Allgemein
Homepage | Aktuell | faq | Tolkiens Romane | Jacksons Verfilmung | Bilder | Musik | Spaß in Mittelerde | Links | Gedichte | Geschichten | Suchen in der website | Chat | Forum |
Gästebuch

Der Roman „Angmar“
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans | Zeittafel

Der Untergang Númenors
Spielregeln | Romanvorgabe | Die Autoren | Eigennamen | Entwürfe (zeitlich) | Entwürfe (nach Personen) | Stand des Romans |
Zeittafel




Schüler und Lehrer

Ein schwarzes Pferd preschte durch die hügelige, grüne Ebene. Es war erschöpft, doch die vermummte Gestalt nahm darauf keine Rücksicht und trieb das Tier immer weiter an. Sie musste jemanden finden, wen, dass wusste sie selber noch nicht, aber sie war sich sicher, sie würde ihn erkennen, wenn sie ihn sah. Die Sonne begann sich gerade aus der Erde hervorzukämpfen als die Gestalt das Pferd endlich zum Stehen brachte.
Sie stieg ab und entfernte sich einige Schritte von ihrem Pferd. Dann fiel sie auf die Knie, stieß einen langen, schrillen Schrei aus und brach weinend zusammen. Sie zitterte vor Enttäuschung und Wut. Sie hatte sie verlassen. Das war nicht recht. Sie war jetzt einfach weg. Dabei hatte sie ihr versprochen, dass sie immer bei ihr bleiben würde. Aber jetzt war sie nicht mehr da. Die Gestalt krümmte sich auf dem Boden und weinte hemmungslos.
Eine leise Erinnerung regte sich in ihr.


Ihr Elternhaus das in Flammen stand, die toten Körper ihrer Eltern die nahe am Haus lagen, getötet von Angmar-Soldaten. Sie war damals noch ein Kind von acht Jahren gewesen. Dann trat eine Frau aus dem Rauch auf sie zu. Sie hatte schreckliche Angst gehabt, doch die Frau war nett und fürsorglich gewesen. Sie hatte sie mit sich genommen und ihr alles beigebracht was sie wusste.


Die Gestalt wies die Erinnerungen von sich und nahm ihre Maske ab um Luft an ihr Gesicht zu lassen. Zum Vorschein kam das Antlitz einer jungen Frau. Sie hatte ihr langes, glattes, schwarzes Haar hinter ihrem Kopf zu einem flachen Knoten zusammengebunden. Ihre Haut hatte eine leicht gelblich Färbung, wie es bei ihrem Volk üblich war. Sie wischte sich die Tränen aus den schwarzen Augen und atmete tief durch. Sie musste in die nächste Stadt um neue Lebensmittel zu kaufen, und die nächste Stadt war Artagón. Sie holte einen Rucksack den ihr Pferd auf dem Rücken trug, nahm die Männerkleidung heraus, und wechselte ihre tiefschwarze Kleidung gegen die olivgrüne Händlerkleidung. Sie mochte diese Kleidung nicht sonderlich. Aber sie war notwendig. „Zeige nur ausgewählten Personen wer du wirklich bist. So kann dir niemand etwas anhängen.“ Das waren die Worte ihrer Meisterin gewesen, und sie hatte sich immer an das gehalten was ihre Meisterin ihr gesagt hatte.
Nach wenigen Minuten war ihre Verkleidung als Mann perfekt und sie machte sich auf den Weg nach Artagón.


Der Morgen schritt weiter voran und es war fast Mittag als die Stadt am Horizont sichtbar wurde. Das Mädchen ließ das Pferd langsam gehen um es etwas zu schonen und möglichen Beobachtern nicht den Eindruck zu vermitteln, dass sie es eilig hätte.
Was war das? Das Mädchen ließ das Pferd halten. Da bewegte sich jemand zwischen den Bäumen. Es konnten Elben sein, was sehr unwahrscheinlich war, es konnte auch ein Räuber sein der ihr auflauern wollte. Wer auch immer es war, sie würde es herausfinden. Sie stieg von der Seite des Pferdes ab, die den Bäumen abgewandt war und kroch bäuchlings auf den Schatten zu. Dieser bewegte sich nun nicht mehr. Wahrscheinlich war der Räuber, ein Elb hätte sie längst entdeckt, verwirrt, weil er sie nicht mehr sah. Sie konnte sich ein hämisches Grinsen nicht verkneifen als sie sich dem Räuber leise näherte. Ihr Grinsen gefror als sie sah wen sie da vor sich hatte. Es war ein kleiner, drahtig wirkender Mann der zwischen den Bäumen hockte und sich suchend umsah. Man konnte auf seinem Hemd ein Zeichen erkennen. Es war zwar sehr klein, aber es war groß genug das sie wusste wer sie beobachtet hatte. Ein Späher von Angmar.


