einfaches aber raues, kraftvolles Volk, wie die Bären des Nordens. Tapfer, furchtlos und bereit ihre Freiheit bis zum letzten zu verteidigen.
"Gegen jenes Volk habt ihr euch euren Feldherrenruhm erworben, in ganz Angmar hatte man begonnen eure Tapferkeit zu besingen, und die Nachrichten über eure Taten drangen bis nach Carn Dum," lobte Rhaoul.
"Ja", antwortete der Feldherr. Es hatte lange und harte Kämpfe gekostet, doch Ishar wurde von den Bewohnern jener Länder nicht umsonst als "Nachtwolf" gefürchtet. Er hatte mit seinen aus Orks und Menschen gemischten Truppen mit Vorliebe Nachts zugeschlagen, überraschend aus der Wildnis, genau wie die Beorninger. Aus dem Hinterhalt heraus hatte er ihre verstreut liegenden Gehöfte und kleinen Siedlungen gebrandschatzt und war wieder verschwunden bevor man ihn fassen konnte. Allmählich schlossen sich ihm auch Kämpfer anderer Nordmenschenvölker an, die auf Beute aus waren, und so liefen die vom Feuerschein der brennenden Häuser alarmierten Nachbarn, die Waffenhilfe hatten bringen wollen immer öfter in Hinterhalte hinein. Das Bündniss der Nordvölker Rhovanions zerbrach, und Ishar sperrte den Anduin für heraufkommende Händler, die Felle und Vieh von den Beorningern hatten erwerben wollen. Nun diktierte er die Preise und schickte kleine, schnelle Boote auf Beutefahrt Flussabwärts.So hatte er es in nur 9 Jahren geschafft die Beorninger über den grossen Strom zu drängen, und Angmars Macht in dieser Region zu festigen.
"Es wäre zweifellos ein harter Marsch geworden, hätten wir diesen Weg gewählt, zumal uns auch die Waldelben feindlich gesonnen gewesen wären. Doch auch dieser Winterfeldzug wird schon allein durch die Kälte Verluste kosten. Und ihr habt mich noch immer nicht in die genaue Lage unseres Zieles eingeweiht."
"Ich selbst habe erst kurz vor unserer Abreise die ungefähre Richtung erfahren, die wir einzuschlagen haben." Rhaol zögerte einen Augenblick. "Die Geschöpfe des Feuers sind alt, selbst nach den Maßstäben eines Zauberers. Und sie sind eine selten gewordene Rasse, trotz all ihrer Macht und Größe. Vor vielen Jahren zogen sie sich weit in den Norden zurück, niemand weiß warum. Sie sind aus der Erinnerung der sprechenden Wesen verschwunden, und nur noch Legenden erzählen von ihnen."
"Ich wüsste aber gerne mehr als Legenden über sie", beharrte Ishar. Die Verschlossenheit des Zauberer begann ihn allmählich wüten zu machen. Seit knapp einem Monat waren sie nach Norden marschiert, um in der vergangenen Woche plötzlich eine scharfe Wende zu vollziehen und die Richtung Westen einzuschlagen. Alle Fragen des Feldherren wurden von dem ihm gleichgestellten Magier, der sich für den eigentlichen Anführer zu halten schien, nur einsilbig, wenn überhaupt beantwortet.
Aber nun war der entscheidende Punkt erreicht. Ohne klare Antworten würde er nach eigenem Gutdünken auf die Suche gehen.
Rhaoul schwieg. Doch dann erzählte er: "Die Drachen sind machtvolle Wesen, besonders die ältesten in denen das alte Feuer noch heiß brennt. Wenn wir ihnen gegenüberstehen werdet ihr sehen das die Barden der Forodrim wahr gesungen haben. Sie leben in Höhlen und Felsenklippen, auf Berggipfeln und Kratern erloschener Vulkane. Sie können lange ohne Nahrung auskommen, doch wenn sie jagen benötigen sie große Mengen Fleisch als Beute. Vielleicht haben sie deshalb die Nordlande mit ihren Losrandir und Caru Herden als Heimat gewählt. Die männlichen Drachen sind Einzelgänger. Sie verteidigen ihr Revier erbittert, und erlauben weder Menschen noch anderen Drachen es zu betreten.
Die Weibchen aber schließen sich oft zu Bruten zusammen, meistens sind die Mitglieder einer Drachenbrut miteinander verwandt, Geschwister, oder Mütter und Töchter.
Ishar lauschte aufmerksam."Können alle Drachen fliegen?"