Die Meisterin schrie gellend auf und sank blutüberströmt zusammen.
Die Soldaten lachten und begannen damit den Körper grausam zu entstellen.


Sie wusste nicht, welcher Teufel sie ritt als sie aufsprang und den Späher mit ihrem Kampfstab angriff. Der Mann war viel zu überrascht um zu reagieren, als ihr Schlag ihm fünf Rippen brach. Er taumelte nur zurück und sah sie mit schmerzverzerrtem Gesicht an. Er hatte Angst. Aber ihr Hass hatte sich noch nicht abgekühlt. Als er versuchte sein Schwert zu ziehen sprang sie hoch und vollführte eine Figur die ihre Meisterin „Untergehende Sonne“ genannt hatte. Bei dieser Figur sprang man hoch, täuschte einen Schlag von rechts an und änderte im letzten Moment die Richtung um von links zuzuschlagen. Ihre Rechnung ging auf. Der Mann hatte den Täuschungsversuch nicht gesehen. Er versuchte seine rechte Seite zu verteidigen. Es knackte laut als der Stock dem Mann das Genick brach und er tot in das Unterholz glitt. Sie atmete tief ein um sich zu beruhigen und einen klaren Kopf zu bekommen. Dieser Mann hatte ganz sicher nicht den Auftrag bekommen sie zu beschatten und zu töten. Er hätte zu viele günstige Momente dazu gehabt. Er hatte wahrscheinlich nur den Auftrag die Straße zu überwachen. Aber aus welchem Grund?
Während sie nachdachte, fiel ihr Blick auf Artagón. Die kleine Stadt lag friedlich da.
Aber natürlich. Es gab nur zwei Gründe eine Stadt beobachten zu lassen. Entweder man plante einen Überfall in der Nähe der Stadt oder einen Überfall auf die Stadt selbst.
Ohne an die Gefahr zu denken von weiteren Spähern gesehen zu werden rannte sie aus dem Schutz der Bäume hervor und sprang in den Sattel ihres Pferdes. Wenige Sekunden später jagte das Tier auf Artagón zu.


Es war nur ein Wächter an dem Tor und dieser sah sehr bleich und verstört aus. Sie stieg ab und ging zielstrebig auf den Mann zu. Er bemerkte sie erst als sie vor ihm stand. „Wer seid Ihr und was wollt Ihr, Dunländer!“
Er war nicht sehr höflich, was er ja auch nicht sein musste, aber sie hatte es nicht nötig sich auf ein Gespräch mit diesem ungehobelten Mann einzulassen. Also würde sie es kurz machen. „Namen sind unwichtig, wichtig sind nur die Taten. Lasst mich zu Eurem Dorfältesten oder deine Weigerung wird deine letzte Tat gewesen sein!“
Auch wenn es unmöglich erschienen war, aber die Wache wurde noch bleicher. „Was wollt Ihr von dem Ältesten?“ Der Mann zitterte wie ein Kind das Schläge erwartete.
„Das lasst meine Sorge sein.“ Sie Bemühte sich ihr Temperament ruhig zu halten, und hätte es auch geschafft, wenn dieser törichte Mann sich nicht zu seiner vollen Größe aufgerichtet und sein Schwert gezogen hätte.
„Ich lasse Euch nicht vorbei!“ Seine Stimme zitterte zwar etwas, aber er würde alles tun um sie nicht in die Stadt zu lassen. Heiße Wut stieg in ihr auf. Sie trat nach der Klinge. Ihr Fuß traf die Klinge mit solcher Wucht, dass diese in hohem Bogen aus der Hand der Wache sprang und in einiger Entfernung hart auf den Boden aufschlug. Die Wache sackte gegen die Wand. In dem Gesicht des Wachsoldaten zeichnete sich ein unsagbarer Schrecken ab. „Tretet ein, Herr. Aber tut mir nichts. Ich bitte Euch, tut mir nichts.“ Er wich einige Schritte zur Seite, hielt sich jedoch weiterhin an der Wand.„ Bitte tut mir nichts.“
Sie lächelte zufrieden, öffnete das Tor und trat in die Stadt ein.
Kaum war sie durch das Tor getreten, wurde ihr klar, dass dies das Armenviertel sein musste. Einige der Leute sahen sie neugierig an, die meisten schienen sie jedoch nicht zu bemerken und gingen ihren Beschäftigungen nach. Jetzt musste sie nur noch zum Ältesten kommen, ihn warnen und dann so schnell wie möglich aus der Stadt verschwinden. Sie hatte sich mit den Wachen angelegt und so etwas war sehr unbequem aber manchmal notwendig. Ein junger Mann ging nahe an ihr vorbei und zuckte erschrocken zusammen als sie ihn am Arm festhielt. „Wo ist Euer Ältester?“ fuhr sie den Mann barsch an.
„Er ist in der Halle, Herr.“
Der Mann sah sie neugierig an. „Bring mich hin!“ Forderte sie und ließ seinen Arm los. Der Mann sah sie verunsichert an, doch als er ihren scharfen Blick sah nickte er und ging vor ihr her.
Sie beobachtete den ganzen Weg über wie sich die Umgebung veränderte, und sie war sich sicher, dass wenn sie hier als Frau erschienen wäre, ihr niemand geholfen hätte. Da müsste sie schon eine Elbin oder Magierin sein. Der Mann blieb stehen und deutete auf eine Halle die auf einem viel zu großen Marktplatz stand.
Sie sah die Halle lange an. Dieses Gebäude hatte etwas, das sie wie magisch anzog. Hier würde bald etwas bedeutendes geschehen. Erst jetzt fiel ihr auf, dass der Mann sie noch immer neugierig ansah. Sie entließ ihn mit einer Geste und ging zielstrebig auf die Halle zu. Sie schlug dreimal gegen die Tür. Ein kleines Türchen wurde geöffnet und ein Wachmann betrachtete sie missbilligend.
„Was wünscht ihr, Fremder?“
„Ich bitte Euch, mich zu eurem Herrn zu bringen.“ Sie neigte ergeben den Kopf. Der Wächter hob erstaunt eine Augenbraue an. „Wartet hier!“
Das Türchen wurde geschlossen und sie hörte wie der Wächter sich rasch entfernte.
Gut, sie würde warten, bis er zurückkehren würde. Ziellos strichen ihre Blicke über die geschäftig umhereilenden Menschen.
Wieder krochen die Erinnerungen wie vielbeinige Insekten an ihrem Rücken empor. Doch diesmal kämpfte sie nicht gegen sie an.


„Schüler, du bist zu ungeduldig.“ Die Stimme ihrer Meisterin klang warm und sanft aber ihre Worte schnitten wie ein Messer in Schülers Fleisch.
„Ihr seid noch nicht bereit für diese anderen Künste. Ihr benötigt noch viel Training.“ Die Meisterin nahm Schülers Gesicht in ihre Hände und zwang sie sanft ihr in die Augen zu sehen, die ihr so oft so viel Trost gespendet hatten.
„Wann bin ich den bereit, Meisterin? Ich beherrsche alles was ihr mir je beigebracht habt. Was muss ich noch lernen?“ Die Meisterin lächelte sie an. Nein, mein Kind. Du bewegst dich noch viel zu eckig. Deine Bewegungen müssen noch viel flüssiger sein, bevor ich dich in diese andere Kunst einweihen kann.“ Das Gesicht der Meisterin wurde plötzlich so kalt wie Eis. Sie ließ ihr Gesicht los und wandte sich ab und ging den Gang entlang zu ihrem Zimmer.
„Meisterin!“
Die Meisterin blieb stehen, drehte sich jedoch nicht zu Schüler um.
„Was ist?“
„Ihr redet immer von den anderen Künsten. Aber was genau sind die anderen Künste?“
„Das werde ich dir erklären, wenn du bereit bist. Aber wisse: Jeder Krieger, der etwas auf sich hält, beherrscht sie.“
Die Meisterin verließ nun den Gang und mit ihr verließen Schüler auch die Erinnerungen.