"Nein!" entgegnete Rhaoul. "Es gibt drei Arten von Drachen. Die Urulóki - die Feuerschlangen, in denen die alten Flammen am heißesten lodern, die Kaltdrachen, die sich auf Flügeln in die Luft schwingen, aber kein eigenes Feuer besitzen, und die geflügelten Feuerdrachen, die auch die größten und seltensten von allen Drachen sind."
"Ich habe oftmals anderes von den Geschichtenerzählern gehört...", warf der junge Feldherr ein.
Rhaoul zischte verächtlich." Die Menschen wissen nur noch wenig über diese Dinge und erfinden Kindermärchen um ihre Unwissenheit zu überdecken!"
"Doch wo finden wir diese Kreaturen?" Diese Frage beschäftigte ihn schon lange.
"Ich weiß es nicht genau", erklärte Rhaoul gelassen.
"IHR WISST ES NICHT GENAU?" Ishar hatte Mühe nicht vollends die Beherrschung zu verlieren.
"Nun, zumindest wusste ich es anfangs nicht genau als wir aufbrachen..."
Ishar schwieg und wartete ab. Mittlerweile kannte er Rhaouls Art etwas.
"Mir wurde nur erklärt dass sie besonders im Norden der Eisbucht von Forochel hausen in deren Richtung wir nun marschieren, seltener jedoch auch in der Talach Uichel. Doch sie scheinen sich weit zurückgezogen zu haben. Ansonsten würden es die Hörigen ohnehin nicht mehr wagen ihre halbwilden Schaf- und Ziegenherden an der Nordseite des Gebirges grasen zu lassen."
Rhaoul hob eine Hand als Ishar anfangen wollte zu sprechen.
"Doch ihr werdet sehen, dass ich nicht umsonst zu eurem Vertrauten bestellt wurde! Ich werde Drachen für euch und unseren Herrn finden! Ich bin ein Hohepriester! Was anderen verborgen bleibt liegt mir offen! Euch als Waldläufer müsste bekannt sein, dass es noch andere Wahrnehmungen als Hören und Sehen gibt. So wie ihr die Jagdbeute oder den Feind im Verborgenen zu spüren vermögt, so kann ich das heiße Feuer der Drachen lodern fühlen, den Schlag ihrer starken Herzen spüren, und die Glut in ihren Adern. Selbst wenn sie wollten vermöchten sie sich nicht vor mir zu verbergen. Ich spüre sie! Und wir kommen ihnen mit jedem Schritt immer näher. Es können nicht mehr viele Tage sein bis wir auf sie Treffen. Sie sind vor uns, jenseits des Horizontes. Und sie wissen bereits das wir kommen."
"Dann sollten wir sie nicht warten lassen!" Der Feldherr Angmars rieb die Zähne knirschend übereinander. Diese Nacht würde er die Wachen verdoppeln und verdreifachen lassen. Er fragte sich nur ob er die Rinder möglichst zu ihrem Schutz in die Mitte des Lagers oder zum Schutz seiner Männer möglichst weit davor treiben sollte. Vermutlich letzteres...
Einer der Soldaten, ein junger Forodrim der neu zu seiner Truppe gestoßen war, lachte hinter ihnen auf und begann ein Kriegslied zu singen.


"Wochen um Wochen, Zeit um Zeit, wir wandern lang, wir wandern weit,
durch Ebenen aus weißem Schnee, durch Eiseskluft und Bergeshöh,
voran, voran,
zu großem Ruhm, zu Ehr und Gold, und Heldentum.
Wir streiten hart, im grimmen Kampf, erstrahlen hell im Waffenglanz,
Schwert und Lanze, Schild und Speer, durchbohren den Feind, sind unsere Wehr.
Voran, voran, - wir wandern weit. Zu Schlachtenruhm - zu grimmem Streit.
Lasst Weiten schnell vorüber ziehn, lasst Meile um Meile vor uns fliehn,
voran, voran,
durch Eisessturm mit Hörnerklang,
Lasst tönen laut euern Gesang!
Durch reißenden Strom mit hartem Schlag - kein Verharren! Keine Klag!
Voran, voran - wir kennen den Weg sind unverzagt,
nun aufgeschlossen, frisch gewagt,
es hat gen Osten schon getagt.
So wir nur treu zusammenstehn, so werden wir auch das Ziel bald sehn.
Was bringt der Morgen? Wisst ihr es?
Lacht ihm entgegen und seid gewiss:
Wer unverzagt voran nur schreitet, als Sieger auch nach Hause reitet.
Werden Bein auch müd und Arme schwer,
Wir singen weiter und schultern die Wehr!
Wir gehen voran, schaun nicht zurück,
Zu Waffenruhm - zu Siegesglück!"
(Holger)