Sie hatte lange Zeit einfach nur dagestanden und vor sich hingestarrt.
Vor ihr stand der Wächter und sah auf sie hinab. Flackerte da in seinen Augen so etwas wie Mitleid auf? Erst jetzt wurde Schüler sich den Tränen bewusst, die ihre Wangen herunter liefen und ihre Kleidung benässte.
„Der Älteste wird Euch nun empfangen.“
Ja, es war Mitleid, auch in seiner Stimme. Sie ging an ihm vorbei und betrat das Gebäude. Schüler wurde durch einen langen Gang geführt, an dessen Ende eine Holztür war. Als Schüler diese durchschritt, stand sie in einer kleinen Halle, an dessen Kopfende ein Thron stand, auf dem ein alter Mann saß.
Schüler ging auf den Thron zu und blieb erst wenige Meter vor diesem zum stehen. Der Alte wirkte abwesend. Fast so als sei er tot.
Da begann sich der Mann zu regen. Er sah ihr direkt in die Augen als wolle er sie mit seinem Blick festhalten. Es schien eine Ewigkeit zu dauern als er seine Augen wieder von ihr abwandte.
„Wer seid Ihr und was wünscht Ihr?“ flüsterte er. Der Mann klang krank und so verletzlich.
„Man kennt mich unter dem Namen Dae und ich bin hier, weil ich Euch vor einer nahen Gefahr warnen will.“
„Wieder so ein unglaubwürdiger Wohltäter. Glaub ihm nicht!“
Eine Frau saß auf einer Stufe unterhalb des Thrones. Schüler hatte sie vorher nicht bemerkt. Die Frau würdigte sie keines Blickes, sondern sah einfach durch Schüler hindurch. So als existiere sie gar nicht.
„Erinnert Euch an den Zwerg! Auch er wollte uns warnen. Aber was sind schon die Worte eines Zwergen, oder die eines einfachen Händlers?“ Diesen letzten Satz sprach sie voll Verachtung aus. Sie schien nicht viel von einfachen Leuten oder Zwergen zu halten.
Doch der Älteste ignorierte die Frau einfach. Er sah Schüler nachdenklich an. Lange Zeit herrschte Stille, die der Älteste schließlich brach. Er nickte nachdenklich: „Dae. Obwohl ich nicht glaube, dass dies Euer wirklicher Name ist, berichtet nun!“
Schüler atmete tief ein. Wo war ihre Meisterin? Sie hatte immer so gut mit Worten umgehen können. Was hätte sie jetzt getan?
„Als ich vom Norden her auf Eure Stadt zuritt, entdeckte ich etwas zwischen den Bäumen liegen. Als ich mich näherte um zu sehen was es war, erkannte ich, dass es ein Mann war. Bei näherer Betrachtung viel mir auf, dass er so seltsam dalag, so als habe ihm jemand heftig gegen den Kopf geschlagen. Da ich glaubte er sei überfallen und ausgeraubt worden, ging ich zu ihm hin um zu sehen ob ich ihm helfen könne. Aber als ich dann bei ihm war sah ich, dass man ihm das Genick gebrochen hatte. Und mir fiel etwas auf, was ich als Zeichen des Hexenkönigs von Angmar erkannte.“
„Er lügt!“ Die Frau sprang auf. Ihre Stimme klang erregt. „ Woher kennt er das Zeichen Angmars? Er ist ein einfacher Händler. Woher soll er dieses Zeichen kennen, wenn er nicht selbst ein Spion des Feindes ist?“
„Angmars Soldaten töteten meine Eltern und verschleppten meine Brüder. Glaubt mir, ich erkenne einen Diener des Hexenkönigs, wenn ich ihn sehe.“
Wieder breitete sich diese bedrückende Stille aus. Die Frau sah Schüler an. Sie hatte plötzlich Angst.
Angst vor einem einfachen Mann.
Der Älteste erhob sich und ging auf Schüler zu. „Ich will Euren Worten Glauben schenken, Dae oder wie auch immer Ihr euch nennen mögt. Ihr seid ein ungewöhnlicher Mensch, und nur das ist der Grund für mein Vertrauen. Ich hoffe, dass Ihr es nicht missbraucht.“
Unmittelbar nach diesen Worten wurde die Tür lautlos geöffnet und der Wächter trat ein.
„Vergebt mir Herr, aber draußen wartet eine Elbenherrin, die Euch um eine Audienz bittet.“
Der Älteste schritt wieder auf seinen Thron zu und setzte sich auf diesen. „Eine Elbenherrin sagst du? Bring sie zu mir, und Ihr,“ er sah Schüler an. „Bitte bleibt noch ein Weilchen bei uns.“ Der Wächter verließ die Halle wieder und wenige Augenblicke später trat eine kleine, blonde Frau ein.
Als Schüler sie sah, wusste sie, das sie gefunden hatte wen sie suchte. Eine neue Meisterin!
(Annika)